Kühe stehen im Stall und fressen, vor ihnen ist der Boden schon leer.
Kühe stehen im Stall und fressen, vor ihnen ist der Boden schon leer.
Bild
Die Kühe von Julian Münch leiden unter der Trockenheit, ihnen schmeckt das Futter nicht mehr.
Bildrechte: BR/Carlotta Sauer
Schlagwörter
Bildrechte: BR/Carlotta Sauer
Videobeitrag

Die Kühe von Julian Münch leiden unter der Trockenheit, ihnen schmeckt das Futter nicht mehr.

Videobeitrag
>

Wegen Trockenheit zum Schlachter? Wenn das Tierfutter knapp wird

Wegen Trockenheit zum Schlachter? Wenn das Tierfutter knapp wird

Dürre, rissige Weiden, kleiner Mais ohne Kolben: Die Landwirtschaft in Unterfranken leidet in diesem Sommer extrem unter der Trockenheit. Die Folgen sind Noternten, Ernteeinbußen und Futtermangel. Ist der Schlachter der letzte Ausweg?

Über dieses Thema berichtet: BR24 vor Ort am .

Bio-Landwirt Julian Münch steht in seinem Melkstand und putzt das Euter einer seiner Kühe, bevor er die Melkmaschine ansetzt. Der Schweiß rinnt dem 27-Jährigem über die Stirn. Die Hitze merken auch seine Kühe, sie sind an diesem Morgen in Greßthal im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt unruhiger als sonst. Ab 20 Grad Celsius leiden Kühe unter Hitzestress. Gerade sind es 30, und das schon um kurz vor 8 Uhr. Besonders leidet Bertha. Ihre Milch fließt nicht richtig. Bald könnten Hitze und Trockenheit noch viel schlimmere Folgen für sie haben.

Gras wächst seit Juli nicht mehr

Denn für den Milchbauern wird es immer schwieriger, die 40 Kühe plus Nachwuchs satt zu bekommen. Seine Weiden sind größtenteils völlig vertrocknet. Statt grün ist hier nur braun und Unkraut zu sehen. "Gras wächst hier seit Mitte Juli aber schon keins mehr", sagt Münch. Beim Blick über seine Weide wird er nachdenklich: "Die Weidehaltung auf unserem Standort verliert einfach immer mehr an Bedeutung. Das heißt ja dann irgendwann auch, wo will ich Einkommen generieren, wenn ich nichts produziere?" Er zweifelt, ob das so bis zur Rente reicht.

Müssen Kühe zum Schlachter?

Was schon jetzt nicht mehr reicht, ist das Futter. Ohne Gras muss Münch Kraftfutter zukaufen und zufüttern. Bereits in wenigen Tagen bricht er seine Wintervorräte an, was eigentlich frühestens für Oktober gedacht ist. Für ihn bedeutet das nicht nur betriebswirtschaftliche Einbußen, sondern auch viel Ungewissheit. Wahrscheinlich muss er bald rund zehn Prozent seiner Kühe schlachten. Für den Landwirt wäre das ein schwerer Schritt.

Im Video: Das Gras zu trocken, der Mais zu klein – wie Landwirte gegen Futterknappheit kämpfen

Ein Landwirt betrachtet einen kleinen Maiskolben.
Bildrechte: BR
Videobeitrag

Extreme Hitze und Trockenheit: Bauern ernten so früh wie noch nie, haben hohe Ernteausfälle. Wie schlimm ist es: Müssen Tiere zum Schlachter?

Mickrige Maiskolben und Ernteeinbußen

Rund 60 Kilometer weiter südlich im Landkreis Kitzingen steht Landwirt Erich Hoppert in seinem Feld mit Futtermais und erträgt den Anblick kaum. Eigentlich wird diese Sorte bis zu drei Meter hoch, Anfang August ist sie gerade einmal halb so hoch. Der 59-Jährige sagt: "Es sind 20 Prozent von einem normalen Jahr. Eigentlich hat eine Pflanze zwei Kolben, große Kolben, und hier sind zum Teil gar keine Kolben dran oder halt so mickrige."

Mit 150 bis 200 Euro weniger Geld pro Hektar rechnet er für seinen Mais. Das wären im schlimmsten Fall 6.000 Euro Verlust. "Im Endeffekt haben wir heuer bei den Flächen draufgelegt, wir kommen nicht an unsere Produktionskosten."

Landwirte ernten und kaufen Mais so früh wie noch nie

Ernten muss er trotzdem. Um das Beste aus der Notlage zu machen, häckselt Hoppert schon seit Anfang August. So ist in dem Mais immerhin noch ein kleiner Grünanteil. Nahrhafter Körnermais ist das in diesem Jahr nicht, daraus wird nur noch Silage mit weniger Energie. Landwirt Manfred Reppert kauft ihm den Mais trotzdem für seine 150 Kühe ab. Das bereits im August zu tun, ist extrem ungewöhnlich. Aber er will sich vorbereiten fürs nächste Jahr: "Das ist sehr wichtig, ohne müsste ich Viecher reduzieren. Ich könnte meine Milch nicht mehr produzieren."

Keine Folgen für Verbraucherinnen und Verbraucher

Für Einzelne ist die Lage dramatisch. Noch ist die angespannte Futtersituation aber nicht im Supermarkt spürbar, sagt Thomas Zehnter vom Bayerischen Bauernverband Unterfranken. "Wir haben auch in Bayern Regionen, die sehr gut Niederschlag gehabt haben, zum Beispiel Südbayern. Bei uns in Franken haben wir natürlich deutliche Ernteausfälle. Aber die Molkereien mischen durch, deshalb merken wir es gerade noch nicht." Das werde auch in Zukunft nicht der Fall sein. Als Lösung sieht der Experte, mehr Futter anzubauen, Futterkooperationen oder die Fruchtfolge umzustellen, etwa mit Grünroggen.

"Das ist das Ende"

Auch Julian Münch würde gerne noch mehr Futter anbauen, was er aber ohnehin schon macht. Seit fünf Jahren bauen er und sein Vater jedes Jahr zehn Prozent mehr Futter an. Und jedes Jahr reicht es wieder nicht, was den jungen Landwirt sehr aufwühlt. Die Trockenheit in Unterfranken und Weidehaltung gehen für ihn nicht mehr zusammen: "Stand jetzt mit den aktuellen Auslegungen ist das das Ende und ich werde mir eine andere Arbeit suchen müssen." Aufgeben will er aber noch nicht. Dafür liebt er seinen Job zu sehr. Doch langsam gehen ihm für den Betrieb dieser Größe die Lösungsansätze aus.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!