Zwei Frauen bereiten Sushi zu
Zwei Frauen bereiten Sushi zu
Bild
Shouqing Feng (rechts im Bild) absolviert eine Ausbildung in der Gastronomie.
Bildrechte: BR / Julia Demel
Schlagwörter
Bildrechte: BR / Julia Demel
Audiobeitrag

Shouqing Feng (rechts im Bild) absolviert eine Ausbildung in der Gastronomie.

Audiobeitrag
>

Warum junge Migranten schwerer von Ausbildung zu überzeugen sind

Warum junge Migranten schwerer von Ausbildung zu überzeugen sind

Tausende Ausbildungsstellen sind noch unbesetzt – doch gerade Jugendliche mit Migrationshintergrund sind oft nur schwer von einer Ausbildung zu überzeugen. Denn ihnen ist das deutsche Duale System oft unbekannt und sie wollen gleich Geld verdienen.

Über dieses Thema berichtet: Stadt Land Leute am .

Shuoqing Feng ist seit fünf Monaten in Deutschland, um hier eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau zu absolvieren. In ihrem Betrieb darf die 24-Jährige von Anfang an mitarbeiten, in China hingegen hätte eine solche Ausbildung nur in der Schule stattgefunden.

Helferjobs oft beliebter als Berufsausbildung

Das deutsche Duale System, das Praxis und Theorie verbindet, gefällt ihr besser, sagt Shuoqing. Doch längst nicht alle Jugendlichen mit Migrationshintergrund sehen das so. Ihre Zahl ist besonders hoch unter den mittlerweile fast 2,8 Millionen jungen Erwachsenen in Deutschland ohne abgeschlossene Berufsausbildung.

Dass Shuoqing sich für die Ausbildung entschieden hat, freut auch ihren Chef Ah-Lei Zhang, den Besitzer des chinesischen Restaurants. In der Vergangenheit hat er schon Auszubildende angestellt, die dann nach kurzer Zeit lieber gleich voll arbeiten wollten, so Zhang: "Also ich hatte Bewerber beispielsweise aus Pakistan, die sind hergekommen, waren sehr motiviert. Aber die haben gleich am Anfang angefragt, ob man die Ausbildung abbrechen kann, ob sie nicht gleich Vollzeit arbeiten können, um viel Geld zu verdienen."

Duale Ausbildung in vielen Ländern unbekannt

Sie wollten gleich als Angestellte für den Mindestlohn von 13,90 Euro pro Stunde arbeiten. Das System, erst eine duale Ausbildung zu absolvieren, kannten sie aus ihren Ländern nicht. Doch dann fehlt ihnen auch Wissen auf anderen Ebenen, sagt Zhang: "Steuerrecht, Gesetze, Arbeitszeiten, Hygienevorschriften, einfach die Grundlagen. Das jedem Einzelnen zu erklären, da habe ich gar nicht die Zeit dazu." Diese Grundkenntnisse lernen Auszubildenden in der Berufsschule.

Mehr junge Erwachsene ohne abgeschlossene Berufsausbildung

Doch Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg zeigen, dass die Zahl junger Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland deutlich gestiegen ist - um rund eine Million auf fast 2,8 Millionen im Jahr 2024.

Jugendliche mit Migrationsgeschichte machen besonders oft keine Ausbildung, sagt der Direktor des IAB, Prof. Bernd Fitzenberger: "Da liegt auch ein Versagen in der Vergangenheit vor, die migrantischen Jugendlichen davon zu überzeugen, dass eine Ausbildung der besserer Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt ist, weil man langfristig bessere Verdienstchancen und geringere Arbeitslosigkeitsrisiken hat, als wenn man direkt in den Arbeitsmarkt mit einem Helferjob einsteigt, so attraktiv das kurzfristig auch sein mag."

Risiko von Arbeitslosigkeit für Ungelernte höher

Wenn aber die Konjunktur wie derzeit schwächelt, seien Ungelernte besonders oft von Arbeitslosigkeit betroffen, so Fitzenberger, und es gebe genug offene Ausbildungsstellen: "Wir müssen nur die Jugendlichen dafür öffnen, auch andere Ausbildungen als ihre erste Wahl in Betracht zu ziehen und ihnen die Wichtigkeit der Ausbildung vermitteln. Und wir müssen Betriebe dafür eröffnen, auch Jugendlichen eine Chance zu geben, die sie auf ersten Blick nicht eingestellt hätten." Dazu gebe es bereits viele Instrumente, wie Qualifizierungshilfen oder Schnupperpraktika.

Vermittlung von Jugendlichen in Betriebe

Der Ausbildungsring Ausländischer Unternehmer e.V. (AAU) in Nürnberg stellt seit mehr als 25 Jahren Kontakte zwischen Jugendlichen und Ausbildungsbetrieben her. Dabei leistet der Verein viel Überzeugungsarbeit, sagt der AAU-Vorsitzende Rainer Wünsche: "Vielen ist beispielsweise gar nicht bewusst, dass die Jugendlichen in der Ausbildung auch schon Geld verdienen. Dann muss man denen das System ein bisschen erläutern, auch wie es weitergeht, was kann ich zum Beispiel nach der Ausbildung machen, ich kann Abitur machen, ich kann studieren, ich kann meinen Meister machen und das ist dann auch anerkannt, quasi wie ein Studium."

Mittlerweile hat der Verein rund 2.000 Jugendlichen einen Ausbildungsplatz vermittelt. Gibt es Hürden, wie beispielsweise Sprachprobleme oder wenn Nachqualifizierungen der Jugendlichen nötig sind, unterstützt der Verein dabei, diese auszuräumen. Auch Shuoqing hat so ihren Ausbildungsplatz gefunden. Sie, ihr Chef und der Vereins sind sich sicher, dass sie mit der Unterstützung durch den AAU ihre Ausbildung erfolgreich absolvieren wird.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!