Der Funkmelder piepst. First Responder Marco Henning springt ins Auto. Innerhalb von zwei Minuten ist er beim Feuerwehrhaus in Karlstein im unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg. Ein Kollege und eine Kollegin der First Responder-Einheit sind bereits da.
Herzinfarkt: First Responder in Karlstein rücken sofort aus
Die Integrierte Leitstelle in Aschaffenburg hat zu einem Notruf nur wenige Straßen entfernt gerufen. Im Hof wartet bereits Edith Peschka auf das Team. Ihr Mann hat starke Brustschmerzen und erbrochen. Ein Herzinfarkt. Im Wohnzimmer der Familie misst das Team den Blutdruck, macht ein EKG und beruhigt den Patienten. Die Ersthelfer sind gut ausgerüstet: Sie haben sogar eine Sauerstoffflasche und eine Absaugpumpe dabei. Der Notarzt ist wenige Minuten später da. Ein Einsatz, der sich so im Februar abgespielt hat.
Henning: Im Notfall zählt jede Minute
"Im Ernstfall sinken die Überlebenschancen pro Minute um zehn Prozent", erklärt Marco Henning von der Freiwilligen Feuerwehr Karlstein. Im Schnitt dauert es in Bayern acht Minuten, bis der Notarzt beim Patienten ist. Im Fall von Herz-Kreislauf-Stillstand ist es dann aber zu spät, wenn nicht bis dahin anderweitig reanimiert wird. Nach fünf Minuten beginnen die Gehirnzellen abzusterben.
Henning hat die First Responder-Einheit in dem kleinen Ort an der Grenze zu Hessen mit aufgebaut. Sie hatte bisher weit mehr Einsätze als erwartet.
Ersthelfer-Team hat Mann das Leben gerettet
Edith Peschka erinnert sich: "Ich weiß noch: Mein Mann sitzt da, hält sich sein Herz und ihm ist übel. Er hat Herzschmerzen und ich habe die 112 angerufen. Das Team war sofort da – innerhalb kürzester Zeit. Das hat keine fünf Minuten gedauert."
Ihr Mann Walter Roman war nach dem Herzinfarkt eine Woche lang im Krankenhaus. Eine Arterie war zu 95 Prozent verstopft. "Diese Arterie musste erweitert werden. Aber es ist alles gut gelaufen – und das wäre ohne diese Vorleistung [der First Responder] nicht möglich gewesen. Also wenn man so will: Sie haben mir das Leben gerettet", erzählt Roman.
2025: 80 Einsätze für First Responder in Karlstein – mehr als erwartet
Seit Anfang 2025 sind 18 Frauen und Männer Teil der First Responder-Einheit in Karlstein. Sie ist angesiedelt bei der Freiwilligen Feuerwehr und arbeitet mit dem örtlichen Roten Kreuz zusammen. Mit rund 30 Einsätzen im ersten Jahr hatten die Verantwortlichen gerechnet – es wurden knapp 80.
1.000 Ehrenamtliche als First Responder im Landkreis Aschaffenburg
Das Team in Karlstein ist die jüngste Einheit von Ersthelfern und Ersthelferinnen im Landkreis Aschaffenburg. Die erste hatte sich vor bereits 30 Jahren in Laufach gegründet. Heute gibt es sie in fast allen Landkreis-Kommunen. Das sind insgesamt 1.000 Ehrenamtliche, so Kreisbrandmeister Tobias Brinkmann.
First Responder unterstützen den Rettungsdienst
"Das sind Feuerwehrsanitäter oder Personal, das sogar eine höhere Qualifikation hat. Und: Die Nachfrage ist sehr hoch. Die Rettungsdiensteinheiten sind sehr viel im Einsatz und bekommen durch die First Responder eine sehr gute Unterstützung. Letztendlich zum Wohle des Patienten", so Brinkmann. 800 Einsätze hatten die First Responder im Landkreis Aschaffenburg im vergangenen Jahr.
Innenministerium: Wichtig vor allem im ländlichen Raum
Die Ersthelfergruppen seien vor allem in ländlichen Gebieten ein wichtiger Bestandteil der Notfallversorgung, so das Bayerische Innenministerium auf Anfrage von BR24. Sie ersetzen nicht den Rettungsdienst, aber verkürzen das sogenannte therapiefreie Intervall. 60.000 Alarmierungen im First Responder-Bereich habe es 2025 gegeben.
Ausbildung ist umfassend
Das Ministerium hat einen Leitfaden für diese Gruppen herausgegeben, der die Rahmenbedingungen und Standards definiert. Darin heißt es: "Die Ausbildungsdauer im Rahmen der Grundqualifikation muss mindestens 48 Stunden umfassen. Eine Vertiefung auf 80 Stunden oder mehr wird empfohlen, insbesondere wenn die Ersthelfergruppe häufiger zum Einsatz kommt." Rettungssanitäter oder -sanitäterinnen oder Assistenten/Assistentinnen benötigen keine zusätzliche medizinische Ausbildung.
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