Seit Monaten laufen entlang der A8 zwischen Ulm und Augsburg schwere Bohrgeräte. Die Deutsche Bahn untersucht dort den Untergrund für die geplante Neu- und Ausbaustrecke zwischen den beiden Städten. Das Milliardenprojekt soll die Fahrzeit künftig deutlich verkürzen – und den Regionalverkehr entlasten.
260 Bohrungen entlang der A8
Seit November 2025 lässt die Bahn an rund 260 Stellen bohren. Die meisten Bohrlöcher reichen zehn bis 30 Meter tief in den Boden, einzelne Bohrungen gehen sogar bis zu 80 Meter hinunter. Beim aktuellen Bohrpunkt im Scheppacher Forst arbeiten sich die Geräte rund 65 Meter unter die Erde.
Die Bohrkerne liefern wichtige Daten für die weitere Planung. Untersucht werden unter anderem Gestein, Tragfähigkeit und Grundwasser. Die Ergebnisse analysieren bahneigene Labore sowie externe Fachleute, darunter die Technische Universität München.
Tim Lorenz, Projektleiter der Erkundungsbohrungen, erklärt: "Anhand sowohl von dem, was wir jetzt hier schon sehen, vor allem aber auch immer im Labor dann an exakten Kennwerten ermitteln können, können wir ableiten, wie fest das Gestein ist oder welche Werkzeuge wir für Tunnelbohrarbeiten benötigen."
Die Erkenntnisse seien entscheidend für die spätere Bauphase. "Wir müssen wissen, wie ein Tunnel für die nächsten 100 Jahre sicher stehen kann", sagt Lorenz.
Längster Tunnel bei Scheppach geplant
Der Bereich bei Jettingen-Scheppach gilt als Schlüsselstelle des Projekts. Dort soll der längste Tunnelabschnitt der neuen Strecke entstehen. Geplant ist ein Tunnel mit rund 8,2 Kilometern Länge und bis zu 45 Metern Tiefe.
Insgesamt soll die Vorschlagsvariante zu rund 30 Prozent aus Tunneln bestehen. Der Grund: Zwischen Ulm und Augsburg wechseln sich Hügel und Täler stark ab. Gleichzeitig darf die Strecke nur geringe Steigungen aufweisen, damit auch schwere Güterzüge die Verbindung nutzen können.
Fahrzeit soll auf 26 Minuten sinken
Die neue Strecke soll eine der wichtigsten Bahnverbindungen in Süddeutschland beschleunigen. Die bestehende Strecke zwischen Ulm und Augsburg ist bereits rund 170 Jahre alt und gilt als letzter Abschnitt zwischen Stuttgart und München, der noch nicht viergleisig ausgebaut ist.
Mit dem Neu- und Ausbau will die Bahn die Fahrzeit zwischen Ulm und Augsburg von derzeit mehr als 40 Minuten auf maximal 26 Minuten verkürzen. Außerdem ist ein neuer Regionalzughalt in Zusmarshausen geplant.
Bundestag entscheidet über weiteres Vorgehen
Politisch ist das Projekt inzwischen in Berlin angekommen. Das Verkehrsministerium und das Eisenbahn-Bundesamt haben die Unterlagen an den Bundestag übergeben. Verkehrs- und Haushaltsausschuss befassen sich nun mit dem Vorhaben.
Detailplanungen dauern noch Jahre
Bereits im Juli 2024 wurde festgelegt, dass die Trasse grundsätzlich entlang der A8 verlaufen soll. Kommende Woche am Donnerstag soll der Bundestag über das weitere Vorgehen beraten. Eine endgültige Finanzierungsentscheidung steht noch aus. Nach derzeitigen Schätzungen liegen die Kosten bei rund acht Milliarden Euro.
Selbst bei einem positiven Beschluss dürfte es noch dauern, bis gebaut wird. Nach Angaben der Bahn folgen zunächst weitere Planungen und Genehmigungsverfahren. Allein die detaillierte Planung könnte noch etwa fünf Jahre beanspruchen.
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