(Symbolbild) Ein Rehkitz versteckt im hohen Gras.
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(Symbolbild) Ein Rehkitz versteckt im hohen Gras. Rehkitze haben in ihren ersten Lebenswochen noch keinen Fluchtinstinkt.
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(Symbolbild) Ein Rehkitz versteckt im hohen Gras. Rehkitze haben in ihren ersten Lebenswochen noch keinen Fluchtinstinkt.

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Flughäfen: Drohnen-Einschränkung erschwert Rehkitz-Rettung

Flughäfen: Drohnen-Einschränkung erschwert Rehkitz-Rettung

Wärmebild-Drohnen spielen bei der Rettung von Rehkitzen eine immer wichtigere Rolle, da sie die jungen Tiere recht zuverlässig auffinden. Aber in Flughafennähe gibt es aus Sicherheitsgründen immer mehr Einschränkungen. Was sind die Alternativen?

Über dieses Thema berichtet: Unser Land am .

Derzeit beginnt die Mähsaison – gleichzeitig werden ab Ende April Rehkitze in den Wiesen geboren. Sie haben in ihren ersten Lebenswochen noch keinen Fluchtinstinkt, sondern ducken sich bei Gefahr ins hohe Gras. Um zu verhindern, dass sie von Mähwerken erfasst und getötet werden, können Landwirte ganz unterschiedliche Maßnahmen ergreifen: Flatternde oder piepsende Wildscheuchen, Absuche mit einer Menschenkette oder Sensoren am Mähwerk und immer häufiger auch Drohnen mit Wärmebildkamera.

Weniger Drohnenfluggenehmigungen rund um Flughäfen

Doch Rehkitzretter sehen die Drohnenflüge rund um Flughäfen zunehmend in Gefahr. Hubertus Held, ehrenamtlicher Referent für Rehkitzrettung beim Jagschutz- und Jägerverein Freising Stadt und Land, bewahrt seit 2022 rund um den Münchner Flughafen Rehkitze mit Wärmebild-Drohnen vor dem Mähtod. "Wir haben uns da bisher in einer Grauzone bewegen dürfen", erklärt er. Die Deutsche Flugsicherung habe Genehmigungen herausgegeben für die Flächen rund um die Start- und Landebahnen.

In diesem Jahr soll es aber so gut wie keine Genehmigungen mehr geben – wegen deutlich mehr Drohnensichtungen rund um Flughäfen und der angespannten Sicherheitslage. Auf BR-Anfrage schreibt die Deutsche Flugsicherung: "Um die Sicherheitsrisiken für den Luftverkehr zu minimieren […], müssen im Rahmen von Einzelfallprüfungen derzeit häufiger als in der Vergangenheit Anträge abgelehnt werden."

So ist nach Einschätzung von Hubertus Held der Schutz der Rehkitze, wie er bisher von seinem Verein geleistet wurde, nicht mehr möglich – was dem Jäger Sorgen bereitet.

Landwirte befürchten höheren Aufwand – und weniger Tierschutz

Wer eine Fläche mähen will, ist nach Tierschutzrecht auch dazu verpflichtet, "geeignete Maßnahmen" zu ergreifen, um den Tod der Rehkitze zu verhindern – sonst drohen harte Strafen. Landwirt Michael Pellmeyer hat Wiesen in unmittelbarer Nähe zum Münchner Flughafen. Er befürchtet, dass er künftig "mehr Arbeit für weniger Nutzen" haben wird, wenn die Drohnenflüge zur Rehkitzrettung nicht mehr genehmigt werden. Heißt: Er wird andere Methoden wie akustische Scheuchen verwenden müssen, um sicherzugehen, dass keine Jungtiere auf der Wiese sind, wenn er mäht. Im Ergebnis befürchtet er aber, dass es mehr tote Tiere geben wird.

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Drohnen sind aus Sicht von Hubertus Held die beste Lösung zum Schutz der Rehkitze.

Vergrämen und Vertreiben als Alternativen

Keine Methode verhindert den Mähtod zu 100 Prozent, so das Fazit von Wildbiologe Ferdinand Paul Stehr von der TU München. Er hat mehrere Jahre lang Rehkitze besendert und ihr Verhalten untersucht – vor allem im Hinblick darauf, wie sie auf Scheuchen reagieren.

Eines seiner Ergebnisse (externer Link): Scheuchen führen zu einer Reduktion der Kitze in den Wiesen – im Schnitt sind aber trotzdem noch 50 Prozent der Kitze da. Kombiniert man verschiedene Maßnahmen und achtet auf Faktoren wie das Kitzalter, den Mähzeitpunkt und die Vegetationsdichte, lassen sich bessere Ergebnisse erzielen. Ein Beispiel: Die meisten Rehkitze werden Mitte Mai geboren. Ab der dritten Woche nimmt ihre Mobilität signifikant zu – wodurch auch Scheuchen dann wirksamer werden.

Kurz vor knapp doch noch Genehmigung erhalten

Drohnenpilot Hubertus Held hofft, dass die Deutsche Flugsicherung doch in den meisten Fällen für die ehrenamtlichen Kitzretter eine Genehmigung ausstellt. Für ihn und die betroffenen, flughafennahen Landwirte ist die Drohne die effektivste und kostengünstigste Methode.

Michael Pellmeyer hat bereits am Mittwoch das erste Mal heuer gemäht. Die Flächen durften vorher mit der Wärmebild-Drohne abgeflogen werden. Die Deutsche Flugsicherung habe "kurz vor knapp" eine Ausnahmegenehmigung erteilt. Somit durften auch die "gesperrten" Korridore mit der Drohne überflogen werden.

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