Das "Gemeinsame Europäische Asylsystem" GEAS soll das "Asylmanagement", von dem in der Politik seit Jahren gesprochen wird, vereinheitlichen, schneller und verlässlicher machen. Der BAMF-Projektleiter für die Umsetzung der Asyl-Reform, Volker Mäulen, geht "mit großer Zuversicht" in die Reform. Das sagte er im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk. Das Bundesamt habe rund 5.000 Mitarbeitende geschult und werde auch noch weiter fortbilden. Die GEAS-Reform sei eine Umstellung, wie er sie im BAMF in den vergangenen 30 Jahren nicht erlebt habe.
Verschiedene Formen von Asylverfahren
Der neue EU-Migrationspakt bringt eine Vielzahl an neuen Aufgaben und Regeln mit sich, die das BAMF umsetzen und beachten muss. So gibt es künftig verschiedene Formen von Asylverfahren. Von zentraler Bedeutung sind Asyl-Grenzverfahren an bis zu acht deutschen Flughäfen, zu denen auch der Flughafen München zählt. Dort ankommende Flüchtlinge werden zuerst einem umfangreichen Screening unterzogen, für das die Bundespolizei zuständig ist. Erfasst werden unter anderem biometrische Daten, der Gesundheitszustand und mögliche Sicherheitsrisiken. Diese Informationen werden in der europäischen Datenbank Eurodac hinterlegt.
Nach dem Screening beginnt die Arbeit des BAMF
Für die BAMF-Mitarbeitenden an Flughäfen und anderen Außenstellen beginnt die eigentliche Arbeit, sobald ein Screening-Ergebnis vorliegt, erklärt Volker Mäulen. Auf dieser Datengrundlage entscheiden seine Kolleginnen und Kollegen, ob ein Geflüchteter für ein Asylverfahren einreisen darf, ein Schnellverfahren am Flughafen bekommt oder zurückgeführt wird. Ins Schnellverfahren kommen Menschen, die weder einen Pass noch ein Visum mit sich führen oder aus einem Staat kommen, der laut BAMF-Statistik eine Asylanerkennungsquote von unter 20 Prozent hat.
Interview: Migrationsforscher Gerald Knaus über verschärfte Asylregeln
Interview: Migrationsforscher Gerald Knaus über verschärfte Asylregeln
Schnellverfahren setzen Entscheider unter Druck
Das Schnellverfahren darf höchstens zwölf Wochen dauern. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Bearbeitungsdauer eines Asylantrags betrug beim BAMF 2025 über zwölf Monate. Mäulen ist es wichtig zu erwähnen, "dass das Verfahren an und für sich sehr komprimiert und schnell durchgeführt wird, aber sicher nicht weniger sorgfältig als bei anderen Verfahren". Denn Mäulen weiß um die Kritik, die etwa von Migrationsforscherin Petra Bendel von der Universität Erlangen kommt. Sie bezeichnet die von der EU vorgegebenen Fristen für die Asyl-Grenzverfahren auf BR-Anfrage als "sehr ambitioniert". Das bedeute im Zweifelsfall, dass "in komplizierteren Fällen der individuelle Schutz auf Asyl schlechterdings nicht so schnell geprüft werden kann". Dadurch könne es zu Rückstaus "oder auch zu fehlerhaften Verfahren" kommen.
Tonmitschnitt bei Anhörungen von Asylsuchenden
Eine weitere Herausforderung für das BAMF ist insbesondere der Tonmitschnitt, der jetzt bei Anhörungen vorgeschrieben ist. Schriftliche Zusammenfassungen von Gesprächsterminen mit Asylsuchenden reichen nicht mehr. Es müssen nun mehrstündige Audiomitschnitte digital sicher aufbewahrt und bei Bedarf an berechtigte Dritte weitergegeben werden. Zu den neuen Aufgaben in den BAMF-Außenstellen gehört auch die unentgeltliche Rechtsauskunft für Geflüchtete. Es seien "unabhängig arbeitende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dort zum Einsatz kommen", sagt Mäulen. Es gehe darum, Flüchtlinge "in jeder Situation zu begleiten, rechtlich zu informieren und Transparenz im Verfahren zu schaffen".
BAMF erwartet "Ruckeleien" in der Anfangsphase der Reform
Im BAMF rechnet man damit, dass die Umsetzung der GEAS-Reform in nächster Zeit "nicht ohne Ruckeleien" laufen wird. Die Vorbereitung auf die Reform sei "zeitkritisch" gewesen, weil die Bundesregierung einen großen Teil der nationalen Gesetzgebung für GEAS erst vor kurzem festgelegt habe, merkt Mäulen an. So werde es "noch einige Wochen dauern, bis die Systeme richtig funktionieren und die Prozesse eingeübt sind". Doch glaube er, dass das BAMF auf die Reform "insgesamt sehr gut vorbereitet" sei.
Im Video: Gemeinsames EU-Asylsystem startet
Gemeinsames EU-Asylsystem startet
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!


