JVA Gablingen bei Augsburg
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Gablinger JVA-Skandal: Anklage gegen frühere Gefängnis-Leitung

Gablinger JVA-Skandal: Anklage gegen frühere Gefängnis-Leitung

Prügelnde Wärter und Gefangene, die nackt und grundlos in Spezialzellen gesperrt wurden: Die Vorwürfe um die JVA Gablingen sind wohl der größte Justizskandal in Bayerns Nachkriegsgeschichte. Nun hat die Staatsanwaltschaft Augsburg Anklage erhoben.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Nach Gewalt- und Folter-Vorwürfen hat die Staatsanwaltschaft Augsburg nach BR-Informationen die frühere Chefin der JVA-Gablingen sowie ihre damalige Stellvertreterin angeklagt. Zudem wurde gegen eine zentrale Figur der sogenannten Sicherungsgruppe (SIG) der JVA Anklage erhoben. Er soll ein enger Vertrauter der Stellvertreterin gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft Augsburg wollte die Anklageerhebung auf BR-Nachfrage nicht bestätigen.

600 Seiten lange Anklageschrift

Seit über einem Jahr war gegen mindestens 18 Personen des JVA-Personals ermittelt worden, unter anderem wegen Körperverletzung im Amt. Die Anklageschrift umfasst nach BR-Informationen rund 600 Seiten. Mit weiteren Anklagen gegen damalige Bedienstete der JVA ist zu rechnen, nachdem nun zunächst die Führungsriege angeklagt worden ist. Die "Augsburger Allgemeine" (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt) hatte zuerst darüber berichtet.

Spezialzellen in JVA Gablingen im Fokus

Konkret geht es um die sogenannten "besonders gesicherten Hafträume" (bgH). In diesen Zellen sollen in der JVA Gablingen Gefangene grundlos und komplett nackt eingesperrt worden sein, teils über Wochen – ohne Decke oder Matratze. Als Konsequenz will Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU) die Unterbringung in den Spezialzellen neu regeln. Die Ausstattung soll auf den Prüfstand. Und bei einer Unterbringung, die länger als drei Tage dauert, soll künftig eine richterliche Zustimmung nötig sein.

Vorwürfe kommen auch aus Nachbargefängnis

Neben der missbräuchlichen bgH-Unterbringung wird den Gablinger Beamten auch Gewalt gegen Gefangene vorgeworfen. Wie der BR recherchiert hat, gehen die Vorwürfe bis hin zu Knochenbrüchen. Zudem soll es auch in der benachbarten JVA Neuburg-Herrenwörth zu Übergriffen durch die Gablinger Beamten gekommen sein. In dem Jugendgefängnis unterstützten sie eine Drogenrazzia. Dabei sollen Häftlinge gewürgt und geschlagen worden sein, um Informationen von ihnen zu erhalten. Für Experten die "Paradesituation einer Folter".

Insgesamt wird in der Causa rund 150 Verdachtsfällen nachgegangen. Die Beschuldigten weisen die Vorwürfe zurück. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

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