"Dramatisch niedrig, würde ich sagen", sagt Uwe Seidl beim Blick auf die rote Linie, die am Boden eines Diagramms kriecht. Sie zeigt den Grundwasserpegelstand einer Messstation des Wasserwirtschaftsamts Bad Kissingen. Uwe Seidl ist stellvertretender Leiter und bekommt die Pegelstände aller Messstationen automatisch auf sein Tablet überspielt. Was er aus den Daten liest: 70 Prozent der Werte liegen im niedrigen oder sehr niedrigen Bereich.
Trockenheit und Muschelkalk führen zu Niedrigständen in Unterfranken
Die niedrigen Wasserstände sind Folge anhaltender Trockenheit, gegen die der Regen der letzten Tagen nicht ins Gewicht fällt. Laut dem aktuellen Niedrigwasser-Lagebericht [externer Link] fehlt in diesem Jahr ein Drittel des nötigen Niederschlags in Bayern. Deshalb melden heuer bayernweit mehr Grundwasser-Messstellen niedrige Verhältnisse als in vorherigen trockenen Jahren.
Neben den geringen Niederschlagsmengen seien in Unterfranken auch die geologischen Voraussetzungen ein Grund für die niedrigen Pegel: Die Muschelkalkböden, die sich durch Unterfranken ziehen, seien sehr karstig, so Uwe Seidl, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamts Bad Kissingen. Das Grundwasser und auch anfallendes Niederschlagswasser könne dadurch sehr schnell versickern.
Trinkwasserversorgung in Gefahr?
Bleiben die Pegelstände niedrig, könnte das im Extremfall große Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung der Gemeinden haben, so Seidl. Denn das Trinkwasser wird in der Region nicht aus Oberflächenwasser, sondern vor allem aus Brunnen gewonnen. Probleme gibt es bereits im Raum Bad Königshofen im Landkreis Rhön-Grabfeld, wo das Grundwasser besonders niedrige Pegelstände erreicht. Hier wird gerade an Lösungskonzepten gearbeitet.
Der Regen der letzten Tage würde daran kaum etwas ändern, so Benjamin Kopp vom Bayerischen Landesamt für Umwelt. Dieser käme zwar der Vegetation zugute, sei aber bei weitem nicht ausreichend, um die Pegelstände zu stabilisieren.
Nach Hitzesommer: Winter entscheidend für die Neubildung
Selbst ein regenreicher Sommer im kommenden Jahr würde das Problem nicht lösen, glaubt Seidl: "Wir wären schon zufrieden, wenn sie sich nicht weiter verschlechtern würden." Die entscheidende Jahreszeit für die Grundwasserreserven steht nach dem Hitzesommer außerdem noch aus. "Die Grundwasserreserven bilden sich in erster Linie im Winter", sagt Seidl. Damit Schmelzwasser die Pegel wieder stabilisiert, hofft Uwe Seidl schon im Spätsommer auf einen schneereichen Winter.
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