Mit einem Appell zu mehr Krisenvorsorge im Gesundheitswesen ist in Augsburg das erste "Safety Camp" zu Ende gegangen. Dort diskutierten rund 800 Teilnehmende aus Medizin, Technik, Wirtschaft und Politik, wie gut Kliniken in Deutschland auf Krisen und Kriege vorbereitet sind.
Cyberangriffe, Naturkatastrophen, militärische Konflikte
Themen der Tagung waren unter anderem Patientensicherheit, der Schutz sensibler Gesundheitsdaten vor Cyberangriffen sowie die Vorbereitung auf Naturkatastrophen und militärische Konflikte. "Die Gesundheit ist nicht unabhängig von der gesamtgesellschaftlichen Lage", sagte der Vorsitzende des Verbands der Universitätsklinika, Jens Scholz.
Angriffe auf Strom- und Wassernetze und Cyberattacken träfen Krankenhäuser schon heute – etwa jede dritte Klinik habe bereits einen IT‑Sicherheitsvorfall erlebt. Vor eineinhalb Jahren gab es bei den Wertachkliniken in Schwaben einen Hackerangriff, vor Kurzem im mittelfränkischen Roth.
Auf andere Szenarien, wie einen möglichen Nato-Bündnisfall, in dem 500 bis 1.000 Verletzte in Deutschland versorgt werden müssten, seien die Kliniken schlecht vorbereitet, so der Leiter der Unfallchirurgie am Uniklinikum Augsburg, Edgar Mayr: "Wir haben großflächig keine Ahnung, wie wir mit Kriegsverletzten umgehen sollen." Schussverletzungen etwa seien ganz anders zu behandeln als normale Knochenbrüche. Vorbereitungskurse für Ärztinnen und Ärzte gebe es zwar, sie müssten aber bislang aus Klinikmitteln oder privat finanziert werden.
Experten wollen Koordinierungseinheiten
Eine wichtige Weichenstellung, die auf der Konferenz besprochen wurde, ist aus Sicht des Vorsitzenden des Verbands der Universitätsklinika, Jens Scholz, die Schaffung von Koordinierungseinheiten in Deutschland. Der Plan sei, Deutschland in vier Zonen aufzuteilen. In jeder dieser Zonen solle es eine Koordinierungsstelle geben, bestehend aus einem Bundeswehrkrankenhaus, einer Universitätsklinik sowie einer berufsgenossenschaftlichen Klinik. Diese Einheit solle dann "jeweils in ihrer Zone den Hut aufhaben beziehungsweise die geeigneten Maßnahmen beschließen", sagte Scholz. Sie könne etwa freie Betten und Personal erkennen und zuteilen. Scholz ist optimistisch, dass dieser Schritt von der Politik mitgetragen werden könnte.
Darum fand die Tagung in Augsburg statt
Als internationaler Referent berichtete Ronni Gamzu, früherer Chef des Tel Aviv Medical Centers und Ex‑Generaldirektor des israelischen Gesundheitsministeriums, wie sich israelische Kliniken bereits auf ständige Bedrohungslagen eingestellt haben, etwa mit unterirdischen Krankenstationen. Insgesamt traten rund 50 hochrangige Sprecherinnen und Sprecher auf, darunter Militärexperte Carlo Masala, der Generalstabsarzt der Bundeswehr, Johannes Backus, sowie Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU).
Augsburg sei ein geeigneter Ort für die Konferenz, betonten die Veranstalter: Hier treffen demnach eine junge Uniklinik auf sicherheitsrelevante Industrie, etwa aus der Luftfahrt mit Firmen wie Airbus und MT Aerospace. Das nächste Safety Camp wird laut des Sprechers des Universitätsklinikums schon geplant. Es soll 2027 stattfinden.
Im Video: Sind Kliniken für Katastrophen gerüstet?
Sind Kliniken für Katastrophen gerüstet?
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

