Die Gemeinde Schleching im Chiemgau ist umgeben von Bergen und stolz auf ihre Natur und Traditionen. Die Gemeinde im Achental trägt sogar das Nachhaltigkeitssiegel "Bergsteigerdorf". Und auch die neue Kirchenorgel hält nun einzigartige Klänge parat: ein Kuhglocken-Register und ein Alphorn-Register.
Jede Kirchenorgel hat ihren eigenen Klang
Jede Kirchenorgel ist ein Unikat. Abgestimmt auf den Kirchenraum entsteht jeweils ein ganz eigener Klang. Und viele Orgeln sind mit eigenen Spielereien, Gags und Gimmicks ausgestattet: Ein Zimbelstern mit Glöckchen etwa für Weihnachten oder Vogelgezwitscher, das über die Klaviatur gespielt werden kann. In Schleching im Chiemgau wird am Sonntag eine neue Kirchenorgel eingeweiht – mit einem Register, das es so wohl bisher nicht gibt.
Die Idee zum weltweit ersten Kuhglocken-Register kam den Schlechingern nach einem bekannten Rechtsstreit, der sich vor einigen Jahren abgespielt hat, sagt Bernhard Wittmann, der am Orgelprojekt mitgewirkt hat. "Da ist im bayerischen Oberland eine Bäuerin verklagt worden, von zugereisten Nachbarn. Die haben ein Haus gebaut und gesagt, jetzt stört uns dieses Kuhglocken-Gebimmel nebenan. Aber ein kluges bayerisches Gericht hat entschieden, die Bäuerin darf den Kühen die Glocken weiter umhängen. Und das war der Anstoß, dass wir gesagt haben: Warum in diesem Bauerndorf nicht Kuhglocken in der Orgel erklingen lassen?"
Schlechinger sammeln Spenden für neue Orgel
Zehn Jahre hat es gedauert, die neue Orgel zu realisieren. Die alte Orgel war schon lange nicht mehr bespielbar. Die Schlechinger sammelten Spenden und gaben schließlich ihre neue Orgel in Auftrag. Orgelbauer Uli Skriwan von der Firma Lindner aus Nußdorf war etwas überrascht von den Sonderwünschen Kuhglocken und Alphörner.
Er habe erstmal den Kopf geschüttelt, dann eine Nacht darüber geschlafen und angefangen zu überlegen, wie sich der Wunsch umsetzen lässt, erinnert sich Uli Skriwan. "Wir Orgelbauer haben eigentlich immer den gleichen Zauberkasten. In den Orgelregistern ist man immer imitatorisch unterwegs. Man macht auch Flöten, Trompeten und Streicher nach. Und für den Klang eines Alphorns ist klar, dass der relativ dunkel und rund sein muss."
Kuhglocken werden immer ein Fremdkörper bleiben
Während die Kuhglocken echt sind und mit kleinen Hämmerchen angeschlagen werden, kommt der Alphorn-Sound aus Orgelpfeifen, die einen speziellen Deckel für den dumpfen Klang haben. Letzte Abstimmung vor der Einweihung am Sonntag: Skriwan schlägt einen C-Alphorn-Ton an. "Die Kuhglocken werden immer ein bisschen ein Fremdkörper bleiben, aber das sollen sie ja auch", sagt Manfred Müller, Dekanatsmusikpfleger und Kirchenmusiker in Traunstein. "Wenn ich hier Kirchenmusiker wäre, würde es ein Hirtenamt am ersten Weihnachtstag geben, in dem sie exzessiv genutzt würden."
In 4.000 Arbeitsstunden entstand die neue Orgel, die 270.000 Euro gekostet hat. Und natürlich müssen sich auch die normalen Register nicht verstecken, besonders die zahlreichen obertonreichen Streichregister nennt Kirchenmusiker Müller als Besonderheit der sonst eher kleineren Orgel. Auch Pfarrer Martin Straßer ist glücklich mit dem neuen Klang in der Kirche: "Eine Orgel wird bespielt bei den vielen Veranstaltungen, Gottesdiensten, Andachten, schönen Ereignissen, Taufen, Hochzeiten, aber auch Beerdigungen. Und so ist es ein Instrument, das nicht nur für Jahrzehnte, sondern vielleicht für Jahrhunderte errichtet wird."
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