Dominik Zeißner sitzt am Steuer eines Autos. Auf dem Rücksitz sitzt der Würzburger Bischof Franz Jung.
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Dominik Zeißner war der Fahrer des Würzburger Bischofs Franz Jung. Jetzt ist Zeißner zum Bürgermeister gewählt worden. Eine letzte Fahrt.
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Dominik Zeißner war der Fahrer des Würzburger Bischofs Franz Jung. Jetzt ist Zeißner zum Bürgermeister gewählt worden. Eine letzte Fahrt.

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Die letzte Dienstfahrt: Vom Bischofs-Chauffeur zum Bürgermeister

Die letzte Dienstfahrt: Vom Bischofs-Chauffeur zum Bürgermeister

Dominik Zeißner war sechs Jahre lang der Fahrer des Würzburger Bischofs Franz Jung. Seit dem 1. Mai lenkt er als Bürgermeister die Geschicke von Wasserlosen im Landkreis Schweinfurt. Wieso die letzte Fahrt für beide etwas ganz Besonderes war.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau am .

"So, Herr Zeißner, letzte Tour. Pack mers": So begrüßt der Würzburger Bischof Franz Jung seinen langjährigen Chauffeur und schüttelt ihm herzlich die Hand. "Letzte Tour, es ist so weit", antwortet Dominik Zeißner und schließt die Autotür hinter seinem Dienstherrn. Bei den Kommunalwahlen im März haben die Wählerinnen und Wähler Zeißner zum Bürgermeister von Wasserlosen im Landkreis Schweinfurt gewählt.

Letzte Fahrt für den Würzburger Bischof und seinen Fahrer

Die letzte gemeinsame Fahrt der beiden Männer geht nach Zeil am Main im Landkreis Haßberge – zur Segnung des neu sanierten Kreuzwegs hoch zum Zeiler Käppele. Zuvor hat Zeißner schon die liturgischen Hilfsmittel für den Gottesdienst aus der Sakristei geholt – drei Mitren, Gewänder sowie einen mobilen Bischofsstab zum Zusammenschrauben. Auch das gehörte zu Zeißners Job.

Sechs Jahre lang ist der inzwischen 40-Jährige mit Bischof Franz Jung durch ganz Deutschland gefahren. 40.000 Kilometer im Jahr. Da bleibt auch viel Zeit für Gespräche. An diesem Tag im April zum letzten Mal. "Mit einem weinenden und mit einem lachenden Auge, aber ich habe es ja so gewollt", sagt er. Dennoch sei diese Fahrt etwas Besonderes, genau wie die erste damals – noch zu Corona-Zeiten.

Bischof: "Zeißner konnte kaum etwas aus der Ruhe bringen"

An den Job als Bischofsfahrer war der ehemalige Postzusteller 2019 über eine Stellenausschreibung gekommen. "Dominik Zeißner kann kaum etwas aus der Ruhe bringen. Das ist eine wichtige Voraussetzung, die man in dem Job braucht. Unvorhersehbarkeiten kommen ja dauernd", erklärt Bischof Jung auf dem Rücksitz. Da brauche man jemanden, der Ruhe bewahre.

Viel Lob für den Chauffeur

In den sechs Jahren war das Team aus Bischof und Chauffeur immer pünktlich. Auch das schätzt Jung an Zeißner: "Dass er sehr, sehr verlässlich war und ist. Das zeichnet ihn ja auch für seinen Bürgermeisterjob aus", so Jung. Viele Menschen hielten Zeißner sogar für den Bodyguard des Bischofs.

"Hätte mir früher jemand mal gesagt, dass ich mal den Bischof von Würzburg fahren darf – das hätte ich nie geglaubt. Das waren unglaublich schöne Jahre", schwärmt Zeißner. Und Bischof Jung prophezeit: "So familiär wie es im Bischofshaus zugeht, wird es in Zukunft nicht mehr sein. Da wird ein rauerer Wind wehen."

Ein letzter Händedruck

Am Zeiler Käppele angekommen bereitet Zeißner alles für den Gottesdienst vor. "Hier bin ich auch zum ersten Mal", sagt er ehrfürchtig. Dann verschwindet er in der Sakristei. Während der Messe übernimmt er den liturgischen Dienst.

Als die beiden zurückfahren, ist die Sonne bereits untergegangen. "Man kann nur einem Herrn dienen", resümiert Zeißner, als er den Wagen ein letztes Mal vor dem Bischofshaus abstellt. "Das war's." Ein letzter fester Händedruck – dann trennen sich die Wege des Bischofs und des neuen Bürgermeisters von Wasserlosen. Sie wollen aber weiter Kontakt halten.

Als Bürgermeister von Wasserlosen: Schreibtisch statt Lenkrad

Den Platz hinter dem Steuer hat der gläubige Christ nun gegen den Platz hinter dem Schreibtisch eingetauscht. Chefsessel statt Fahrersitz. "Ich muss mich daran gewöhnen, aber der erste Eindruck ist gut. Mehr Beinfreiheit", sagt der 40-Jährige verschmitzt. 55 Prozent der Menschen in der Gemeinde Wasserlosen haben den CSU-Politiker zum neuen Rathaus-Chef gewählt. Seit sechs Jahren war er dort bereits dritter Bürgermeister und seit 18 Jahren im Gemeinderat.

Zeißner: "Das 'C' in CSU ist mir wichtig"

Auch in der Kirchengemeinde war Dominik Zeißner tätig. Er nennt es die "klassische Kirchenkarriere" – vom Ministranten bis zum Mesner und Kirchengemeinderat. Deshalb ist ihm auch das "C" im Parteinamen so wichtig, das für "christlich" steht. Er wolle ein Bürgermeister für alle sein: "Ich bin gern unter den Menschen und höre gerne zu, was den Menschen auf den Herzen brennt."

Erste Tage im Amt als Bürgermeister

Die ersten Tage im Amt waren für ihn noch ganz entspannt. "Der Kopf ist noch dran", sagt er im Gespräch mit BR24. Jede Menge E-Mails und Post hat er bearbeitet, dazwischen immer wieder Termine, Grußworte und die Abnahme der neu gesetzten Grenzsteine. Die Menschen in der Gemeindeverwaltung machen es ihm einfach, sich einzuleben, sagt er. Am Donnerstag steht dann die konstituierende Sitzung des Gemeinderats an.

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Dominik Zeißner sitzt am Steuer eines Autos.
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Viele Jahre war Dominik Zeißner der Chauffeur des Würzburger Bischofs.

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