Der "Hochwasser-Check 2026" der Deutschen Umwelthilfe (DUH) hat bundesweite Risikograde in rund 400 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland berechnet. Demnach landen hinter Deggendorf fünf weitere bayerische Kommunen auf den ersten 25 Plätzen und sind daher besonders überflutungsgefährdet.
Wie gefährdet ist Bayern? Darüber haben wir mit dem BR-Korrespondenten in Berlin, Jan Zimmermann gesprochen, der die Vorstellung der Studie heute live mitverfolgt hat. Außerdem sprachen wir mit Prof. Harald Kunstmann von der Universität Augsburg (externer Link) über die Frage, welche Schutzmaßnahmen es bräuchte und wie der Klimawandel solche Extremwetterereignisse beeinflusst. Den Livestream finden Sie oben eingebettet über diesem Artikel.
Umwelthilfe: Risiko durch "Jahrhunderthochwasser" hoch
Das Risiko durch sogenannte "Jahrhunderthochwasser" sei aktuell in allen deutschen Bundesländern hoch, erklärte die DUH. Und diese Entwicklung werde sich durch die Klimakrise, zunehmende Flächenversiegelung und weitere Eingriffe in natürliche Überflutungsflächen zusätzlich verschärfen. Der Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutzverband sieht daher einen "deutlichen Nachholbedarf" beim Hochwasserschutz. Neben technischen Anlagen wie Deichen, Mauern oder mobilen Schutzsystemen sollten auch vorsorgende Maßnahmen getroffen werden, damit Wassermassen durch Nebenflüsse, Bäche, Auen oder Moore ausgebremst werden können.
Für ihre Hochwasser-Risiko-Karte (externer Link) hat die Umwelthilfe den Risikograd in den einzelnen Landkreisen und kreisfreien Städten berechnet, um so regionale Hotspots besser aufzeigen zu können. Der Verband hat dafür die Hochwasserrisikoflächen (zum Beispiel durch bebaute und nachverdichtete Auen in Ufernähe zu Flüssen) berechnet und auch, wie viele "Adressen" (also angesiedelte Haushalte oder Geschäfte) potentiell von Hochwasser betroffen sein können. Da die DUH keine Daten hat, wie viele Personen beispielsweise in einem Haushalt leben, ist der Wert in "Adressen" angegeben und nicht in "betroffene Menschen".
Deggendorf am stärksten gefährdeter Hotspot in Bayern
So wird das Risiko als besonders hoch bewertet, wenn Kommunen einen hohen Anteil an Risikoflächen haben und gleichzeitig viele Wohngebäude dort stehen oder Geschäfte angesiedelt sind. Demnach weist der niederbayerische Landkreis Deggendorf den dritthöchsten Hochwasser-Risikograd in Deutschland auf und ist damit laut DUH der am stärksten gefährdete Flut-Hotspot Bayerns. Die DUH stuft dort rund 23 Prozent der Landkreisfläche als Risikogebiete ein.
Im "Hochwasser-Check" landen neben Deggendorf (Platz 3) fünf weitere bayerische Städte und Landkreise auf den ersten 25 Rängen: Straubing-Bogen auf Platz 10, Schwandorf auf Platz 16, der Landkreis Main-Spessart auf Platz 20, der Landkreis Donau-Ries (Platz 22) und Dillingen an der Donau (Platz 24).
DUH: Gefahr, dass Hochwasser häufiger und oberhalb der Schutzstandards auftreten
Laut den Berechnungen der DUH sind im Landkreis Deggendorf aktuell 3.632 Adressen von Hochwasser gefährdet. Sollte die bestehende aktuelle Schutzinfrastruktur gegen Hochwasser an ihre Grenzen kommen und durch ein erneutes "Jahrhunderthochwasser" überlastet werden, würde die Anzahl der betroffenen Adressen auf 8.787 steigen.
"Durch die Klimakrise können Hochwasser häufiger, extremer und auch oberhalb bisheriger Schutzstandards auftreten", erklärt die DUH dazu. Damit gerieten bestehende Schutzsysteme unter Druck. "Was früher statistisch als seltenes Extremereignis galt, tritt künftig mit höherer Wahrscheinlichkeit ein".
Glauber: "Tun alles, um Bayern hochwasserfest zu machen"
Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber betonte: "Wir tun alles, um Bayern hochwasserfest zu machen". Dabei stehe der Freistaat an der Seite der Kommunen im Schutz vor Hochwasser.
Über vier Milliarden Euro seien bayernweit seit Beginn der Hochwasserschutzprogramme im Jahr 2001 investiert worden. In den vergangenen Jahren seien so unter anderem über 190 Kilometer Deiche und über 70 Kilometer Hochwasserschutzwände neu errichtet und über 26 Millionen Kubikmeter Retentionsraum für Hochwasser entlang der Flüsse reaktiviert worden. Außerdem habe das Umweltministerium mit der Novelle des Bayerischen Wassergesetzes den Hochwasserschutz weiter gestärkt.
Absiedelungen im Landkreis Deggendorf
Im Landkreis Deggendorf zum Beispiel hat sich seit dem verheerenden Hochwasser von 2013 einiges getan. Es gab sogar Absiedlungen aus besonders gefährdeten Gebieten: "Im Bereich Isarmünd in der Gemeinde Moos ist ein kompletter Ortsteil abgesiedelt worden. Ich denke, dass wir in anderen Bereichen diese radikalen Maßnahmen so nicht mehr brauchen. Aber da, wo es notwendig war, haben wir bereits alles vollzogen und die Vorbereitung durchgezogen", erklärte Landrat Bernd Sibler. Der Landkreis sei vorbereitet und stehe längst nicht mehr bei Null. Auch, weil in den vergangenen Jahren durch die Hilfe des Freistaats viel getan worden sei, so Sibler.
Klimaforscher: Weiterhin großer Investitionsbedarf
Trotz der bisherigen Maßnahmen bestehe weiterhin großer Investitionsbedarf in den Hochwasserschutz, erklärte Harald Kunstmann im Interview mit BR24. Der Hydrologe und Klimaforscher von der Uni Augsburg sagte, dass vor allem an kleineren Flüssen und Bächen weiterhin Schutz fehle. Das habe zum Beispiel auch das Donau-Hochwasser im Jahr 2024 gezeigt mit den stark betroffenen Zuläufen in Dinkelscherben.
Kunstmann betonte, dass Hochwasserschutz "aus mehreren Säulen" bestehe. Neben technischen Maßnahmen seien Renaturierungen, bei denen den Flüssen mehr Raum gegeben werde, wichtig. Ebenso wie bessere Vorhersagemöglichkeiten.
Im Video: Deggendorfer Donauland auf Platz drei der am meisten gefährdeten Gebiete
Deggendorfer Donauland auf Platz drei der am meisten gefährdeten Gebiete
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