Wenn in München der Frühling kommt, wird er nicht nur in Parks sichtbar – auch die Kleingartenanlagen in den Stadtvierteln verwandeln sich in blühende Oasen. Doch selbst Kleingärtner zu werden, ist ein schier unmögliches Unterfangen.
Ein Stück Grün mitten in der Stadt: ein Privileg
An der Münchner Lazarettstraße zwischen Maxvorstadt und Innenstadt liegt ein kleiner, sehr versteckter Kleingartenverein, Dort, mitten zwischen Autos, Straßenbahnen, Büros und Wohnhäusern, blühen derzeit gleichzeitig Tulpen, Narzissen, Krokusse, Sträucher und Obstbäume.
Die Pächterinnen und Pächter sind jetzt gefordert: Beete säubern, Sträucher schneiden, Stauden teilen, Unkraut entfernen – Arbeit ohne Ende, aber für viele eine der schönsten Tätigkeiten überhaupt. "Das ist eigentlich meine Heimat, das ist mein Leben hier", sagt eine Gartlerin. "Es ist unbezahlbar." Ein Kleingärtner, der seit 30 Jahren sein Stückchen Land pflegt, spricht von einer "grünen Oase mitten in der Stadt“ (Link zum Podcast), nur einen kurzen Fußweg von der Wohnung entfernt. Hier werde gegrillt, gefeiert, Gemüse und Blumen angebaut.
Nicht nur Pächter haben etwas von den Kleingartenvereinen. Viele Anlagen sind tagsüber für Spaziergänger zugänglich, es gibt Bänke. "Das ist ein Ort, an dem sich Leute treffen, ähnlich wie im Park" sagt ein Kleingärtner. "Da haben viele Menschen was davon, nicht nur die, die das Privileg haben, hier in der Innenstadt einen Garten zu haben."
Eigener Kleingarten: in weiter Ferne
Wer selbst Lust auf ein eigenes Stück Land bekommt, stößt allerdings schnell an Grenzen. In München gibt es zwar 85 Kleingartenanlagen und knapp 9.000 Pächterinnen und Pächter – doch die Nachfrage ist sehr groß. "Da kommen 25, 30 Leute jedes Jahr neu zur Anmeldung, die wollen alle einen Garten", sagt ein Vereinsmitglied, der seit 48 Jahren im Kleingartenverein ein Grundstück hat. Pro Jahr werden in seiner Anlage aber nur zwei bis drei Gärten frei. "In der Stadt ist es unwahrscheinlich, erfolgreich zu sein – und das nicht nur hier, das ist bei allen Anlagen so", sagt er. Bis zu zehn Jahre Wartezeit, schätzt er, könne es für Anwärter dauern.
Auch Alexander Reissl, Vorstand des Münchner Kleingartenverbands, ist pessimistisch: Viele neue Gärten seien in absehbarer Zeit nicht zu erwarten, das sei "eher utopisch". Wer wirklich einen Kleingarten möchte, müsse geduldig warten – und am besten Fördermitglied im Wunschverein werden.
Früher spießig, jetzt im Trend
Was lange als spießig galt, ist heute Trend: Der Wunsch nach einem eigenen, gut erreichbaren Stück Grün wächst, gerade bei Stadtbewohnern, die mit dem Fahrrad schnell im Garten sein wollen. Die nächste Kleingartenanlage findet sich sofort im Internet – ein Frühlingsbesuch dort ist allemal drin.
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