BR-Bürgerdiskussion "jetzt red i" am 15.4. live aus Rottenburg a.d. Laaber
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Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) und Mia Goller, agrarpolit. Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion stellten sich der Diskussion
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Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) und Mia Goller, agrarpolit. Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion stellten sich der Diskussion

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Kaniber fordert mehr Solidarität der Verbraucher mit Landwirten

Kaniber fordert mehr Solidarität der Verbraucher mit Landwirten

Wie werden Bayerns Bauern zukunftssicher? Und welche Rolle haben die Verbraucher? Darüber diskutierten bei "jetzt red i" Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) und Grünen-Landwirtschaftssprecherin Mia Goller mit Bürgerinnen und Bürgern.

Über dieses Thema berichtet: jetzt red i am .

Jakob Pichlmeyer ist ein junger Hopfenbauer in Furth in der Hallertau. Er und seine Familie sehen sich derzeit mit deutlich höheren Produktionskosten konfrontiert. Denn durch den Krieg im Nahen Osten sind die globalen Energiemärkte angespannt, entsprechend steigen die Preise für Dünger und Treibstoff.

Bei "jetzt red i" live aus dem niederbayerischen Rottenburg a. d. Laaber zeigte sich Pichlmeyer besorgt : "Die Kosten sind gedeckt, aber gewinnbringend zu sein wird schwierig in der Zukunft." Kriege wie in der Ukraine oder im Iran seien in früheren Kalkulationen nicht absehbar gewesen. "Wir in Bayern lieben unsere Landwirtschaft, wir machen das gern und auch besser als das Ausland. Allerdings sind uns auch die Hände besser gebunden als im Ausland."

Zukunftsangst bei Junglandwirten

Auch die angehende Landwirtin Maria Forster teilte diese Sorgen. Die Auszubildende will den Milchviehbetrieb ihrer Eltern übernehmen und blickt mit Unsicherheit in die Zukunft: "Wir sollen immer besser werden und bekommen immer mehr Auflagen". Dabei sei ihr Familienbetrieb bereits heute sehr klimaeffizient: "Mein Papa berechnet jedes Jahr, wie viel Kilogramm CO2 darf auf einen Liter Milch anfallen. Bei uns im Betrieb sind es 0,8 Kilogramm CO2 auf einen Liter Milch. Weltweit liegt der Schnitt bei 2,4 Kilogramm. In der Spitze ist Asien mit 6 Kilogramm CO2 pro Liter".

Verbraucher in der Pflicht

Steigende Anforderungen an Tierhaltung, Mindestlohn und CO2-Abgaben setzen die Betriebe zusätzlich unter Druck. Um die Bauern zu entlasten, sieht die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber daher auch die Verbraucher in der Verantwortung: "Wir predigen und bitten ja um nichts anderes seit Jahren, dass der Verbraucher das, was er von der Bauernschaft einfordert an hohen Standards - mehr Naturschutz, mehr Tierwohl - auch bereit ist, an der Ladentheke dann schlussendlich zu bezahlen."

Im Video: Kaniber - "Wir haben es jeden Tag in der Hand"

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Michaela Kaniber (CSU) und Mia Goller (B'90 / Grüne) stellen sich der Diskussion mit Bürgern in Rottenburg a.d. Laaber

Gleichzeitig zeigte sie Verständnis für die angespannte finanzielle Lage vieler Leute: "Man kann den Menschen teilweise gar nicht böse sein. Natürlich stehen alle unter einem wirtschaftlichen Druck und jeder muss seinen Euro drei Mal umdrehen, aber wünschenswert wäre, dass wir uns solidarisch zeigen, Regionalität leben, unsere Bauern unterstützen."

Die Grünen-Politikerin Goller sprach sich in diesem Zusammenhang für stärkeres staatliches Eingreifen aus: "Alles, was in der öffentlichen Kantine ist, sollte aus der Region kommen, sollte 50 Prozent Bio sein", fordert sie. So könne der Freistaat "einen Markt für die Bauern eröffnen, der sicher ist".

Klare Kennzeichnungen im Supermarkt: Einigkeit bei Kaniber und Goller

Einigkeit herrschte zwischen beiden Politikerinnen bei der Forderung nach mehr Transparenz für Verbraucher. Goller betonte: "Es ist wichtig, dass wir das Einkaufen transparenter machen, dass der Mensch auch wirklich eine Chance hat: Ja, ich weiß jetzt genau, was ich da kaufe und wo das herkommt."

Im Video: Goller - "Nicht nur der Verbraucher, auch der Freistaat trägt Verantwortung"

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Michaela Kaniber (CSU) und Mia Goller (B'90 / Grüne) stellen sich der Diskussion mit Bürgern in Rottenburg a.d. Laaber

Kaniber sprach sich dabei gegen eine rein nationale Kennzeichnung aus: "Was nicht kommen darf, ist ein Tierhaltungskennzeichnungsgesetz innerhalb Deutschlands". Eine solche Regelung müsse europäisch gedacht werden: "Dann will ich wissen: Welches Fleisch aus welchem europäischen Mitgliedsstaat hat welche Haltungsstufe gehabt – nur dann ist das Ganze fair und auch machbar und gibt uns im Übrigen auch keine Wettbewerbsnachteile."

Krisen als Chance?

Zur Zukunft der Landwirtschaft gehört für viele Betriebe auch ein zweites Standbein. Martin Forstner, der Biogasanlagen betreibt, kritisierte fehlende Nachfolgeregelungen bei Förderungen. Die Hinweise der Politik auf mögliche Anpassungen höre er seit Jahren, passiert sei wenig. Dabei sei Biogas als verlässliche Energiequelle unverzichtbar: "Die Krise ist eine Chance, wieder eigene Energie liefern zu können und nicht abhängig sein von anderen".

Grünen-Politikerin Goller stimmte den Redner zu und geht noch einen Schritt weiter: "Biogasanlagen sind ein wichtiger Teil der Energiewende. Aber ich glaube wir brauchen auch mehr Elektro am Hof und brauchen wieder einen anderen Treibstoff für die Bauern".

Die Lage vieler landwirtschaftliche Betriebe bleibt angespannt. Zwischen steigenden Kosten, politischen Vorgaben und Preisdruck im Handel suchen Bauern, Politik und Verbraucher weiter nach tragfähigen Lösungen.

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