In Sengenthal in der Oberpfalz lässt sich beobachten, wie Bayerns technologischer Fortschritt hätte aussehen können. Eine Magnetschwebebahn gleitet leise über die Teststrecke. 150 Stundenkilometer schafft sie im Nahverkehr, ist klimaneutral und kann 250 Gäste befördern.
- Zum Artikel: Magnetschwebebahn: Die Zukunft des Nahverkehrs?
Trotz Mehrheit im Stadtrat: CSU kann Projekt in Nürnberg nicht durchsetzen
Einst galt die Magnetschwebebahn als "Bekenntnis zu neuen Technologien", wie es Ministerpräsident Markus Söder (CSU) 2023 formuliert hatte. In Nürnberg hätte das Projekt zum Einsatz kommen sollen: Vom U-Bahnhof Bauernfeindstraße nahe der Messe bis zum Klinikum in Langwasser.
Doch dazu kommt es nun nicht, denn der Stadtrat hat sich nach einem Veto der SPD gegen das Projekt an diesem Standort entschieden. Stattdessen soll eine bereits geplante Straßenbahnlinie verlängert werden, weil eine Studie ergeben hatte, dass Fahrgäste nicht so gerne umsteigen.
"Die SPD war gegen die Magnetschwebebahn auf dieser Strecke, weil die Straßenbahn besser für Nürnberg ist", sagt Nürnbergs dritter Bürgermeister, Nasser Ahmed, im BR-Politikmagazin Kontrovers. "Da steigen nach dem Gutachten mehr Leute dann vom Auto um, und das muss doch unser Ziel sein: Die Mobilitätswende wirklich schaffen und nicht einfach nur sich festlegen auf ein System."
Söder: "Moderne Zukunftstechnologie ist nicht an einen Standort gebunden"
Die geplante Straßenbahnlinie muss noch gebaut werden – die Kosten dafür sind in etwa gleich hoch wie für die Magnetschwebebahn. Die CSU-Fraktion hatte sich lange für die neue Technologie eingesetzt, aber konnte sich trotz annähernd doppelt so vieler Sitze im Stadtrat nicht gegen die SPD durchsetzen.
Eine Entwicklung, über die Ministerpräsident Söder wohl nicht gerade glücklich sei, heißt es aus informierten Kreisen. Ausgerechnet seine Heimatstadt lehnt das Projekt ab. "Moderne Zukunftstechnologie ist nicht an einen Standort gebunden", sagt Söder nun gegenüber Kontrovers. "Jeder Vorschlag, den ich mache, kann genutzt werden oder nicht. In der Regel sind die Vorschläge ganz gut und andere Kommunen werden sich wahrscheinlich darum reißen."
In der Kooperationsvereinbarung zwischen CSU und SPD steht, die Magnetschwebebahn könne möglicherweise auf dem Messegelände ausprobiert werden. Aber Strecke, Kosten, Zeithorizont – alles noch offen.
Vor 20 Jahren scheiterte das Projekt schon einmal
Es ist bereits das zweite Aus für eine angedachte Magnetschwebebahn in Bayern. Vor etwa 20 Jahren sorgte der Transrapid in München für Aufsehen: Der sollte den Hauptbahnhof mit dem Flughafen verbinden, zehn Minuten hätte die Fahrt gedauert. Bayerns ehemaliger Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) warb damals intensiv für das Projekt, doch wegen der hohen Kosten wurde es nie umgesetzt.
Bayerische Firma unterhält Magnetschwebebahn in China
In China wiederum sind bereits seit über 20 Jahren Magnetschwebebahnen unterwegs. Sie funktionieren schnell und ohne großen Personalaufwand. Das technische Know-how stammt von deutschen Firmen wie Thyssen Krupp und AEG.
Auch die Sengenthaler Herstellerfirma Transport System Bögl unterhält eine Teststrecke in Chengdu. "Da spielen für uns natürlich auch die Märkte eine große Rolle. Wo Städte noch wachsen, wo mehr Menschen in die Städte ziehen, und deswegen sind wir auch in Asien aktiv", sagt Andreas Rau, leitender Ingenieur bei TSB. Auch für Deutschland sei man weiterhin zuversichtlich. Es gäbe mittlerweile Machbarkeitsstudien in deutschen Städten, die zeigten, dass das System durchaus realisierbar sei und diverse Vorteile mit sich bringe. "Deswegen glauben wir fest daran, dass es auch hier zu einer Anwendung kommt", so Rau.
Aktuell soll die Technologie aus Sengenthal in Augsburg zur Diskussion stehen. Eine Kontrovers-Anfrage an die dortigen Stadtwerke blieb allerdings unbeantwortet.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
