Eine Fleckvieh- und eine schwarzbunte Kuh stehen an einer jungen Hecke.
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Erster Kontakt mit der Futterhecke: Milchkühe zwischen Haselnuss- und Weidensträuchern.
Bildrechte: BR / Ursula Klement
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Erster Kontakt mit der Futterhecke: Milchkühe zwischen Haselnuss- und Weidensträuchern.

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Hecken und Bäume mal anders genutzt: Laub als Superfood für Kühe

Hecken und Bäume mal anders genutzt: Laub als Superfood für Kühe

Laub von Hecken und Bäumen ist so wertvoll wie bestes Wiesenheu. So eine Info aus alten Lehrbüchern – mit Zukunftspotential: Denn Hecken und Bäume bringen Viehhaltern im Klimawandel mehr als gedacht. Ein Biobetrieb in Schwaben probiert es aus.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau am .

Die Wiesen waren braun und es gab kein Gras mehr. Viele Landwirte mit Rindern, Ziegen oder Schafen haben in diesem Sommer bereits einen Teil der Wintervorräte, also Silage und Heu, verfüttern müssen, um ihre Tiere satt zu bekommen. Im Klimawandel wird es deshalb immer wichtiger, Alternativen zu haben, die auch in der Dürre noch was bieten.

Futterhecke für Milchkühe: Nicht zum sattfressen

Die Milchkühe vom Biohof Speinle in Weisingen im Landkreis Dillingen dürfen jeden Tag auf die Weide. Eigentlich nichts Besonderes. Aber heute fehlt an einer bestimmten Stelle der Elektrozaun. Jetzt können sie zum ersten Mal einen Teil der Hecke fressen, die die Landwirtsfamilie vor drei Jahren gepflanzt hat: Salweide, Haselnuss und Flatterulme.

Für das Milchvieh ist die Hecke schön zum Kratzen und Reiben, damit fangen sie gleich an. Sie brauchen viel und gutes Futter, satt werden sie sicher nicht von der Hecke. Das ist Landwirt Jürgen Speinle klar. Er bezweckt was anderes: Das Heckenlaub enthält viele Mineralstoffe, ist eher Superfood als Grundfutter. "Das ist für mich der Grundgedanke, nicht die direkte Futterversorgung, sondern diese Mineralstoffversorgung."

Agroforstwirtschaft als Anbausystem

Die Hecke ist ein Teil von etwas Größerem. Die Speinles machen Agroforstwirtschaft, also eine Kombination von Baumreihen, Hecken und Äckern oder Wiesen. Seit vier Jahren pflanzen sie Bäume und Sträucher, weil das viele Vorteile bringt: Die Bäume tragen Nüsse, Obst und Esskastanien und liefern Schatten; die Hecken bremsen den Wind, schützen vor Erosion und verbessern das Mikroklima. Alles miteinander fördert die Artenvielfalt und stabilisiert die Erträge.

Welchen Einfluss die Bäume auf das Feld haben, hat Jürgen Speinle in den heißen Sommern 2018 und 2019 gesehen. Damals hatte er im Schatten von Bäumen noch Gras zu mähen, erzählt er. Auf Flächen, die ganz in der Sonne waren, sei nichts mehr gewachsen. Der Baum-Schatten wird auch für die Kühe auf der Weide immer wichtiger. Denn wenn es richtig heiß ist, wollen sie nicht einmal mehr in die gebauten Unterstände.

Laubfutter für trockenstehende Kühe und Jungvieh

Vor vier Jahren haben die Speinles mehrere Streifen mit jeweils zwei Reihen Pappeln auf einem Acker gepflanzt. Die haben heuer im Juli die trockenstehenden Kühe, also die Kühe, die gerade keine Milch geben, ernährt. Die Tiere durften auf den abgedroschenen Acker, haben die Bäume bis auf Brusthöhe ausgelichtet. Und die Landwirte haben sich so einen Monat das Zufüttern gespart.

Das Jungvieh haben die Speinles in ihr angrenzendes Waldstück gelassen, als auf der Weide nix mehr gewachsen ist. Dort gab es Schatten und jede Menge Unterwuchs mit Brombeeren. Dabei hätten sie sich Meter für Meter vorgearbeitet und alles abgefressen, nichts zusammengetrampelt, so die Beobachtung von Landwirtin Martina Speinle. "Das hat uns schon erstaunt."

Agroforst gegen Klimawandel-Folgen

Heuer haben sich mehr Berufskollegen als bisher für die Hecken und Bäume auf Speinles Feldern interessiert. Wegen der Dürre und Hitze? Jürgen Speinle ist sich sicher: "Hundertprozentig liegt das dieses Jahr am Wetter."

Und die Landwirtsfamilie ist nach diesem Sommer noch überzeugter, dass die Agroforstwirtschaft ihren Betrieb krisensicherer macht. Und sie will noch ein paar Bäume und Hecken pflanzen. Landwirte, die in die Agroforstwirtschaft einsteigen wollen, können für diese Gehölze eine staatliche Förderung bekommen.

Altes neues Forschungsfeld: Laub als Tierfutter

Birken- und Rotbuchenlaub haben den geringsten Futterwert, Schwarzer Holunder hat den höchsten. Diese Info stammt aus einem landwirtschaftlichen Lehrbuch von 1960. In noch älteren Werken findet man Tipps, wie man Zweige mit Linden, Erlen und Eichen im Sommer erntet und für den Winter als Futtervorrat trocknen kann.

Doch Futterlaub ist auch Gegenstand in der aktuellen Agrarforschung. Das Johann Heinrich von Thünen-Institut hat herausgefunden, dass Futterhecken auf der Weide in der Ochsenmast weder einen negativen noch einen positiven Einfluss auf die Fleischqualität und die Zunahmen haben.

Weidenlaub verbessert die Klimabilanz

Einen positiven Effekt hat Weidenlaub im Rinderfutter (externer Link) auf die Klimabilanz der Tiere, denn sie senken die Lachgas-Emissionen im Urin um 80 Prozent. Bei Ziegen sinken sogar die Methan-Emissionen, wenn sie viel Weidenblätter fressen – das sind Ergebnisse des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie in Dummerstorf (Mecklenburg-Vorpommern). Auch in der Schweiz und in den Niederlanden beschäftigen sich aktuell Experten mit Futterlaub. Da geht es unter anderem um Erntetechniken und zum Beispiel darum, dass Haselnusslaub nur im Frühjahr schmeckt.

Superfood für Kühe: Laub von Hecken und Bäumen ist so wertvoll wie gutes Wiesenheu. Eine Erkenntnis aus alten Lehrbüchern mit Zukunftspotenzial. Denn Hecken und Bäume bringen Viehhaltern im Klimawandel mehr als gedacht.
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Superfood für Kühe: Laub von Hecken und Bäumen ist so wertvoll wie gutes Wiesenheu.

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