Barbora Siskova ist Bürgermeisterin im tschechischen Jirikov, etwa 200 Kilometer östlich von Prag. Im Dezember 2024 entdeckt sie in ihrem Ort aufgetürmten Müll, der schnell vom Schnee verdeckt wird: Flugzeugteile, Reste eines Windparks oder auch von Lithium-Ionen-Batterien. Illegal abgelagert.
Anfang Januar 2025 kann sie zusammen mit der Polizei einen Lkw aufhalten, der gerade die Halde vergrößern will. Tschechische Polizei und Zoll setzen daraufhin mehrere Lastwagen fest. Die Spur der tschechischen Behörden führt in die Oberpfalz. Zu einer Entsorgungsfirma mit Sitz in Weiden und einer Niederlassung im Landkreis Schwandorf.
Geschäftsführer soll aus Gewinnsucht gehandelt haben
Im BR-Fernsehen beteuert der Geschäftsführer damals, er würde keinen Müll illegal in Tschechien entsorgen. Nun steht der 53-Jährige in Weiden vor Gericht. Zusammen mit einem Tschechen (57 Jahre alt), der für eine Niederlassung in Tschechien gearbeitet und die Transporte ins Nachbarland organisiert haben soll. Die Staatsanwaltschaft Weiden wirft ihnen gemeinschaftliche illegale Verbringung von gefährlichen und nicht gefährlichen Abfällen vor. Aus Gewinnsucht. Später wurde auch ein Ablageplatz in Polen entdeckt.
Auch Körperverletzung und Urkundenfälschung stehen im Raum
Bei dem Müll handelt es sich um hunderte Tonnen glasfaser- und carbonfaserverstärkte Kunststoffe sowie Reste von Batterien. In einer Niederlassung des Unternehmens im nördlichen Landkreis Schwandorf soll der 53-jährige Unternehmer zudem eine undichte Batterierecyclinganlage betrieben und seine Mitarbeiter gesundheitsgefährdenden Stoffen ausgesetzt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm daher zusätzlich gefährliche Körperverletzung und Urkundenfälschung vor.
Tonnenweise türmte sich der illegal abgeladene Müll an verschiedenen Orten in Tschechien auf.
Freistaat holte Müll auf Kosten von Steuerzahlern zurück
Nach Protesten in Tschechien beschäftigte sich auch der Umweltausschuss des Bayerischen Landtags mit dem Fall. Der Freistaat Bayern hat im vergangenen Jahr (2025) gut 600 Tonnen des Abfalls zurückgeholt und fachgerecht entsorgen lassen, wie die Regierung der Oberpfalz dem BR sagte. Gekostet hat das rund 600.000 Euro - bezahlt vom Steuerzahler, denn das Entsorgungsunternehmen ist inzwischen insolvent. Bis September sollen nun 40 Zeugen vor dem Landgericht Weiden aussagen, bis zu einem Urteil gilt für beide Angeklagte die Unschuldsvermutung.
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