Abgestellte Kinderwägen und Kindersitze
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Frauenhaus Schwabach: Schutz und Hilfe bei häuslicher Gewalt
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Frauenhaus Schwabach: Schutz und Hilfe bei häuslicher Gewalt

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Frauenhaus Schwabach: Schutz und Hilfe bei häuslicher Gewalt

Frauenhaus Schwabach: Schutz und Hilfe bei häuslicher Gewalt

Das Gewalthilfegesetz verankert erstmals einen Rechtsanspruch auf kostenlosen Schutz und Beratung für von häuslicher Gewalt betroffener Frauen und deren Kinder. Weil dringend notwendige Hilfssysteme fehlen, müssen Frauenhäuser Hilfesuchende abweisen.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Ein Klingelschild mit Namen, der von außen unauffällige Eingangsbereich ist mit Kameras und einer extra Schleuse abgesichert und das Grundstück ist von außen nicht einsehbar. Das Anna-Wolf-Frauenhaus in Schwabach bietet zwölf Plätze für Frauen und 15 für Kinder. Im vergangenen Jahr fanden in diesem Haus insgesamt 55 Frauen und 59 Kinder Schutz vor häuslicher Gewalt, manche nur für ein paar Nächte, andere für mehrere Monate.

Viele Absagen trotz großer Not

Aber gleichzeitig musste das Team des Frauenhauses mehr als 80 Frauen absagen, obwohl diese und ihre Kinder dringend Hilfe gebraucht hätten. Grund für die Absagen sei meistens der Platzmangel gewesen, so Andrea Hopperdietzel, die Leiterin des Frauenhauses. "Entweder weil eben kein Zimmer mehr frei ist oder weil kein Platz ist für nochmal drei Kinder." Außerdem sei man für den Schutz der Bewohnerinnen verantwortlich. In einzelnen Fällen werde zum Beispiel in den Vorgesprächen deutlich, dass eine Frau psychisch so belastet sei, dass sie kurz vor einer Psychose stehe. Dann sei so eine Einrichtung wie das Frauenhaus mit so wenig Personal dafür nicht geeignet. Denn eine Aufnahme würde die anderen Bewohnerinnen gefährden, erklärt die Leiterin.

Dass das kein Einzelfall ist, zeigte bereits vor kurzem eine Recherche von Datenjournalistinnen des BR in Zusammenarbeit mit report München, BR-Story und CORRECTIV.Lokal. In 61 Prozent der Frauenhäuser im Freistaat gab es über einen längeren Zeitraum kaum einen freien Platz.

Lange Leidenswege

Wer ins Frauenhaus flieht, hat meist einen langen Leidensweg hinter sich. Manche Frauen kommen hochschwanger und entbinden im Schutz des Hauses, dann muss ein Neugeborenes mitversorgt werden. Und die älteste Bewohnerin, die vor häuslicher Gewalt floh, war über 80 Jahre alt. Alle brauchen schnell und dringend Schutz – so wie Marilia. Die 32-jährige Brasilianerin ist Krankenschwester und hat drei Kinder zwischen drei und 14 Jahren – und hat jahrelang keine Möglichkeit gesehen, ihren deutschen Mann zu verlassen, aus Angst, die Kinder zu verlieren.

Zwölf Anzeigen gegen den Ehemann

Zwölfmal habe sie ihn angezeigt, erzählt sie. "Dann wollte er mich umbringen im Wald. Da habe ich keine Möglichkeit mehr gesehen, zuhause zu bleiben. Da sind wir weggegangen." Sie sei mit nichts gekommen, jetzt wohnt sie mit ihren Kindern in einer eigenen Wohnung, die Kinder gehen in Schule und Kindergarten, sie sucht Arbeit in der Altenpflege. Der Zusammenhalt unter den Bewohnerinnen im Frauenhaus und die Hilfsangebote hätten das möglich gemacht, so Marilia.

Ehrenamtliche machen erst vieles möglich

Viele Ehrenamtliche helfen bei der Begleitung der Frauen auf dem Weg in ein sicheres Leben, mit Kinderbetreuung, Deutschkursen, Hilfestellung bei Wohnungssuche oder Anträgen. Denn die Frauen verlassen nicht nur ihre gewalttätigen Partner, sie verlieren damit meist auch ihr soziales Umfeld, ihren Arbeitsplatz, ihre finanzielle Versorgung, erklärt die Leiterin des Frauenhauses, Andrea Hopperdietzel.

Gewaltformen ändern sich

Der Schutz vor körperlicher oder finanzieller Gewalt allein reicht schon lange nicht mehr, so die Leiterin Andrea Hopperdietzel. Das Frauenhaus müsse sehr viele unterschiedliche Bedrohungsarten bedenken, so auch im digitalen Bereich. "Frauen können leicht geortet werden. Wir müssen in den ersten Telefongesprächen schon nach Trackern fragen." Und mit dem Auszug aus dem Frauenhaus in eine eigene Wohnung sind die Frauen noch lange nicht wieder frei von Not und Sorgen. Eine begleitende psychosoziale Beratung in Kooperation mit der AWO hilft bei diesem Schritt. Auch Marilia hat so, zusammen mit ihren Kindern in ein neues, sicheres Leben gefunden: "eine Kinder lachen wieder!"

Hilfe bei Gewalt

Sollten Sie selbst von Gewalt betroffen sein: Die Hilfetelefone "Gewalt gegen Frauen" und "Gewalt an Männern" beraten kostenfrei und anonym. Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" erreichen Sie unter 08000/116016, das Hilfetelefon "Gewalt an Männern" unter 0800/123 9900.

Auch der "Weisse Ring" hilft Menschen, die Opfer von Gewalt und Kriminalität geworden sind. Sie erreichen den "Weissen Ring" telefonisch unter 116 006.

Hilfe erhalten Sie auch in Frauenhäusern in Ihrer Region. Hier geht es zur bundesweiten Frauenhaus-Suche.

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