Mittagszeit im Einkaufszentrum München-Neuperlach. Es ist wenig los an den Pfandautomaten. Ein paar Kundinnen und Kunden geben am Automaten ihre Pfandflaschen zurück. Was hier besonders ist: Man kann auch Kosmetikverpackungen im Automaten versenken und bekommt pro Stück 29 Cent zurück. Der Automat macht die Verpackungen nicht kaputt, sondern sammelt sie – ähnlich wie bei Glasflaschen. Die Kundinnen finden das gut, weil "es wird ja doch Plastikmüll in den normalen Hausmüll geworfen". Wenn es Pfand zurückgibt, dann würde die Verpackung eher zurückgebracht, so die Hoffnung einiger Kunden.
- Zum Artikel: "Zukunft der Verpackungen: Verzicht und Recycling"
Mehrweg-System für Kosmetikverpackungen seit Oktober im Test
Das Mehrweg-System wird in München seit Oktober 2025 getestet und soll zunächst klären, ob die 29 Cent ein Anreiz sein können, Kosmetikverpackungen im Supermarkt zurückzubringen. Neben Kaufland beteiligt sich auch die Bio-Kette Vollcorner an dem Versuch. 13 Produkte können zurückgegeben werden, von verschiedenen Herstellern.
Für Alisa Kohler von Kaufland ist es wichtig, dass die Kunden die Verpackungen einfach und bequem zurückgeben können, das sei entscheidend. Deswegen nehmen die Automaten Pfand jeglicher Art und Menge zurück. "Kunden können bei uns jegliche Flaschen und eben jetzt auch in dem Test leere Naturkosmetikverpackungen am Pfandautomaten zurückgeben, erhalten einen entsprechenden Bon, den sie dann bei ihrem Einkauf an der Kasse einlösen können", erklärt Alisa Kohler.
BR24 auf Instagram: Pfand für Kosmetikverpackungen
Zwischenbilanz im Herbst
Im Herbst wird mit den Herstellern eine Zwischenbilanz gezogen. Auch andere Systeme testen aktuell Mehrwegverpackungen für Kosmetika. Denn die neue EU-Verpackungsverordnung sieht eine Recyclingquote von 70 Prozent vor, das entsprechende Gesetz kommt 2028.
Umweltexperte Ralph Mückstein vom Umweltbundesamt (UBA) findet die Entwicklung prinzipiell gut, denn es gebe das übergeordnete Ziel, Verpackungsabfall zu vermeiden. Und das wäre einer der größten Schritte, die wir machen könnten: "Mehrwegsysteme zu etablieren, wo es sinnvoll ist, wo es sich lohnt, wo es skalierbar ist." Und dafür gebe es viele Packgüter, wo es machbar sei, sie wieder zu befüllen und die Verpackung erneut zu verwenden, so Mückstein.
Kunststoff schwer zu recyceln – besser meiden oder Mehrweg
Das Problem bei vielen Kunststoffen: Sie sind beschichtet, gefärbt oder setzen beim Schmelzen schädliche Gase frei – alles nicht gut für die Umwelt. Deshalb gilt es, Plastikmüll zu vermeiden oder zumindest Mehrwegverpackungen zu nutzen. Dafür wirbt auch die Aktion "Eine Woche ohne Plastik" [externer Link].
Einheitlicher Standard wäre ideal
Allerdings: In einer idealen Welt, so Umweltexperte Mückstein, wäre dieses Mehrwegsystem einheitlich. "Aber man hat gesagt, man überlässt das den Unternehmen, und da bleibt es abzuwarten, was die Unternehmen draus machen." Ein einheitlicher Standard wäre seine ideale Vorstellung, weil das "einiges leichter machen würde".
Kunden besser über Mehrweg-System informieren
Die Kundinnen im Neuperlacher Einkaufszentrum sind jedenfalls zuversichtlich, dass das Pfandsystem funktionieren könnte, wenn die Kunden besser darüber informiert wären. Ein Pfandsystem könnte ein Anreiz für die Rückgabe sein – so ihre Hoffnung.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
