Sorge um Futter im Winter für Milchkühe
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Heu wird knapp: Wie Bauern um den Wintervorrat kämpfen

Heu wird knapp: Wie Bauern um den Wintervorrat kämpfen

In Teilen Südostbayerns bringt die Trockenheit Tierhalter in Bedrängnis: Ihre Heuvorräte schwinden schon vor dem Winter. Eine Initiative aus Schnaitsee organisiert Hilfe. Wie kommen die Höfe durch die kalte Jahreszeit?

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Tobias Dirnecker steht vor den Heuvorräten seiner Familie. Es ist August. Eigentlich müssten hier nach der Ernte Ballen dicht an dicht liegen. Doch das Lager ist längst nicht voll. So dürfe es eigentlich erst im Frühjahr aussehen, beschreibt er die Situation. Jetzt aber steht der Winter noch bevor.

Auf dem Bio-Hof hält die Familie nach eigenen Angaben 65 Milchkühe. Rund 90 Prozent ihrer landwirtschaftlichen Fläche bestehen aus Grünland. Weil dort wegen der Trockenheit weniger gewachsen ist, fehlen Vorräte. Noch haben die Tiere genug zu fressen, sagt Dirnecker. Die Frage ist, wie die Familie bis zum nächsten Frühjahr auskommt.

Winterfutter schon im Sommer gebraucht

"Mir wird da schon ein bisschen Angst, dass das in Zukunft wirklich oft kommt", sagt Vater Andi Dirnecker. Bis vorletztes Jahr habe der Landwirt noch gedacht, dass könne im Alpenvorland von der Regenmenge her nicht passieren. "Aber wir haben heuer wirklich ein Drittel von dem, was wir im Durchschnitt haben."

Die Dirneckers passen die Fütterung an und mischen inzwischen Stroh bei. Außerdem verfüttern sie bereits Silage, die eigentlich für den Winter vorgesehen war. Auf den Weiden sei zuletzt zu wenig gewachsen, berichtet Andi Dirnecker. Zugleich hofft er auf weitere ertragreiche Grasschnitte im Herbst. Aber: Auch zusätzliches Futter muss her.

Als klar wurde, dass immer mehr Höfe in der Umgebung zu wenig Heu haben, startete Landwirtin Tanja Jell aus Schnaitsee im Landkreis Traunstein gemeinsam mit dem Bund Naturschutz eine Hilfsaktion. Denn in der Region selbst war kaum noch etwas zu bekommen. Gemeinsam mit Unterstützern vom Bund Naturschutz versucht sie, Heu aus anderen Bundesländern für betroffene Tierhalter zu beschaffen.

Heu gesucht – und Platz zum Lagern

Das Ehepaar Jell hält selbst Rinder und kennt die Schwierigkeiten beim Einkauf. Manche Landwirte verkauften nichts, weil sie nicht wüssten, ob ihre eigenen Vorräte reichen, erzählt sie. Überregionale Lieferungen könnten helfen, verursachten aber zusätzliche Transportkosten. "Für einen Lkw vom Norden oben, da zahlst du mindestens 1.000 Euro Frachtkosten fürs Heu." Und das würde jetzt auch weniger, weil die Menschen aus anderen umgebenden Ländern jetzt auch nach Deutschland kommen und einkaufen, berichtet Tanja Jell. Auch trockene Lagerflächen würden gebraucht. Das organisierte Heu wolle sie zum Einkaufspreis weitergeben, ohne daran zu verdienen.

Wie unterschiedlich einzelne Angebote ausfallen, zeigt ihr eigenes Beispiel: Bei einer langjährigen Lieferantin habe sie noch für 38 Euro je Ballen eingekauft. Anderswo werde für vergleichbare Ballen mehr als das Doppelte verlangt. Eine allgemeine Preisentwicklung lässt sich aus diesen Einzelangaben allerdings nicht ableiten.

Landwirtschaftsamt sieht Unterschiede zwischen den Höfen

Michael Kaiser, Leiter des Landwirtschaftsamts Traunstein, bewertet die Lage im vorliegenden Interview zurückhaltender. Die Grünlanderträge seien deutlich geringer ausgefallen. Manche Betriebe hätten aber noch Reserven aus dem Vorjahr. Eine flächendeckende Krise sieht er zum Zeitpunkt des Gesprächs nicht belegt. Weitere Grasschnitte könnten die Versorgung noch verbessern.

Für die Landwirte in Schnaitsee bleiben deshalb zwei Aufgaben: Futterangebote prüfen und darauf hoffen, dass noch genügend nachwächst. Der Wintervorrat muss für seine Tiere reichen – bis auf den Wiesen wieder frisches Gras wächst.

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