Alle 40 Todesopfer der Brandkatastrophe in dem Schweizer Skiort Crans-Montana sind nach Angaben der Polizei inzwischen identifiziert. Mehr als die Hälfte der Toten waren Jugendliche, wie die Polizei des Kantons Wallis am Sonntag weiter mitteilte. Die jüngsten Opfer waren der Polizei zufolge 14 Jahre alt. Viele der 119 meist schwer Verletzten kämpfen weiter um ihr Leben.
- Zum Artikel: Feuer in Crans-Montana durch Sprühfontänen ausgelöst
Identifizierung der Toten war sehr schwierig
Unter den Toten waren den Angaben nach 21 Schweizer, sieben Franzosen und sechs Italiener. Weitere Opfer stammten aus Rumänien, der Türkei, Portugal und Belgien. Zudem starben eine Person mit schweizerischer und französischer Staatsangehörigkeit und ein 15-jähriges Mädchen mit französischer, israelischer und britischer Staatsangehörigkeit. Die Identifizierung der Leichen gestaltete sich schwierig, da viele bis zur Unkenntlichkeit verbrannt waren.
Kritische Phase für Überlebende
Unter den 119 überwiegend schwer verletzten Überlebenden befinden sich nach Aussage von Medizinern viele noch in Lebensgefahr und momentan in einer besonders kritischen Phase: Bei sehr schweren Verbrennungen treten Symptome wie Organversagen erst nach 48 Stunden auf, wie Experten erläutern.
Zudem wächst das Risiko von Infektionen, weil das überforderte Immunsystem geschwächt ist. Erst, wenn die Risiken minimiert sind, können die ersten Operationen vorgenommen werden, um die verbrannte Haut zu entfernen und zu ersetzen - idealerweise mit Haut von anderen Körperstellen, die unversehrt blieben. Vielen Betroffenen dürften zahlreiche solche Eingriffe bevorstehen.
Verletzte auch in deutschen Kliniken
Unter den 119 Verletzten sind mehr als 70 Schweizer sowie Franzosen, Italiener, Serben und einzelne Angehörige anderer Länder, deutsche Opfer wurden bislang nicht gemeldet. Mehrere der Patienten sind jedoch in Spezialkliniken in Deutschland verlegt worden. Die Schweiz hat nicht genügend Kapazitäten, um alle Verletzte langfristig zu behandeln und fragte deshalb Plätze für 50 Patientinnen und Patienten überwiegend in Nachbarländern an. Unter anderem werden Überlebende aus Crans-Montana in Ludwigshafen, Stuttgart, Tübingen, Nürnberg, Bochum und Köln-Merheim behandelt. Weitere Kliniken haben Aufnahmeplätze zugesagt.
Strafverfahren geben Bar-Betreiber eröffnet
Das Inferno in der Bar "Le Constellation" in Crans-Montana wurde nach bisherigen Ermittlungen durch funkensprühende Partyfontänen ausgelöst. Laut Staatsanwältin Beatrice Pilloud gibt es Hinweise, dass auf Champagnerflaschen angebrachte Wunderkerzen oder Bengalische Feuer das Dämmmaterial an der Decke entzündeten. Daraufhin sei es zu einer schnellen und ausgedehnten Brandentwicklung gekommen.
Nun wird untersucht, ob die Brandschutzvorschriften eingehalten wurden. Zu klären ist, ob die in Brand geratene Deckenabdeckung regelkonform war und ob es genug zugängliche Notausgänge gab. Gegen die beiden Betreiber der Bar läuft ein Strafverfahren. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts auf fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Verursachung eines Brandes, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Die beiden Personen seien aber nicht in Gewahrsam genommen worden, da es keine Anzeichen dafür gebe, dass sie sich dem Verfahren entziehen wollten, erklärten die Behörden.
Nationales Gedenken an die Opfer
Die Schweiz plant für den 9. Januar einen nationalen Trauertag und eine Gedenkfeier für die Opfer. Die Gemeinde Crans-Montana legte online ein Kondolenzbuch auf. Als Erster schrieb darin Bundespräsident Guy Parmelin: "Allen trauernden Familien, allen Opfern sage ich erneut mit Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit: Ihr Leid ist auch unser Leid." Er werde an der Gedenkfeier teilnehmen, ob andere Staatschefs anreisten, sei noch unklar, sagte er in Zeitungsinterviews.
Zu Beginn der Trauerfeier in Crans-Montana sollen im ganzen Land die Kirchenglocken läuten, begleitet von einer landesweiten Schweigeminute, wie Parmelin weiter sagte.
Mit Informationen von dpa und Reuters
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
