Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, Schirmherr der Sudetendeutschen Landsmannschaft, beim 76. Sudetendeutschen Tag in Tschechien.
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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, Schirmherr der Sudetendeutschen Landsmannschaft, beim 76. Sudetendeutschen Tag in Tschechien.

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Provokation oder Versöhnung? Söder beim Sudetentreffen

Provokation oder Versöhnung? Söder beim Sudetentreffen

Sudetendeutscher Tag erstmals in Tschechien: Dort, wo die Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs Verbrechen begangen hatten und dort, wo hunderttausende Deutsche vertrieben wurden. Eine heikle Mission auch für Ministerpräsident Söder.

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"Wir vergessen nicht", "Deutsche, zahlt uns Reparationen", oder "Die Tschechische Republik ist kein deutscher Lebensraum" – die Proteste gegen den Sudetendeutschen Tag, gegen das Treffen der Vertriebenen aus Böhmen und Mähren und ihren Nachkommen, waren deutlich. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) war trotz aller Kritik aus dem Nachbarland nach Brünn gereist – und sprach vor Ort von einem "historischen Tag".

Weniger Proteste als angekündigt

Als "Provokation" empfanden einige der Demonstrierenden das Treffen. Andere sagten, sie trauten den Sudetendeutschen nicht und sie hätten Angst "vor Krieg und dass wir unser Land verlieren". Allerdings: Zu den Protesten kamen weniger Menschen als vermutet.

Nach Angaben der tschechischen Behörden, waren zu mehreren Gegendemonstrationen jeweils bis zu 1.500 Menschen angemeldet worden. Teilweise standen aber nur kleine Grüppchen an den Zufahrtswegen, am Samstagabend waren es einige Hundert Gegendemonstranten.

Söder auf heikler Mission

Die Reise von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ins tschechische Brünn galt im Vorfeld als "heikle Mission", da sich die Fraktionen der rechten Regierung im tschechischen Parlament gegen den Sudetendeutschen Tag in Brünn gestellt hatten. Sie warnten unter anderem vor einer Relativierung der Verbrechen der Nationalsozialisten und davor, dass "alte Wunden" geöffnet werden könnten. Auch die Sorge vor Gebietsansprüchen wurde laut.

Dabei hatte der Vertriebenenverband 2015 in seiner Satzung auf die Forderung nach Rückgabe von beschlagnahmtem Eigentum verzichtet. Tschechiens Außenminister hatte in einem Zeitungsinterview gesagt, er glaube nicht, "dass Söder und Dobrindt eine gute Zeit haben werden".

Bekenntnis zu bayerisch-tschechischer Freundschaft

Söder hatte sich davon offenbar nicht beeindrucken lassen. Bei seiner Rede am Sonntagmittag in einer Messehalle in Brünn legte der Bayerische Ministerpräsident und Schirmherr der Sudetendeutschen ein Bekenntnis ab: Es sei für ihn "eine Verpflichtung" da zu sein. Er stehe voll hinter der sudetendeutschen Landsmannschaft. Gleichzeitig gehe es ihm darum, "immer wieder die Hand zu reichen", für die bayerisch-tschechische Freundschaft.

Die Einladung der Sudetendeutschen nach Brünn gleiche einem "Friedensangebot für ganz Europa". Er dankte den Initiatoren der zivilgesellschaftlichen Initiative "Meeting Brno", die die Einladung ausgesprochen hatten, und würdigte diese wie auch die Sudetendeutschen als "Brückenbauer". Als Zeichen seiner Wertschätzung wolle er einigen Vertretern der tschechischen Organisation die Europamedaille des Freistaats Bayern verleihen.

Treffen mit Staatspräsident Pavel in Prag

Für die Kritik an dem Treffen, das unter dem Motto "Alles Leben ist Begegnung" stand, machte Söder "Echokammern" und" radikale Kräfte" mitverantwortlich, die teilweise "von außen gesteuert" würden, "um unsere gemeinsame friedliche Basis zu zerstören".

Nach seiner Rede reiste Söder weiter nach Prag zu Staatspräsident Petr Pavel, der sich - anders als die rechten Regierungsfraktionen im Parlament - hinter die Einladung von "Meeting Brno" und den Sudetendeutschen Tag in Brünn gestellt hatte. Söder bezeichnete das als "ganz ganz großes Zeichen". Zu der Erklärung des tschechischen Parlaments äußerte er sich dagegen nicht: "Das steht uns nicht zu", so der Bayerische Ministerpräsident.

Posselt: Kommen mit Botschaft der Liebe

Zuvor hatte Bernd Posselt, Sprecher der sudetendeutschen Volksgruppe, erklärt, die Sudetendeutschen seien nach Brünn mit einer klaren Botschaft gekommen: und zwar "nicht mit einer Botschaft des Hasses", sondern "mit einer Botschaft der Liebe". Die Sudetendeutschen seien nicht nach Brünn gekommen um etwas zu fordern. "Wir sind hier, um etwas zu geben".

Posselt verlieh im Rahmen der Hauptkundgebung den Europäischen Karlspreis der Sudetendeutschen an den Schriftsteller und einstigen Dissidenten Milan Uhde für dessen Einsatz für Völkerverständigung und Versöhnung. Uhde hatte während des Holocaust 18 Familienmitglieder verloren.

Gemeinsames Gedenken

Am Samstag hatten die Gastgeber der Bürgerinitiative "Meeting Brno" bereits zu einem Gedenken an die Opfer von Flucht und Vertreibung aufgerufen. 1.300 Tschechen und Deutsche kamen in einem Friedensmarsch zum Massengrab nach Pohorlice (Pohrlitz) und erinnerten an die Tausenden Deutschen, die beim berüchtigten Brünner Todesmarsch und im Zuge der Vertreibung zu Tode kamen.

Zu dem Gedenken war auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) nach Tschechien gereist. Er hatte betont, dankbar zu sein "dass wir füreinander einstehen, als Nachbarn, als Partner, als Freunde". Diese europäische Freundschaft sei "das Bollwerk gegen jeden neuen Nationalismus".

Zum Nachhören: Söder auf dem Sudetendeutschen Tag in Brünn

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, Schirmherr der Sudetendeutschen Landsmannschaft, beim 76. Sudetendeutschen Tag in Tschechien.
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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, Schirmherr der Sudetendeutschen Landsmannschaft, beim 76. Sudetendeutschen Tag in Tschechien.

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