Auch Wochen nach der Tötung zwölf gesunder Paviane im Nürnberger Tiergarten sind Justiz und Polizei mit dem Fall beschäftigt. Seit die Verantwortlichen das Vorhaben bekannt gemacht hatten, sah sich der Tiergarten harscher Kritik ausgesetzt. Nachdem die Paviane dann im Juli getötet wurden, waren Kritik und Proteste groß. Darunter waren auch Drohungen gegen Mitarbeitende, die zu Ermittlungen führten.
Hasskommentare und Morddrohungen
Wie ein Polizeisprecher mitteilte, werde in 30 Fällen ermittelt. Es bestehe unter anderem der Verdacht der Beleidigung, der Volksverhetzung und der Belohnung und Billigung von Straftaten. Wie Tiergartendirektor Dag Enke schon Anfang August erklärt hatte, hatte er Morddrohungen auch in Briefform erhalten. Besonders in den sozialen Medien hatte es zudem zahlreiche Hasskommentare gegeben. Auch darunter waren Morddrohungen gegen den Tiergartendirektor, seinen Stellvertreter und Beschäftigte des Tiergartens. Nun ermittelt die Nürnberger Polizei in 30 Fällen.
Was Dag Encke besonders geärgert hatte, war, wie er im BR-Gespräch sagte, ein Vergleich mit dem NS-Kriegsverbrecher Josef Mengele. Unter anderem wegen dieses Posts habe der Tiergarten Strafanzeige erstattet.
Tiergarten sieht sich massiver Kritik ausgesetzt
Der Tiergarten hatte eigenen Angaben nach keine Alternative zur Tötung einzelner Paviane gesehen. Das Gehege war demnach seit langer Zeit überbelegt und eine tierschutzkonforme Haltung damit nicht mehr möglich. Eine Abgabe oder Auswilderung von Tieren sei nicht möglich gewesen, auch Verhütung habe nicht den gewünschten Erfolg gehabt. All diese Argumente konnten viele Kritiker nicht überzeugen. Im Gegenteil. So kam von zahlreichen Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen massive Kritik. Aus deren Sicht habe das Vorgehen des Tiergartens gegen das Tierschutzgesetz verstoßen.
Aktivistinnen und Aktivisten protestierten wiederholt vor und im Tiergarten. Dabei ketteten sie sich unter anderem an dem Affengehege fest und drangen auf das Gelände des geschlossenen Tiergartens ein.
350 Strafanzeigen gegen Tiergarten eingegangen
Bei der Nürnberger Staatsanwaltschaft gingen inzwischen rund 350 Strafanzeigen gegen den Tiergarten wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ein. Die Anklagebehörde prüft nun, ob nach Paragraf 17 ein vernünftiger Grund für die Tötung der Tiere vorlag. Die Ermittlungen werden nach Angaben einer Sprecherin einige Zeit in Anspruch nehmen.
Mit Informationen der dpa
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