(Symbolbild) Notfallsanitäter Marcus Sandrock steht vor einem Helikopter.
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Bildrechte: BR/Marie Luise Grauel, picture alliance/Jens Niering; Montage: BR
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Die Luftretter retten Leben – aber wer rettet sie?

Die Luftretter retten Leben – aber wer rettet sie?

Luftretter sind oft die einzige Chance, die Patienten noch bleibt. Doch die Einsätze sind kostspielig. Ein aktueller Gesetzentwurf sieht jetzt Einschnitte vor. Kontrovers – Die Story zeigt, was das für die hochspezialisierten Teams bedeutet.

Über dieses Thema berichtet: Kontrovers am .

Als der Funkspruch beim ADAC in Straubing eingeht, wissen alle sofort, dass dieser Einsatz nicht einfach wird. Ein Auffahrunfall zwischen zwei LKW auf der A3. Notarzt Paul Schubert und das Team der Luftrettung müssen es schaffen, den Helikopter möglichst schnell mitten auf der noch nicht abgesperrten Autobahn zu landen. "Der Beifahrer des LKWs ist eingeklemmt, ansonsten ist noch vieles unklar", sagt Schubert.

Wegen GKV-Reform: Luftrettung bangt um ihre Zukunft

14 Minuten brauchen die Luftretter der Station "Christoph 15" von der Alarmierung bis zum Eintreffen am Unfallort auf der A3 – kein Rettungsmittel ist schneller. Doch die Luftrettung bangt gerade um ihre Zukunft. Denn Ende April hat das Kabinett im Bundestag ein Sparpaket für die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) beschlossen, das auch den Rettungsdienst betrifft. Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass die Ausgaben der GKV nicht stärker steigen sollen als die Grundlohnrate, also die beitragspflichtigen Einkommen der Versicherten.

Das Problem: Während die Grundlohnrate in den vergangenen Jahren um circa zwei bis vier Prozent gestiegen ist, sind die Ausgaben der Luftrettung beim ADAC laut eigenen Angaben um etwa fünf bis zehn Prozent gestiegen. Bislang konnten die Luftretter ihre Mehrkosten, etwa für Wartungsarbeiten oder Kerosin, mit einem entsprechenden Nachweis bei der GKV einreichen. Doch mit dem neuen Gesetzesentwurf wäre das nicht mehr möglich.

ADAC-Geschäftsführer: "Wen sollen wir wann und wo nicht mehr retten?"

Die drei großen deutschen Rettungsdienstleister ADAC, Johanniter und DRF sehen diese Änderung mehr als kritisch. "Die geplanten Einsparungen im Bereich Luftrettung stehen in keinem Verhältnis zum immensen Schaden, der für die notfallmedizinische Versorgung entsteht", heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung.

Im Interview mit Kontrovers - Die Story wird der Geschäftsführer des ADAC, Frédéric Bruder, noch deutlicher: "Wenn die Kosten eingeschränkt werden, dann muss die Leistung eingeschränkt werden. Vielleicht sehr plakativ formuliert: Wen sollen wir wann und wo nicht mehr retten?"

Kontrovers - Die Story im Video: Die Luftretter retten Leben – aber wer rettet sie?

1.699 Einsätze im Jahr: Station "Christoph 15" bundesweit auf Platz fünf

Die Anforderungen an Luftretter sind hoch: Um beim ADAC arbeiten zu dürfen, muss ein Pilot mindestens 1.000 Flugstunden vorweisen. Notärzte müssen mehrere Zusatzqualifikationen vorweisen, bevor sie in die Luft dürfen. Und Rettungssanitäter sind gleichzeitig so etwas wie Co-Piloten.

Der Einsatz des ADAC in Straubing auf der A3 zeigt, wie komplex die Arbeit der Luftrettung ist: In Zusammenarbeit mit der Feuerwehr gelingt es den Einsatzkräften, den eingeklemmten Beifahrer freizuschneiden. Noch vor Ort wird der Verletzte erstversorgt und dann in die nächste Klinik geflogen.

1.699 Einsätze flog die Station "Christoph 15" im vergangenen Jahr – im bundesweiten Vergleich landet sie damit auf Platz fünf. "Wir decken ein Gebiet ab, das den Transport von Patienten über weitere Strecken erforderlich macht und diese Wege überbrücken wir häufig mit dem Hubschrauber", sagt Notarzt Paul Schubert.

Was er damit meint, zeigt ein weiterer Einsatz. Im bayerischen Wald hat ein sechsjähriges Kind einen Krampfanfall – eine lebensbedrohliche Situation, in der jede Sekunde zählt. Das Team des ADAC fliegt den Jungen mit dem Hubschrauber innerhalb von 9 Minuten in die nächstgelegene Klinik. Ein Transport mit dem Rettungswagen würde fast eine Stunde dauern.

Kerosinpreise treiben Kosten der Luftrettung in die Höhe

Während die Bundesregierung bei den gesetzlichen Krankenkassen sparen will, hat die Luftrettung gerade mit einem akuten Preistreiber zu tun: Seit Beginn des Irakkrieges sind die Kerosinpreise laut ADAC um rund 60 Prozent gestiegen.  "Das macht bei all dem Kerosin, was wir jährlich verbrauchen, mehrere Millionen pro Jahr aus", sagt Frédéric Bruder, Geschäftsführer des ADAC.

Nach 13 Stunden endet der Arbeitstag der ADAC-Luftretter in Straubing. An anderen Stationen, etwa München oder Regensburg, ist die Luftrettung rund um die Uhr im Einsatz. Doch ob das auch in Zukunft so bleibt, ist angesichts der Sparpläne der Regierung fraglich. Der Bundestag will das Sparpaket Anfang Juli beschließen.

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