Ein Auto fährt an einem Schild vorbei, das an Fr, Sa, So und an Feiertagen die Durchfahrt für Ausweichverkehr bei Stau auf der Autobahn verbietet.
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Bei Stau auf der Autobahn rollen oft Blechlawinen von Stauumfahrern durch die Ortschaften - trotz Durchfahrtsverbot.
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Bei Stau auf der Autobahn rollen oft Blechlawinen von Stauumfahrern durch die Ortschaften - trotz Durchfahrtsverbot.

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Durchfahrtsverbote: Anwohner kämpfen weiter gegen Blechlawinen

Durchfahrtsverbote: Anwohner kämpfen weiter gegen Blechlawinen

Wut und Frust an der A8 und der A93 in den Kreisen Rosenheim und Berchtesgadener Land: Bei Stau auf der Autobahn rollen immer noch Blechlawinen von Umfahrern durch die Dörfer – trotz Durchfahrtsverbot. Die Anwohner fordern dringend Verbesserungen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Youtube am .

Wenn A8 oder A93 dicht sind, wollen viele den Stau umfahren. Auf dem Navi sehen sie Ausweichrouten über die Dörfer. Die Folge: Lärm, Stau, Abgase in Orten entlang der vielbefahrenen Autobahnen in Oberbayern.

Während Tirol schon seit Jahren an verkehrsreichen Tagen das Abfahren von der Autobahn verbietet, gibt es etwa im oberbayerischen Frasdorf erst seit dem Sommer 2025 Durchfahrtsverbote, die den Ausweichverkehr untersagen. Erreicht hat das die Frasdorfer Bürgerinitiative "Staufreies Dorf" - an den Wochenenden und an Feiertagen muss der Reiseverkehr seit August 2025 bei Stau auf der Autobahn bleiben.

Schützt Tirol die Anwohner besser als Bayern?

Doch die Durchfahrtsverbote wirken aus Anwohner-Sicht nicht so wie im benachbarten Tirol. "An den Hauptreisewochenenden ordnen die Tiroler das an", erläuterte Kiefersfeldens Bürgermeister Hajo Gruber (Unabhängige Wählergemeinschaft) vor kurzem. Bei Verstößen gebe es Strafen: "Tirol hat den faktischen Willen, seine Dörfer zu schützen. Diesen Willen kann ich auf der deutschen und bayerischen Seite nicht so erkennen", so Gruber.

Anwohner kritisieren Mangel an Kontrollen

Einheimische bemängeln, in Oberbayern gebe es viel zu wenig Kontrollen. Kürzlich schritten einige Anwohner sogar selbst zur Tat. Aus Frust über den Ausweichverkehr versperrte in Anger im Berchtesgadener Land ein Mann eine Durchfahrtsstraße mit einem Minibagger; eine Frau stellte sich mit einem Auto dem Verkehr in den Weg. Gegen beide ermittelt nun die Polizei wegen Nötigung im Straßenverkehr.

Die Polizei wiederum erklärt, sie habe schon rund 6.000 Kontrollen durchgeführt, seit die Durchfahrtsverbote gelten – und rund 3.700 Autos wieder zurückgeschickt auf die Autobahn. Die meisten ertappten Autofahrer erklärten demnach, sie hätten die Schilder mit der Aufschrift nur in deutscher Sprache "nicht gesehen oder aufgrund der Sprachbarriere nicht verstanden", so Lisa Maier vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Kontrollen seien aber auch deshalb schwierig, weil Polizeistreifen oft in anderen Einsätzen gebraucht würden und dann nicht genug Personal da sei, zusätzlich die Durchfahrtsverbote zu kontrollieren.

Wann ist ein Stau ein Stau?

Ein Problem für die Polizei in Oberbayern ist es auch, dass sie Abfahrer erst bei Stau auf der Autobahn kontrollieren darf, nicht schon bei zähfließendem Verkehr. Navigationsgeräte leiten laut Sprecherin Lisa Maier den Reiseverkehr oft schon von der Autobahn, wenn der Verkehr stockt oder zäh fließt – also, bevor die Polizei tätig werden darf.

Schärfer fallen die Kontrollen offenbar in Österreich aus. Hier wurden nach Angaben des Landes Tirol im vergangenen Jahr von Mitte April bis Anfang November rund 516.000 Fahrzeuge auf die Hauptverkehrsrouten zurückgeschickt.

Politiker und Bürgerinitiative verlangen neue Maßnahmen

Nun fordern ein breites Bündnis aus Kommunalpolitikern im Kreis Rosenheim und die Frasdorfer Bürgerinitiative "Staufreies Dorf" ein Verkehrsgutachten zu den Abfahrtsverboten an den Autobahnen A8 und A93. Sie erhoffen sich davon mehr Rechtssicherheit bei Abfahrtsverboten und Polizeikontrollen. Zuvor hatten schon Kommunalpolitiker und Abgeordnete aus Stadt und Landkreis Rosenheim wirksamere Durchfahrtsverbote bei Stau entlang der A8 gefordert.

Neue Regeln für Navis und Anzeigetafeln

Sie verlangen, dass Navigationsanbieter die Fahrzeuge künftig nicht mehr durch Orte mit Durchfahrtsverbot leiten. Auch Radiosender sollen demnach bei Staumeldungen auf die Verbote hinweisen.

Außerdem sollten mehrsprachige Hinweise auf den digitalen Anzeigetafeln der Autobahn angebracht werden, damit ausländische Autofahrerinnen und Autofahrer sie besser bzw. überhaupt verstehen. Und es solle geprüft werden, ob Verwaltungshelfer nach österreichischem Vorbild die Polizei bei Kontrollen entlasten könnten.

Innenminister Herrmann verspricht mehr Polizeikontrollen

Eng werden dürfte es über die Osterferien wieder auf den Autobahnen A8 und A93 – und damit auch in den Dörfern entlang der Ausweichrouten. Innenminister Joachim Herrmann hat immerhin erklärt, er werde die polizeilichen Kontrollen der Durchfahrtsverbote in den nächsten Wochen verstärken: "Notfalls müssen wir auch Kräfte der Bereitschaftspolizei hinzuziehen, um überall dort, wo die Durchfahrtsverbote gelten, auch kontrollieren zu können", so Herrmann im Interview mit BR24.

Mit Informationen von dpa.

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