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Im Jahr 2025 sind in Deutschland 2,9 Millionen Autos neu zugelassen worden: jeder fünfte Pkw davon mit reinem E-Antrieb. Laut Kraftfahrtbundesamt [externer Link] ist das gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 43,2 Prozent.
In der Kommentarspalte bei BR24 haben User wiederum über das Potenzial von größeren E-Fahrzeugen diskutiert, wie im Transportwesen oder auf Baustellen. Dabei kommentierte Nutzer "docdan": "(...) Im Schwer(st)lastverkehr ist die Elektrifizierung längst angekommen. Auch im Fernverkehr." Andere User bezweifelten, dass sich der E-Antrieb, zum Beispiel auf Baustellen, durchsetzen kann.
Elektrifizierung im Transportwesen: E-Lkw-Anteil deutlich gestiegen
"Zuletzt ist der Anteil der neu zugelassenen E-Lkw deutlich gestiegen. Wir sind mittlerweile hier bei 16 Prozent", erklärt Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) auf BR24-Anfrage. Laut Wirtschaftsministerium ist die Zahl der Neuzulassungen bei E-Lastwagen in den vergangenen sechs Monaten somit von 6,4 Prozent um mehr als 150 Prozent angestiegen.
Gerade in den vergangenen beiden Jahren seien elektrisch angetriebene Lkw etwa für den Fernverkehr im Vergleich zu fossil angetriebenen Lastwagen deutlich konkurrenzfähiger geworden, sagt Philipp Rosner vom Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik an der Technischen Universität München. Entscheidend sei dabei vordergründig die Kostenfrage: Während E-Fahrzeuge in der Anschaffung häufig deutlich teurer seien, könnten sie, was die Betriebskosten während der Nutzung anbelange, günstiger sein.
Auch die Ladesituation sei entscheidend. Während etwa Kurzstrecken-Lkw, die immer wieder ins Depot zurückfahren, dort unkompliziert geladen werden können, bräuchten Fernfahrer externe Ladepunkte. Diese müssten in den kommenden Jahren noch weiter ausgebaut werden.
Wie verbreitet sind E-Fahrzeuge auf Baustellen?
Auf Baustellen ist die Lage komplexer. "Während man im Lkw von München nach Hamburg einfach den Tempomat einstellen und fahren kann, ist die Situation auf Baustellen ganz anders", sagt Wolfgang Lübberding, technischer Leiter beim Verband der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik (VDBUM). Theoretisch gebe es von jedem namhaften Baumaschinenhersteller auf dem Markt bereits E-Fahrzeuge – angefangen bei kleinen Maschinen bis hin zum 20-Tonnen-Bagger.
Ein Problem sei häufig der Preis. "Betrachtet man zwei identische Geräte, dann ist der Listenpreis des Elektrogeräts im Vergleich zum Diesel durchaus doppelt bis 2,5-mal so hoch", sagt Lübberding. Ein weiteres Problem sei der Strom auf den Baustellen. Es sei einfach nicht genügend da, um alles elektrisch zu betreiben. Laut Schätzungen des VDBUM lag der Anteil vollelektrischer oder hybrider Baumaschinen in Deutschland 2023 bei unter zwei Prozent. Für 2025 wurde von einem Anteil zwischen drei und fünf Prozent ausgegangen, wobei der Wert bei kleinen Fahrzeugen wie Minibaggern oder Radladern höher liegt als bei Großmaschinen.
Maschinen werden besser und günstiger
In den vergangenen Jahren habe sich viel getan. Während vor etwa drei Jahren die Batterie eines 20-Tonnen-Elektrobaggers rund acht Tonnen schwer war, ist sie heute bereits deutlich leichter und wiege grob eine Tonne, sagt Lübberding. In den kommenden Jahren werden sich die Maschinen weiterentwickeln und somit immer mehr zu echten Alternativen werden.
Hinzu komme die CO₂-Bilanz. Unternehmen müssten für das von ihnen erzeugte CO₂ zahlen. Die Preise würden in den nächsten Jahren immer höher werden, so Lübberding. Das mache den Betrieb von Diesel-Baufahrzeugen teurer.
Wirtschaftsminister Aiwanger erklärt: "Wenn die technischen Voraussetzungen erfüllt sind, dass es keine Nachteile im Vergleich zum Verbrenner gibt, werden die sicher eine gewisse Marktnische, einen Marktanteil sich erobern. Wir sind da völlig technologieoffen. Das Bessere möge sich durchsetzen." Laut Wirtschaftsministerium könne der Marktanteil im Jahr 2030 bei rund 25 Prozent liegen.
Elektrifizierung auf der Autobahn: Mit E-Antrieb im Winterdienst
In der Kommentarspalte bei BR24 diskutierten User zudem über die Elektrifizierung auf Autobahnen, nachdem die österreichische Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft (ASFINAG) ihre Dienstwagenflotte komplett auf E-Autos umgestellt hat. Während User wie "Danger_Dana" den Schritt begrüßten, schrieb etwa "Buerger1000": "(...) Baustellenfahrzeuge, welche etwas bewegen, hätten da keine Chance."
Auf Anfrage teilt ein Sprecher mit, dass für ASFINAG bereits E-Fahrzeuge in Betrieb seien, etwa sechs Leicht-Lkw. Schwere Fahrzeuge wie Streuwagen würden aktuell getestet werden.
Bei der Autobahn GmbH in Deutschland ist die Lage ähnlich: So seien im vergangenen Jahr neun vollelektrische Kehrmaschinen in den Autobahnmeistereien in Betrieb gegangen. Außerdem sei seit der Winterdienstsaison 2024/25 ein rein elektrisch betriebener Lkw als Zugmaschine für einen Sole-Sattelauflieger im Einsatz. "Das große Solevolumen ermöglicht deutlich längere Einsatzreichweiten als herkömmliche Streufahrzeuge", teilt ein Sprecher der Autobahn GmbH mit.
Auch sei in der Autobahnmeisterei Münchberg ein vollelektrischer Dreiachser-Lkw mit Pflug und Streuer getestet worden. "Dabei konnten deutliche Energieeinsparungen im Vergleich zu einem Diesel-Lkw im Fahrtbetrieb erreicht werden."
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