Bayerns Innenminister Herrmann und Justizminister Eisenreich haben das Lagebild zu Gewalt gegen Polizeibeamten vorgestellt.
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Bayerns Innenminister Herrmann und Justizminister Eisenreich haben das Lagebild zu Gewalt gegen Polizeibeamten vorgestellt.
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"Intensiver und folgenschwerer": Gewalt gegen Polizeibeamte

"Intensiver und folgenschwerer": Gewalt gegen Polizeibeamte

Die Zahl der registrierten Straftaten gegen Polizeibeamte ist so niedrig wie lange nicht. Aber mehr Polizisten werden im Einsatz verletzt. Bayerns Innen- und Justizminister wollen gegensteuern. Experten sehen weitere Stellschrauben.

Über dieses Thema berichtet: BR24 am .

Es passiert in einer Nacht im Oktober 2023. Passanten melden eine betrunkene Person. Margaretha Reuther, Polizeibeamtin in Würzburg, fährt mit einem Kollegen hin. Sie wollte nur helfen, erzählt sie heute. Aber der Mann wird plötzlich aggressiv. Er reißt an Reuthers Haaren. Sie kann sich kaum noch bewegen, schreit. Es dauert zehn Minuten bis ihr Kollege und sie den Griff des Mannes lösen können. "Ich sah dann nur noch ein sehr großen Haarbüschel in seiner Hand."

Reuther und ihr Kollege nehmen den Mann vorläufig in Gewahrsam. Wenige Tage später kommt die Angst bei Reuther. Die Angst, nicht helfen zu können.

Weniger Straftaten, mehr Verletzte

7.151 Straftaten gegen Polizeibeamte wurden im vergangenen Jahr in Bayern registriert – darunter Beleidigungen (2.118), Bedrohungen (334) und zum größten Teil: körperliche Gewalt (4.611). So geht es aus dem "Lagebild Gewalt gegen Polizeibeamte" hervor, das Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und Justizminister Georg Eisenreich (CSU) am Mittwoch vorgestellt haben. Die Zahl der registrierten Straftaten ist demnach zwar so niedrig wie seit 2016 nicht mehr, auch die Zahl der Tatverdächtigen ist gesunken.

Die Zahl der verletzten Polizeibeamten ist aber so hoch, wie noch nie erfasst. 3.172 Einsatzkräfte wurden im vergangenen Jahr verletzt, 13 von ihnen schwer. Bayerns Innenminister Herrmann sagt: "Die Gewalt gegen Einsatzkräfte geht heute von weniger Personen aus, ist aber offenbar deutlich intensiver und folgenschwerer."

Kampagnen, Ausbildung, Schutzausrüstung

Seit Jahren versucht das bayerische Innenministerium gegenzusteuern, etwa mit Kampagnen für mehr Respekt und Anerkennung der Polizisten oder mit speziellen Aus- und Fortbildungen. So müssen Polizeibeamte jährlich mehrfach ein Training zum Polizeilichen Einsatzverhalten machen. Darin geht es auch um den Umgang mit aggressiven Personen oder Gruppen.

Außerdem setzt Bayern auf Schutzausrüstung. Die Höhe der Investitionen nannte das Innenministerium auf BR-Anfrage nicht. 2019 wurden Bodycams flächendeckend für die bayerische Polizei eingeführt. Seit 2022 haben geschlossene Einheiten und Unterstützungskommandos Elektroimpulsgeräte, sogenannte Taser. Wie sie im Streifendienst eingesetzt werden können, wird aktuell in drei Polizeibehörden getestet. In Hessen wurden die Geräte 2024 bereits flächendeckend eingeführt.

Experte: "Gewaltphänomene sind soziale Phänomene"

Umstritten ist, wie viel solche Maßnahmen helfen. Laut bayerischem Innenministerium wurden Taser im vergangenen Jahr in 158 "Einsatzlagen" eingesetzt. 75 Prozent der Situationen konnten demnach bereits entschärft werden, indem nur mit dem Taser gedroht wurde. Kritiker zweifeln hingegen an dem Nutzen, etwa wenn ein Angreifer dicke Kleidung trägt und insbesondere, wenn er ein Messer oder eine Schusswaffe hat.

Dirk Baier, Professor am Institut für Delinquenz und Kriminalprävention an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, sagt: Taser oder Bodycams seien nur bedingt wirksam. "Gewaltphänomene sind immer soziale Phänomene. Wer weniger Gewalt möchte, muss die Ursachen und Auslösebedingungen für Gewalt adressieren." Das bedeute: Selbstkontrolle müsse beigebracht, psychisch auffällige Personen frühzeitig erkannt und Zugang von Alkohol angegangen werden. 60 Prozent der Tatverdächtigen waren laut aktuellem Lagebild unter Drogen- oder Alkoholeinfluss. Baier sagt zudem: "Wir wissen, dass eine konsequente Strafverfolgung abschreckend ist."

Aktionsplan für schnelle Strafverfolgung

Bayern hat 2020 einen Aktionsplan gestartet, um die Zusammenarbeit von Polizei- und Einsatzkräften in dem Bereich zu verbessern. Schwerwiegende und öffentlichkeitswirksame Taten sollen beschleunigt bearbeitet werden. Das Ziel laut Bayerns Justizminister Eisenreich: Nach 14 Tagen sollen diese Fälle bei der Staatsanwaltschaft vorliegen. Wer Einsatzkräfte angreife, müsse wissen: "Der Rechtsstaat greift schnell und konsequent durch."

Wie häufig das funktioniert, dazu gibt es keine Daten. Justizminister Eisenreich spricht von konsequenter und konstruktiver Zusammenarbeit. Der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Jürgen Köhnlein, lobt das Verfahren, aber: "Hapern tut es dann meistens bei den personellen Geschichten." Ein Beispiel: Im ersten Halbjahr 2025 waren laut Justizministerium 82.179 Strafverfahren bei den Staatsanwaltschaften offen.

Menschen wie alle anderen

Margaretha Reuther sieht ihren Angreifer nach etwas mehr als einem Jahr vor Gericht wieder. Er erhält eine Bewährungsstrafe, sie Schadensersatz. Von der Justiz hat sie sich gut unterstützt gefühlt, erzählt sie später, so wie auch von der psychologischen Betreuung. Nach vier Wochen kann sie wieder in den Dienst. Jetzt hat sie eine Botschaft: Polizisten seien Menschen wie alle anderen, die Uniform schütze nicht vor seelischen Verletzungen.

Video: Im Dienst verletzt – Wie Polizisten mit Gewalt und Trauma umgehen | BR24 vor Ort

Im Video: Zahl verletzter Polizisten steigt

Immer wieder werden Polizisten im Dienst angegriffen und verletzt. Die Zahl hat in Bayern einen neuen Höchststand erreicht.
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Immer wieder werden Polizisten im Dienst angegriffen und verletzt. Die Zahl hat in Bayern einen neuen Höchststand erreicht.

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