Exil-Iranerin Rosa steht am Schreibtisch ihrer Münchner Wohnung, das Handy in der Hand. Sie blickt auf die fehlenden zweiten Häkchen am Display: Seit Tagen kommen ihre Nachrichten an Freunde und Verwandte im Iran nicht durch. Stattdessen schaut Rosa Videos, die aus dem Iran stammen sollen – von Gewalt gegen Demonstrierende, von Leichen. Diese seien "sehr unerträglich", erzählt sie. Bei jedem Video schaue sie zehn Mal, ob sie ein bekanntes Gesicht findet.
Seit etwa zwei Wochen gibt es Proteste im Iran gegen die wirtschaftliche Lage und die Führung des Landes. Das Regime reagiert mit Gewalt gegen die Demonstranten. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights wurden mindestens 734 Menschen getötet. Vermutlich gehe die Zahl aber in die Tausende.
Hoffen auf Trump und Schah-Sohn Pahlavi
Rosa will anonym bleiben, wir haben ihren Namen geändert. Sie glaubt, dass das Regime im Iran in den nächsten Tagen fällt. Es sei das erste Mal, dass alle Iraner Hoffnung haben, meint sie. Allerdings glaubt Rosa nicht, dass es die Demonstrierenden im Iran alleine schaffen, so ganz ohne Waffen. Man brauche Unterstützung von draußen. Konkret heißt das: durch Militärschläge. "Israel und die Republikaner in den USA sind die einzige Hoffnung für uns", sagt Rosa.
Für die Zeit nach einem Sturz des Regimes setzt Rosa außerdem ganz auf den Sohn des gestürzten Schahs, Reza Pahlavi, als neuen Anführer. Dieser lebt derzeit in den USA. Rosa hat zwei Bücher von Pahlavi gelesen und ist ganz von ihm überzeugt: Er sei "liberal", "politisch sehr bewusst", "ein Friedensmensch" und der "Leader für die neue Revolution".
Der Name Pahlavi stehe für Diktatur und Modernisierung
Dass Pahlavi derzeit die größte Hoffnung für den Iran ist, das glaubt auch Shirin Kay. Sie floh im Alter von zehn Jahren aus dem Iran und lebt seit 40 Jahren in Deutschland, derzeit in Nürnberg. Wir haben auch ihren Namen geändert, denn ihre Familie im Iran wurde bereits vom Regime bedroht, erzählt sie.
Shirin Kay hat zwar nicht vergessen, dass der Iran unter Pahlavis Vater eine Diktatur war. Aber sie schaue jetzt nach eigener Aussage mit "viel mehr Reflexion und Nuancierung da drauf" und sehe, was man mit der islamischen Revolution und dem Sturz des Schah damals verloren habe. Pahlavi habe eine große Zustimmung im Iran. Die Menschen vertrauten ihm, meint Shirin Kay – "und man darf nicht vergessen, der Name Pahlavi steht trotz allem auch für eine Modernisierung des Iran".
Viele Iraner begrüßen Trumps harten Kurs
Und wie steht sie zur Drohung von US-Präsident Donald Trump? Wäre ein US-Angriff auf den Iran eine gute Idee? Shirin Kay sagt, sie maße sich nicht an, die Konsequenzen eines solchen Angriffs abzusehen. Es gebe aber viele Menschen, die tatsächlich auf Trump hoffen. Er sei für viele Menschen "der erste US-Präsident oder überhaupt Politiker auf der Welt, der diesem Regime mit irgendeinem Machtwort begegnet ist und ihm Grenzen gesetzt hat". Auch wenn es laut Shirin Kay sehr schwer zu ertragen sei, dies über Trump sagen zu müssen, "weil er nun mal im eigenen Land die Demokratie abbaut gerade".
Appell an Exil-Iraner, jetzt zusammenzuhalten
Auch Shirin Kay bangt derzeit um ihre Angehörigen im Iran. Sie geht davon aus, dass sich einige an den Protesten beteiligt haben. Nicht zu wissen, wie es ihnen geht, sei "die Hölle".
Wie das iranische Regime gestürzt werden soll und wie ein Neuanfang aussehen kann, da sind viele Iranerinnen und Iraner im Ausland unterschiedlicher Meinung. Shirin Kay hofft, dass sie sich dennoch vereinen – auch trotz der bedrückenden Berichte über getötete Demonstrierende: "Ich werde später trauern, jetzt ist die Zeit für eine positive Energie und für eine Einheit und für eine Solidarität, die uns zusammenbringt."
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
