Alt und neu: Die Bildkombo zeigt eine neu gestaltete Figur (r) der Autoscooterbahn Teufelsrad auf dem Oktoberfestgelände, daneben die vorherige Figur aus dem Jahr 2012.
Alt und neu: Die Bildkombo zeigt eine neu gestaltete Figur (r) der Autoscooterbahn Teufelsrad auf dem Oktoberfestgelände, daneben die vorherige Figur aus dem Jahr 2012.
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Eine neu gestaltete Figur (li.) des Teufelsrads auf dem Oktoberfestgelände, daneben die vorherige Figur aus dem Jahr 2012.
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Victoria Bonn-Meuser/Sven Hoppe
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Eine neu gestaltete Figur (li.) des Teufelsrads auf dem Oktoberfestgelände, daneben die vorherige Figur aus dem Jahr 2012.

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"Prüderie"? Wirbel um umgestaltete Oktoberfest-Figuren

"Prüderie"? Wirbel um umgestaltete Oktoberfest-Figuren

Nach Hinweisen der Münchner Gleichstellungsstelle wurden mehrere Pappmaché-Figuren am Teufelsrad vor dem diesjährigen Oktoberfest umgestaltet. Mehrere Politiker reagieren mit Unverständnis, selbst die Stadt hält die Umgestaltung für "übertrieben".

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

Rund drei Wochen vor dem Oktoberfest-Start gibt es Aufregung um Frauenfiguren auf dem Teufelsrad: Die Münchner Gleichstellungsstelle für Frauen hatte bei der Betreiberin angeregt, die Pappmaché-Figuren über dem Eingang des Fahrgeschäfts zu überarbeiten.

Pappmaché-Frauen über Teufelsrad-Eingang: Rassistisch und sexistisch?

Die bisherige, 80 Jahre alte Darstellung einer Hawaiianerin – als einzige schwarze Frauenfigur ohne Oberteil und Schuhe, nur mit einer Blumenkette bedeckt – habe "ein rassistisches Stereotyp" bedient, schreibt die Gleichstellungsstelle für Frauen dem BR.

Auch vor dem Hintergrund des sogenannten Upskirtings, also des Unter-den-Rock-Filmens- oder Fotografierens, seien etwa die Kleidung einiger Frauen zu freizügig gewesen. "Die bisherige Darstellung der Figuren am Teufelsrad spielte mit dem Hochfliegen von Röcken und dem frei werdenden Blick auf den Intimbereich", heißt es von der Gleichstellungsstelle für Frauen, die gemeinsam mit der Fachstelle für Demokratie "sexistische und rassistische Darstellungen auf dem Oktoberfest verhindern" will.

Teufelsrad-Betreiberin hat Figuren überarbeiten lassen

Zuerst hatte die "tz" über die neugestalteten Figuren berichtet (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt). Demnach gab die Stadt der Teufelsrad-Betreiberin Elisabeth Polaczy die Änderungsvorschläge bereits bei ihrer Bewerbung im vergangenen Herbst mit.

Daraufhin bekam die Hawaiianerin ein Oberteil aufgemalt, die anderen Frauen tragen nun Blusen und Radlerhosen, wie sie auch wirklich beim Teufelsrad verteilt werden, damit sich Frauen vor Blicken auf den Intimbereich schützen können.

Nachdem die Übermalungen Ende vergangener Woche publik wurden, gab es viele Diskussionen, ob dies wirklich notwendig und zielführend sei.

Grüne Wiesn-Stadträtin nennt Vorgehen übertrieben und prüde

Am Montag sagte Wiesn-Stadträtin Anja Berger (Grüne): "Natürlich dürfen Frauen nicht auf ihre Körper reduziert werden, Sexismus geht gar nicht. Aber wir brauchen keine übertriebene Prüderie." Es werde nun sehr ausführlich und kontrovers über historische Pappmaché-Figuren diskutiert, wichtig sei aber die Frage, "wie wir es schaffen, dass die Wiesn ein Ort ist, an dem Frauen und Mädchen sicher unterwegs sein können und sich wohlfühlen – egal, wie freizügig sie sich kleiden wollen". Berger sagt, sie hätte die Änderung nicht angestoßen und halte sie für übertrieben.

Schon am Freitag hatte Bergers Parteikollegin und Zweite Münchner Bürgermeisterin Mona Fuchs angeregt, man solle nicht "zu kleinteilig und prüde" diskutieren.

Kritik von Wiesn-Chef Scharpf und CSU-Fraktionschef Pretzl

Münchens Wirtschaftsreferent und Wiesnchef Christian Scharpf (SPD) sagte am Montag der Deutschen-Presseagentur, man müsse beim Umgang mit Traditionsgeschäften auf "Augenmaß" achten. Solche Debatten könnten "schnell den Eindruck erwecken, Politik und Verwaltung beschäftigten sich mit Dingen, für die viele Menschen wenig Verständnis haben". Nach der Wiesn werde er daher das Gespräch mit der Gleichstellungsstelle suchen.

Noch deutlichere Kritik kommt von Oppositionsführer Manuel Pretzl, CSU-Fraktionsvorsitzender im Münchner Stadtrat. Er schreibt dem BR, die städtische Gleichstellungsstelle sei "mit ihrer Kritik an den historischen Pappmaché-Figuren des Teufelsrads komplett über das Ziel hinausgeschossen". Die Debatte über nackte Füße und Radlerhosen sei überzogen und drohe, wirklich wichtige Themen zu überlagern. "Uns haben zahlreiche Rückmeldungen von Frauen erreicht, die sich von diesem Vorgehen bevormundet fühlen und sich nicht vorschreiben lassen wollen, was sie auf der Wiesn tragen dürfen", so Pretzl. Das wahre Problem sei das Upskirting, gegen das man zusammen mit den Betreibern viel tue, so Pretzl und Scharpf.

Teufelsrad-Betreiberin: Diskussion um Figuren "hochgespielt"

Teufelsrad-Betreiberin Elisabeth Polaczy bezeichnet die Diskussion um die Figuren am Montag gegenüber dem BR als "hochgespielt". Gegenüber der "tz" hatte sie zuvor die Sorge geäußert, nicht mehr auf das Oktoberfest zu dürfen, wenn sie die Figuren nicht anpasst. Bei den Änderungsvorschlägen der Stadt hat es sich offiziell nur um eine Anregung gehandelt, keine Anordnung. Die Frage, ob das Teufelsrad ohne die Überarbeitungen nicht zur diesjährigen Wiesn zugelassen worden wäre, ließ ein Sprecher des Wirtschaftsreferats laut Deutscher-Presseagentur unbeantwortet.

Teufelsrat-Chefin Polaczy sagte dem BR, sie habe "alles gemacht, was gewünscht war, und jetzt ist es gut. Eine schöne Wiesn ist mir viel wichtiger".

Mit Informationen von dpa

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