Ein ungewöhnlicher Countdown bricht in der Gemeinde Brunnen im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen an. Bürgermeister Thomas Wagner (CSU) will nicht mehr antreten. Das Problem: Ein Nachfolgekandidat hat sich nicht gefunden.
Seit vergangenem Donnerstag gibt es in Brunnen eine "amtliche Bekanntmachung" der Bürgermeisterkandidaten – nur eben ohne einen Kandidaten. Zwar wurde die Abgabefrist für Wahlvorschläge um eine Woche verlängert, doch sie läuft am 15. Januar um 18 Uhr ab – voraussichtlich ohne Kandidaten. Und dann? "Das ist eine Situation, die es so in der Gemeinde und im Landkreis, soweit ich weiß, noch nicht gegeben hat", sagt Thomas Wagner.
Bürgermeister: Kandidatensuche schwierig
Doch woran liegt es? Der Bayerische Gemeindetag ist um Erklärungsansätze bemüht: Die Aufgaben im Amt seien immer komplexer geworden. Das traue sich nicht jeder zu. "Es hat sich aber auch das gesellschaftliche Bild verändert. Die Stimmung in den Gemeinden ist herausfordernder geworden, die Wertschätzung, auch der Respekt gegenüber denen, die Ämter ausüben", beobachtet Hans-Peter Mayer vom Gemeindetag.
Nicht selten ist die Suche nach Bürgermeisterkandidaten im Freistaat schwierig. Häufig steht lediglich ein Bewerber zur Wahl. Im Extremfall auch keiner, wie in Brunnen.
Tüßling: Erst kein Bewerber – jetzt drei
In Tüßling bei Mühldorf gab es zunächst ähnliche Probleme: Der amtierende Bürgermeister hat im Oktober hingeworfen. Weil ein Nachfolger nicht in Sicht war, wurde eine Stellenausschreibung verfasst – Tüßling machte bayernweit Schlagzeilen. "Ein Sturm im Wasserglas" sei das im Nachhinein gewesen, sagt Versicherungskaufmann Frank Tepin (Tüßlinger Liste). Denn jetzt gibt es in Tüßling drei Kandidaten.
Tepin ist einer von ihnen. Wenige Augenblicke bevor "Kontrovers" ihn trifft, erfährt er: "Dass die Unterschriftsliste voll ist, dass man jetzt offiziell Kandidat ist – finde ich schon toll und es ist ein sehr gutes Gefühl."
Gräfin Stephanie von Pfuel (CSU), Schlossherrin des Tüßlinger Schlosses, kandidiert ebenfalls – erneut: "Ich war ja schon Bürgermeisterin, von 2014 bis 2020, hab damals aus familiären Gründen, weil mein Sohn Charlie verstorben ist, nicht mehr kandidiert."
Auch Schulleiterin Alexandra Ludwig (FW) kandidiert. An der Aufgabe reizt sie, "dass man das, was man in der Schule tagtäglich macht, fürs Große machen kann, also für die Gemeinde machen kann, dass man da Aufgaben übernimmt und Gemeinde führt".
Bürgermeister: Haupt- oder Ehrenamt?
Doch warum hat die Kandidatensuche in Brunnen nicht geklappt? Bürgermeister Wagner hat eine Vermutung. Das Bürgermeisteramt ist dort ein Ehrenamt, für das es eine Aufwandsentschädigung gibt.
"Es ist halt zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel, wie man so schön sagt." Thomas Wagner (CSU), Bürgermeister
Darum hat er seinen Job bei Audi nicht aufgegeben. Eine Doppelbelastung für ihn. Er findet: Bürgermeister ist ein Vollzeitjob und erfordert eine hauptamtliche Stelle – mit entsprechender Besoldung. Doch diesen Vorschlag hatte der Gemeinderat abgelehnt. Dabei ist Bürgermeister in Bayern immer häufiger ein Hauptamt.
Anders in Tüßling: Hier soll es beim Ehrenamt bleiben. Nur so haben sich die Kandidaten überhaupt gefunden. Alle drei Bewerber wollen ihre bisherigen Tätigkeiten behalten. Bei einem Hauptamt wäre das so nicht möglich.
Brunnen: Wie geht es weiter?
Woran es auch lag – fest steht: In der Gemeinde Brunnen hat sich kein Kandidat gefunden. Bleibt Brunnen folglich ohne Bürgermeister? "Nein, die Sorge braucht keiner zu haben", gibt Hans-Peter Mayer vom Bayerischen Gemeindetag im Kontrovers-Interview Entwarnung.
Am Wahltag wird der Stimmzettel leer sein. "Jeder Bürger, der zur Wahl geht, kann einen Namen draufschreiben. Sollte ein Kandidat, eine Kandidatin, mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen haben, dann ist er oder sie gewählt. Sollte das nicht erreicht werden, braucht man vielleicht eine zweite Runde." Zum Amt gezwungen werden kann jedoch niemand: Seit einigen Jahren darf jeder ohne Angabe von Gründen ablehnen. Innerhalb von drei Monaten finden dann Neuwahlen statt. Und die können beliebig oft wiederholt werden.
"Das Landratsamt könnte im schlimmsten Fall einen Verwalter einsetzen. Es wird später ein zweiter Bürgermeister gewählt. Wir bleiben regierungsfähig", sagt Mayer. Schon jetzt steht also fest: Die Kommunalwahlen am 8. März werden spannend – nicht nur in Brunnen.
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