Fünf Euro für Erwachsene, Studierende und Senioren zahlen die Hälfte, Kinder und Jugendliche zahlen nichts – ab Mitte Mai erhebt die Kirche St. Sebald in der Nürnberger Altstadt Eintrittsgelder für Touristen. Denn der mehr als 700 Jahre alten Kirche, in der schon Albrecht Dürer getauft wurde, fehlt das Geld. Mehr Kirchenaustritte sorgen für weniger Einnahmen durch Mitglieder. Auch die Gelder der Landeskirche gehen zurück.
Freiwillige Spenden bringen im Schnitt 30 Cent pro Besucher
Die evangelische Kirche St. Sebald zeigte sich zuletzt kreativ bei der Suche nach neuen Einnahmequellen, erklärt ihr Pfarrer Martin Brons: "Wir haben ganz viel ausprobiert in den letzten Jahren: Wir haben mal um Spenden geworben, wir haben Menschen hingestellt, um zu begrüßen und zu sagen: Wir sind angewiesen auf eure Spenden." Das alles habe nichts geändert. Pro Kopf seien durchschnittlich 30 Cent pro Besucher eingenommen worden.
Doch die Nürnberger Kirche braucht Geld: Pro Tag müssten 1.000 Euro her, damit der Bauerhalt finanziert werden kann, so Pfarrer Brons. Die Kosten sollen jetzt umgelegt werden auf die rund 500.000 Besucherinnen und Besucher, die jedes Jahr kommen.
"Die touristische Besichtigung kostet etwas, nicht das Gebet"
Gemeindemitglieder und Menschen, die zum Gebet kommen und eine Kerze anzünden wollen, können auch weiterhin kostenfrei in die Kirche. "Die kriegen einen Eindruck vom Kirchenraum, aber dürfen nicht durch die ganze Kirche gehen", sagt Brons. "Die touristische Besichtigung kostet etwas – nicht das Gebet."
Evangelische Kirche scheint nicht abgeneigt von Eintrittsgeldern
Eine Maßnahme, der sich in Nürnberg bald weitere Kirchen anschließen könnten, kündigte Stadtdekan Jürgen Körnlein an: "St. Lorenz prüft auch, ob man diesen verpflichtenden Eintritt erheben will oder nicht." Derzeit gilt für die evangelische Lorenzkirche ein freiwilliger Eintritt von zwei Euro. Doch freiwillig Geld zahlen, um eine Kirche anzuschauen – das machen anscheinend nicht genug Touristen.
Auch der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Christian Kopp, hält Eintrittsgelder für bestimmte Kirchen für realistisch. "Wenn du nach Italien fährst gibt es Areas, wo du zum Beten hineingehen kannst – aber wenn du den schönen Altar oder die Krypta besuchen willst, musst du dafür Eintritt zahlen." So ein Modell könne sich Kopp auch "für unsere touristischen Kirchen" vorstellen, um das Geld für Renovierung und Bauerhaltmittel zu bekommen.
Keine katholische Kirche in Bayern denkt darüber nach
In der katholischen Kirche in Bayern wird das Thema Eintrittsgelder für Kirchtouristen aktuell nicht ernsthaft diskutiert. Der Vorsitzende der Freisinger Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sprach sich zuletzt gegen Eintrittsgelder in Kirchen aus. Das Katholische Büro Bayern, das landesweit Einrichtungen der katholischen Kirche unterstützt, teilt auf Anfrage schriftlich mit: "Für die katholische Kirche in Bayern ist uns momentan kein Kirchengebäude bekannt, bei dem über eine Einführung von Eintrittsgebühren nachgedacht wird."
Eine solche Maßnahme müsse zudem mit der jeweiligen Erzdiözese abgesprochen werden. Aus dem Erzbistum Bamberg heißt es dazu auf Nachfrage von BR24: Der Zugang zum Dom als Kirche solle frei bleiben.
Eintrittsgelder für Touristen, die Kirchen anschauen möchten – es scheint eine Glaubensfrage zu sein. Bis jetzt beantworten sie in Bayern nur wenige evangelische Kirchen mit Ja.
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