Zu sehen ist der ehemalige Bischof von Eichstätt in einem Gerichtssaal des Landgerichts München II.
Zu sehen ist der ehemalige Bischof von Eichstätt in einem Gerichtssaal des Landgerichts München II.
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Die Kontrollmechanismen seien nicht ausreichend vorhanden gewesen, sagte der ehemalige Eichstätter Bischof, Gregor Maria Hanke heute vor Gericht.
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Die Kontrollmechanismen seien nicht ausreichend vorhanden gewesen, sagte der ehemalige Eichstätter Bischof, Gregor Maria Hanke heute vor Gericht.

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"Ein Super-Gau" – Ex-Bischof Hanke sagt im Finanzskandal aus

"Ein Super-Gau" – Ex-Bischof Hanke sagt im Finanzskandal aus

Das Bistum Eichstätt hat vor zehn Jahren durch Immobilienprojekte in den USA, die laut Anklage "nicht oder nicht ausreichend gesichert" waren, mehr als 40 Millionen Euro verloren. Seit Januar läuft der Prozess. Heute sagte der ehemalige Bischof aus.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

Ein Lächeln zur Begrüßung, ein paar Worte werden gewechselt. So spielt sich das Aufeinandertreffen zwischen dem mittlerweile emeritierten Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke und seinem ehemaligen Mitarbeiter, dem Angeklagten Stefan W., im Gerichtssaal in München ab.

Der frühere stellvertretende Finanzdirektor des Bistums Eichstätt Stefan W. und sein Geschäftspartner Helmut L. sind wegen Bestechung bzw. Bestechlichkeit und Untreue in über 20 Fällen angeklagt. Sie sollen rund 40 Millionen Euro in Projekte investiert haben, die laut Anklage "nicht oder nicht ausreichend gesichert" waren. Zudem sollen sie sich über Provisionszahlungen selbst an den Investitionen bereichert haben.

Die beiden Angeklagten bestreiten, dass es sich dabei um Risikogeschäfte gehandelt habe. Sie betonen, dass ihre Investitionen in US-amerikanische Immobilien sicher gewesen sein sollen. Heute war der ehemalige Bischof Gregor Maria Hanke im Zeugenstand.

Zu viel Vertrauen, zu wenig Kontrolle

"Das Netz war zu großmaschig", so äußerte sich Gregor Maria Hanke vor dem Landgericht München II. Seiner Meinung nach war zum Zeitpunkt der Investitionen das Vertrauen zu groß und die Kontrolle zu klein. "Die Kontrollmechanismen waren nicht ausreichend vorhanden", so Hanke. Er habe dem Angeklagten Stefan W. immer vertraut. Er habe darauf gebaut, dass fähige Mitarbeiter treuhänderisch im Sinne der Diözese handeln.

"Ein Super-Gau. Ein Vertrauensverlust."

Letztlich sei die Finanzkammer der Diözese zuständig für die Anlage des Vermögens gewesen. Finanzdirektor und Stellvertreter hätten die Geschäfte getätigt, so der ehemalige Bischof. Die Anlagestrategie habe der angeklagte Stellvertreter vorgegeben, der Finanzdirektor habe dann unterschrieben. Für Hanke persönlich sei der ganze Fall sehr belastend gewesen: "Ein Super-Gau, ein riesiger Vertrauensverlust", so der ehemalige Bischof. "Das wirkt bis heute nach."

"Lückenlose Aufarbeitung"

Auf den Fall sei er erst aufmerksam geworden, als externe Wirtschaftsprüfer ab 2016 in der Diözese damit beschäftigt waren, eine Bilanz aufzustellen. Dabei sei aufgefallen, das Unterlagen fehlten. So sei der Prozess in Gang gekommen. Er habe unter allen Umständen eine "lückenlose Aufklärung" gewollt. Ab 2014 habe er versucht, Transparenz in die Finanzaufstellung der Diözese zu bringen. Wichtig sei ihm eine Professionalisierung gewesen. Anlagerichtlinien hätten sich an treuhändischem Vorgehen und ethischen Richtlinien orientiert. Öffentlich machte er den Fall dann im Jahr 2018. "Ich war es der kirchlichen Öffentlichkeit schuldig, dass eine Aufklärung stattfindet."

Provisionszahlungen, wie sie der stellvertretende Finanzdirektor erhalten habe, sind Hankes Auffassung nach nicht mit der Arbeitsmoral zu vereinbaren. "Man arbeitet für die Diözese und es gibt kein Recht auf eigene Bereicherung." Modelle der Bonuszahlungen seien nach Rücksprache möglich gewesen.

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