(Symbolbild) Mann steckt ein Ladekabel in ein E-Auto
(Symbolbild) Mann steckt ein Ladekabel in ein E-Auto
Bild
(Symbolbild) Wie klimafreundlich sind E-Autos wirklich?
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Sebastian Kahnert
Schlagwörter
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Sebastian Kahnert
Audiobeitrag

(Symbolbild) Wie klimafreundlich sind E-Autos wirklich?

Audiobeitrag
>

E-Autos oder Verbrenner: Schaut EU zu einseitig auf den Auspuff?

E-Autos oder Verbrenner: Schaut EU zu einseitig auf den Auspuff?

Die EU-Klimapolitik in Sachen Verkehr ist weder effizient noch nachhaltig. Das ist die These einer Studie der TU München, die schon vor der offiziellen Vorstellung für Schlagzeilen sorgt. Denn sie bestätigt alle, die nicht nur auf E-Autos setzen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Seit Monaten wird auf europäischer Ebene über die künftige Regulierung des Verkehrssektors gerungen. Die 2019 eingeführte EU-Flottenverordnung sieht im Grundsatz vor, dass ab 2035 keine neuen Verbrenner mehr zugelassen werden. Dagegen wehrt sich zum Beispiel Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der ein "Aus vom Verbrenner-Aus" fordert – zum Schutz der heimischen Autobranche.

E-Autos: Besser als Verbrenner, aber nicht klimaneutral

Nun bekommen Söder und andere Kritiker der EU-Regulierung Schützenhilfe aus der Wissenschaft. Ein Team der TU München (TUM) hält die bisherige Orientierung der EU-Klimapolitik an der am Auspuff gemessenen CO₂-Belastung für zu einseitig.

Damit werde der CO₂-Ausstoß ausgeblendet, der vor der ersten Fahrt und nach Ende der Nutzung anfalle – beispielsweise bei der Produktion von Stahl, Aluminium oder Batteriezellen sowie beim späteren Recycling der Autos. Wenn man all das berücksichtige, seien E-Autos unter Klimaaspekten zwar immer noch besser als Verbrenner, aber keineswegs klimaneutral. In Zahlen: Elektroautos reduzieren den CO₂-Ausstoß im Vergleich zu Verbrennern um 41 Prozent.

TU-Präsident spricht von "substanzieller Fehlsteuerung" der EU-Klimapolitik

Zu diesem Ergebnis kommen die TUM-Forscher, die interdisziplinär zusammengearbeitet haben, durch die Auswertung von 19 internationalen Studien und 47 Szenarien. Laut TUM-Präsident Thomas Hofmann, der die Studie intern in Auftrag gegeben hat, zeigen die Ergebnisse "eine substantielle Fehlsteuerung der Europäischen Politik in ihrer Klimastrategie." Er findet, dass die Ergebnisse "Eingang in die politische Debatte finden müssen." Andernfalls drohten ökologische und ökonomische Fehlsteuerungen erheblichen Ausmaßes – so schreibt Hofmann in der Einladung zur Präsentation der Studie.

Damit hat die Studie politisch eine hohe Brisanz. Denn noch in diesem Jahr sollen Korrekturen an der EU-Flottenverordnung vorgenommen werden. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) setzt dabei auf mehr Technologieoffenheit und hat im ARD-Sommerinterview zuletzt wieder seine Skepsis gegenüber der Fokussierung auf E-Autos deutlich gemacht: "Die CO₂-Bilanz der Elektromobilität ist nicht so rosig, wie es immer wieder dargestellt wird."

Die EU-Kommission hat bereits im vergangenen Jahr vorgeschlagen, in dem nun geplanten "Autopaket" die strikte 100-Prozent-Reduktion der CO₂-Emissionen unter bestimmten Vorgaben auf 90 Prozent abzusenken; das würde auch nach 2035 die Neuzulassung bestimmter Formen von Verbrennern ermöglichen.

Weg vom Auspuff – hin zur CO₂-Messung im Lebenszyklus

Doch die Studie fordert letztlich mehr: eine Neudefinition, wann ein Auto klimaneutral ist und wann nicht. Der "wahre" CO₂-Fußabdruck müsse in den Blick genommen werden – durch den Blick auf den gesamten Lebenszyklus von Fahrzeugen. Solange die EU-Klimapolitik allein auf den Auspuff schaue, würden nämlich andere Möglichkeiten der CO2-Reduzierung vernachlässigt, erläutert der Ingenieurwissenschaftler Johannes Fottner, der zum Kernteam des CirculaTUM-Netzwerks gehört. Beispielsweise könnte CO₂ auch durch neue Materialien und bessere Herstellungsprozesse eingespart werden. Dafür setze die Politik bislang aber keine Anreize.

Die bisherige Klimapolitik sei aber auch aus einem anderen Grund zu wenig effizient und nachhaltig: wenn die Politik fast ausschließlich auf E-Autos setzt, aber die Verbraucher nicht mitmachen. Wenn die Umstellung auf E-Autos so zögerlich vorangehe wie bislang, werde die EU die eigenen Klimaziele – die Reduktion der Netto-Treibhausemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 – massiv verfehlen. Auch deshalb brauche es eine Strategie, die auf verschiedene Ansätze zur Reduktion von Kohlendioxid im Verkehr führe.

CSU-Politiker und VDA greifen TUM-Studie bereits auf

Ministerpräsident Söder hat sich bereits positiv zur Studie geäußert: Dass es ein "echtes Aus vom Verbrenner-Aus" brauche, belege nun auch die Wissenschaft, so Söder gegenüber der Bild-Zeitung (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt). Klaus Holetschek, der Fraktionsvorsitzende der CSU im Bayerischen Landtag, äußerte sich zusammen mit Vertretern der CDU-Fraktionen von Thüringen und Sachsen: Die Studie zeige, dass bei E-Autos von Klimaneutralität keine Rede sein könne. Eine Politik, die auf dieser Grundlage das Verbrenner-Aus erzwinge, schade Bayern massiv.

Hildegard Müller, die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), sagte, entscheidend sei jetzt, dass Brüssel anerkenne, dass ein Mix auf dem Weg zur klimaneutralen Mobilität der zielführende Weg sei – und nicht die Festlegung auf eine Option. Was schon zeigt: Diese Studie könnte Kreise ziehen.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!