Klimaneutral heizen und dabei noch Geld sparen: Das verspricht ein neuartiges Gewebe, das im Frankenwald entwickelt wurde. Nach Tests an verschiedenen Universitäten geht es jetzt in Hof in Serienproduktion und kann etwa in Häusern, Kirchen oder Gewächshäusern verbaut werden.
Heiztextil "verwandelt" Strom in Wärme
Der Stoff aus Polyester und versilbertem Kupferdraht verwandelt vereinfacht ausgedrückt Strom zu Wärme per Infrarot-Strahlung. Das könnte die Heizungs-Welt komplett auf den Kopf stellen, so Entwickler Mario Browa aus Geroldsgrün im Frankenwald. Es werde mit einfachsten Mitteln Wärme dorthin gebracht, wo sie benötigt werde. Und sparen könne man auch noch, so Browa. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Heizung lassen sich die Installationskosten ihm zufolge um 80 Prozent reduzieren.
Per Knopfdruck sorge das Heiztextil schnell für Wärme: Das zeigten etwa Tests in einem Theater in Berlin. Da wurde das Textil unter einem Holzboden angebracht, der etwa 25 bis 30 Millimeter Stärke hatte. Dann habe es etwa fünf Minuten gedauert, bis die Wärme durch die Holzdielen gekommen und eine Oberflächentemperatur von 28 Grad erreicht worden sei, so Browa.
Test im Büro: Nur besetzte Plätze beheizt
In einem Büro in Bayreuth wird das Heiztextil an der Decke angebracht - immer nur direkt über den Schreibtischen. So werde jeder einzelne Arbeitsplatz ganz individuell beheizt. Sobald ein Arbeitsplatz benutzt wird, schaltet sich oben ein Präsenzmelder ein und beginnt mit dem Heizen, erklärt Günter Mühlbauer vom Elektrogroßhändler EFG, der das in Oberfranken hergestellte Heiztextil jetzt bundesweit anbietet.
Erfinder Mario Browa mit seinem Heiztextil
Das Interesse von Elektrikern und Architekten sei groß. Angst vor einer hohen Stromrechnung müsse man nicht haben, denn der Verbrauch sei niedrig und bei Verbindung mit einer PV-Anlage zum Beispiel auch noch ökologisch, meint Mühlbauer. Zudem sei das nicht brennbare Gewebe aus Polyester recyclingfähig.
Das interessierte auch die Kirchengemeinde St. Johannis in Ansbach auf ihrem Weg zur ersten klimaneutralen Großkirche Bayerns, so Dekan Matthias Büttner. Dort wurde in den Wintermonaten ein Modell getestet. Verarbeitet in Sitzkissen habe das Heiztextil endgültig überzeugt.
In Kirchen und Gewächshäusern im Einsatz
An seiner innovativen Elektroheizung hat Mario Browa lange getüftelt, inzwischen ist der gelernte Industriemechaniker mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Textilbranche vom Bundesforschungsministerium zertifiziert, sein Heiztextil unter anderem von der TU Berlin getestet. Nun geht es für Decken- oder Bodenheizungen sowie als Teil von Teppichen und Akustikwänden in Serienproduktion. Browa testet es mit Universitäten in Athen und China, zum Beispiel in Gewächshäusern. So lasse sich der Ernteertrag deutlich erhöhen: Statt sieben Kilogramm könnten auf diese Weise künftig bis zu 70 Kilogramm Tomaten pro Quadratmeter geerntet werden.
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