Junge Menschen für unser Gemeinwesen begeistern, Zusammenhalt stärken und ehrenamtliches Engagement fördern – das sind die Ziele des Bayernjahres. Ein Vorstoß der Regierungsfraktionen im Bayerischen Landtag.
"Etwas für Bayern tun" steht im Mittelpunkt
Soziales, Umwelt, Wirtschaft und Sicherheit: In diesen Bereichen sollen sich zukünftig junge Menschen in Bayern engagieren, ein Jahr lang, freiwillig und als zusätzliche Alternative zum freiwilligen Wehrdienst. Das ist die Bayernjahr-Idee der Regierungskoalition im Bayerischen Landtag, bestehend aus CSU und Freien Wählern.
Das Thema Gemeinschaft – etwas für Bayern tun – das stehe dabei im Mittelpunkt, betont CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek: "Das ist etwas, was glaube ich für unsere Gesellschaft in diesen Zeiten wichtig ist: Orientierung, raus aus der Bubble der Social Media, rein in das Bayernjahr, rein in die Idee, etwas für seine Heimat zu tun, einen Beitrag zu leisten." Damit möglichst viele mitmachen, wollen die beiden Regierungsfraktionen Anreize schaffen.
Studienplatz und Führerschein könnten Anreize schaffen
Vorteile bei der Studienplatzvergabe oder ein Zuschuss beim Führerschein könnten bei jungen Menschen Anreize schaffen, so das Kalkül von CSU und Freien Wählern. "Wir werden auch versuchen, aus unserer Fraktionsinitiative, aus der gemeinsamen der Regierungskoalition, mal in der Größenordnung von einer Million etwas zur Verfügung zu stellen", so CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek. Dies müsse jedoch erst der Haushalt beschließen, fügt Holetschek hinzu.
Grüne kritisieren Finanzierung
Für die Grünen im Bayerischen Landtag sind diese Aussagen jedoch viel zu vage. Es fehle eine konkrete Finanzierung, so der innenpolitische Sprecher der Landtagsgrünen Florian Siekmann: "Es mangelt nicht an der Bereitschaft junger Menschen, Verantwortung zu übernehmen, sondern an einer verlässlichen Finanzierung der Dienste. Mit einer Million aus dem Spielgeld der Regierungsfraktionen lässt sich die Zahl der Freiwilligen nicht verdoppeln. Im Rahmen der vorhandenen Mittel, wie es im Antrag heißt, schon gleich gar nicht. Außerdem ist das Bayernjahr laut Siekmann nur mehr ein neues Etikett für Angebote, die es bereits gibt.
Freie Wähler wollten erst kein Bayernjahr
Tatsächlich hatten die Freien Wähler das Bayernjahr ursprünglich abgelehnt, als die CSU-Fraktion es im letzten Herbst vorgeschlagen hatte. Die Begründung damals: Ein neues Bayernjahr schaffe neue bürokratische Strukturen, Mehrbelastung der Kommunen und außerdem gebe es ja schon FSJ und Bundesfreiwilligendienst – beides vom Bund.
Warum also der Sinneswandel? Das Konzept zum Bayernjahr sei nun besser, antwortet Bernhard Pohl von den Freien Wählern. Jetzt gebe es eine Verzahnung mit dem verpflichtenden Gesellschaftsjahr, wie es die Freien Wähler schon lange fordern.
Freie Wähler und CSU haben Kompromiss gefunden
Mittlerweile haben sich CSU und Freie Wähler geeinigt. Die CSU unterstützt den Wunsch der Freien Wähler, ein deutschlandweit verpflichtendes Gesellschaftsjahr im Bund zu fordern. Die Freien Wähler ziehen mit beim Bayernjahr. Zwei Anträge sind somit im Juli im Landtag eingebracht worden. Einer zum freiwilligen Bayernjahr und ein Antrag für ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr, für das sich die Staatsregierung auf Bundesebene einsetzen will. Der Weg dorthin ist jedoch voller Hürden. Das Grundgesetz müsste mit einer 2/3 Mehrheit im Bundestag geändert werden. Laut CSU und Freie Wähler soll deswegen jetzt erstmal als Vorstufe das Bayernjahr kommen.
Wohlfahrtsverbände unterstützen Bayernjahr
Die im Landtag eingeladenen Vertreter der Wirtschaft, der Feuerwehren, der Wohlfahrtspflege und des Naturschutzes haben gestern das neue Bayernjahr begrüßt. Caritas-Landeschef Andreas Magg hofft, dass sich mit dem Bayernjahr noch mehr im sozialen Bereich engagieren. Aktuell engagieren sich laut Magg rund 900 junge Menschen bei der Caritas in Bayern. Durch das Bayernjahr hofft er auf zusätzliches Engagement.
Ähnlich sieht es Bertram Brossardt, Geschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Er betont: Das Bayernjahr ersetze zwar keine Praktika in Unternehmen. Er erhofft sich aber vom Bayernjahr eine stärkere gesellschaftliche Bindung und eine bessere berufliche Orientierung. Bis zu 30.000 junge Menschen sollen jährlich das Bayernjahr absolvieren, so das Ziel von CSU und Freien Wählern. In spätestens zwei Jahren soll das Bayernjahr an den Start gehen.
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