Brigitte Geist steht in ihrem Wohnzimmer: Im unteren Drittel sind die Wände abgetragen bis aufs Mauerwerk, an einer Stelle klafft ein Loch.
Brigitte Geist steht in ihrem Wohnzimmer: Im unteren Drittel sind die Wände abgetragen bis aufs Mauerwerk, an einer Stelle klafft ein Loch.
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Brigitte Geist steht in ihrem Wohnzimmer: Wo früher die Kinder gespielt haben, ist zwei Jahre nach dem Hochwasser immer noch eine Baustelle.
Bildrechte: BR/Til Antonie Wiesbeck
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Brigitte Geist steht in ihrem Wohnzimmer: Wo früher die Kinder gespielt haben, ist zwei Jahre nach dem Hochwasser immer noch eine Baustelle.

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Zwei Jahre nach Hochwasser: Ein Ort kämpft für mehr Schutz

Zwei Jahre nach Hochwasser: Ein Ort kämpft für mehr Schutz

Zwei Jahre nach dem Juni-Hochwasser 2024 kämpfen Menschen in Zusum immer noch mit immensen Schäden. Gleichzeitig haben sie Angst, dass es sie wieder treffen könnte. Sie fordern einen besseren Schutz vor Hochwasser – und stoßen dabei auf Widerstand.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

Am Fenster des Wohnzimmers von Brigitte Geist steht ein Sessel, an einer Wand ein prächtiger Keramik-Kachelofen und in der Ecke hängt eine Pendeluhr. Trotzdem wirkt das Erdgeschoss wie ein Rohbau. 30 Zentimeter hoch stand das Wasser hier vor zwei Jahren. Im unteren Drittel sind die Wände abgetragen bis aufs Mauerwerk, an einer Stelle klafft ein Loch, es stinkt nach Heizöl. "Meine Gefühle kann ich nicht beschreiben. Wenn man jeden Tag hier durchläuft und denkt: Das war mal so, die Kinder sind herumgesprungen und haben Freude gehabt. Aber die Freude ist eigentlich dahin", beklagt die 71-Jährige.

Abrissreife Häuser in Zusum

Zusum ist einer der Orte in Schwaben, die das Juni-Hochwasser 2024 besonders heftig getroffen hat. Das Dorf mit 65 Einwohnern war komplett überschwemmt, Menschen mussten evakuiert werden. Einige Häuser müssen voraussichtlich abgerissen werden. Das Wasserwirtschaftsamt (WWA) in Donauwörth hat erste Maßnahmen ergriffen, um die Deiche auf Stand zu bringen. Jetzt aber scheint der Hochwasserschutz dort in einer Sackgasse zu stecken.

Streit um Deichhöhen

Streitpunkt ist die Höhe der Deiche: Landwirte und Anwohner wünschen sich höhere Deiche und dadurch mehr Schutz für Menschen und Felder. Das aber ist laut Gudrun Seidel, Leiterin des WWA in Donauwörth, aus rechtlicher und fachlicher Sicht nicht möglich: Die Deiche seien als Teilschutzdeiche errichtet worden und würden rechtlich als "alte Überlaufdämme" geführt. Das bedeutet, der Überlauf wird südlich der Donau in Extremsituationen wie beim Juni-Hochwasser hingenommen, um größere Orte nördlich zu schützen.

Landwirte und Anwohner in Zusum und Auchsesheim möchten das nicht akzeptieren. "Mein Haus ist genauso viel Wert wie das in Riedlingen", betont örtliche Feuerwehrkommandant Timo Bablok. Man könne Zusum nicht vernachlässigen, nur weil es kleiner und vielleicht wirtschaftlich unwichtiger sei als andere Orte. Er fordert höhere Deiche oder einen zusätzlichen Deich in der Nähe von Zusum. "Irgendetwas muss passieren, denn aktuell sind wir schutzlos", beklagt Bablok. Viele argumentieren außerdem, dass der Damm in der Vergangenheit bereits höher gewesen sei, und führen eine historische Karte von 1898 als Beleg an.

Wasserwirtschaftsamt braucht Flächen

Doch die Situation ist noch verfahrener: Denn beim WWA ist man auf Landwirte in der Region angewiesen: Man brauche Zugang zu anliegenden Flächen, so Seidel, um die Deiche erhalten zu können. Deshalb habe man Grundstückseigentümer entlang der Deiche angeschrieben. Einen möglichen Verkauf oder Tausch von Flächen knüpfen laut Seidel viele aber an eine Erhöhung der Deiche.

Der Auchsesheimer Landwirt Hubert Gerstmeier bestätigte das. Zwar dürften Mitarbeitende des WWA landwirtschaftliche Flächen gegen eine Entschädigung zum Deicherhalt grundsätzlich betreten, so Gerstmeier. Beim Verkauf oder Tausch von Flächen würden er und andere Landwirte aber wissen wollen, was an den Deichen geplant sei. Auch Gerstmeier fordert unter anderem eine "Höhenfestschreibung".

Landwirte wollen Kompromiss

Ein paar Maßnahmen seien seit dem Juni-Hochwasser 2024 an den Deichen bei Zusum umgesetzt worden, räumt Feuerwehrhauptmann Bablok ein. So habe das WWA etwa Senken in Deichen wieder aufgefüllt. Seidel bestätigt, dass man Setzungen und Höhen angeglichen habe, um so die Anlagensicherheit wiederherzustellen. Mehr geschützt als vor zwei Jahren sei Zusum dadurch aber nicht.

Landwirt Gerstmeier rechnet mit Diskussionen. Mit Blick auf die mutmaßlichen Höhen in der historischen Karte betont er sein Verständnis dafür, dass das jetzige Baurecht ein anderes sei als damals: "Ich glaube nicht, dass wir auf die Höhen von 1898 kommen. Es wird aber einen Kompromiss geben können."

"Wenn man gar nichts macht, sind wir ganz ausgeliefert"

Auch die Hauseigentümerin Brigitte Geist hofft, dass sich etwas ändert und die Angst nachlässt: "Wir müssen schauen, dass da was vorangeht. Das wird eh noch lang dauern, bis was passiert. Aber wenn man gar nichts macht, dann sind wir ganz ausgeliefert." Inzwischen hat sie ein Gutachten in Auftrag gegeben: Eine Firma soll feststellen, ob ihr Haus noch zu retten ist.

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