Vor sieben Jahren hat der Bayerische Landtag das erfolgreiche Volksbegehren "Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern – Rettet die Bienen" angenommen und das Begleitgesetz der Staatsregierung dazu beschlossen. Seitdem muss alles umgesetzt werden. Naturschützer erkennen an, es habe sich schon einiges verändert in der Landschaft Bayerns. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Artenvielfalt bei den Insekten, sondern auch auf die Vögel in Bayern.
Hecken und Brachflächen in der Agrarlandschaft bieten Lebensraum
Zwischen zwei Äckern in der Nähe von Aschheim bei München pflegt der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) eine Hecke mit Sträuchern und Obstbäumen. Sie bietet Schutz und Lebensraum für viele Vogelarten. Dort finden sich Goldammer, Dorngrasmücke, Zilpzalp und sogar der seltene Neuntöter.
Direkt gegenüber ist eine sogenannte Brachfläche. Dort wurde schon mehrere Jahre nichts mehr angebaut und die Vegetation sich selbst überlassen. Das sieht zwar unspektakulär aus, bietet aber mehr Nahrung und Lebensraum für Insekten, als eine einzelne extra dafür angesäte Pflanzenart, wie die lila blühende Bienenweide direkt nebenan.
Rebhuhn als Gradmesser für die Artenvielfalt
Sind die Insekten wieder da, sind es ein paar Jahre später auch die Vögel, erklärt der Vorsitzende des LBV, Norbert Schäffer. Tatsächlich kreist über der Brache eine Feldlerche – ein gutes Zeichen für den Vogelschützer. Besonders gut als Gradmesser für die Artenvielfalt eignet sich das Rebhuhn. Der Vogel des Jahres frisst im Sommer Insekten und im Winter Samen. "Wenn Rebhühner da sind, dann ist die Welt relativ in Ordnung. Wie ein Fieberthermometer und das sagt mir, wie es der Natur insgesamt geht", so Schäffer.
Waldvögeln geht es besser als Wiesenvögeln
Laut Margarete Siering, Leiterin der Staatlichen Vogelschutzwarte des Landesamts für Umwelt, geht es den Waldvogelarten in den letzten Jahren besser als den Wiesenvogelarten. Mehr Tot- und Altholz in den Wäldern bietet wertvollen Lebensraum. In der Agrarlandschaft bräuchte es dagegen noch mehr Strukturelemente wie Hecken und Brachen.
Auswirkungen des Klimawandels
Doch die Biologin sieht noch eine weitere Ursache: "Bei den Wiesenbrütern ist sicherlich einer der größeren Gefährdungsgründe, dass die Feuchtwiesen, aber auch die Moorgebiete relativ trocken sind." Hier wirkt sich der Klimawandel mit ausbleibenden Niederschlägen auf die Artenvielfalt aus. Allerdings: Einige wärmeliebende Arten, werden dadurch häufiger: "Zum Beispiel der Bienenfresser oder auch unsere südlichen Reiherarten, wie zum Beispiel Seidenreiher und Nachtreiher treten häufiger auf in Bayern", sagt die Biologin Siering.
LBV: Auch Erfolge zu verzeichnen
LBV-Vorsitzender Norbert Schäffer sieht wichtige Erfolge beim Artenschutz. So gibt es wieder mehr Stieglitze und Wanderfalken und so viele Weißsstörche wie noch nie. Und gerade der gezielte Schutz von Wiesenbrütern zeige Wirkung. "Wir wissen genau, was wir machen müssen. Wir müssen nur mehr davon machen", so Schäffer.
Biotopverbund bleibt wichtiges Ziel
Wichtig sei, dass die Lebensräume sich in Bayern nicht auf wenige Hotspots konzentrieren, sondern sich über die ganze Landschaft erstrecken, auch dort wo viel und intensiv Landwirtschaft betrieben wird. Dieser Verbund an Biotopen war eines der Ziele des Volksbegehrens "Rettet die Bienen". Die Initiatoren, die bayerischen Grünen, die ÖDP, die Gregor Louisoder Umweltstiftung und der LBV lassen die Umsetzung der Maßnahmen jährlich mit einem wissenschaftlichen Monitoring überprüfen.
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