Der Starnberger Bahnhof liegt wie ein Riegel zwischen Stadt und See
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Der Starnberger Bahnhof liegt zwischen Seepromenade und der Stadt
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Keine Sicht auf den See: Aus für den Bahnhof Starnberg?

Keine Sicht auf den See: Aus für den Bahnhof Starnberg?

Der Starnberger Bahnhof ist Fluch und Segen zugleich: Die Haltestelle schneidet die Stadt vom See ab. Doch für Tagesausflügler aus München bietet er einen schnellen Zugang zu diesem. Die Stadt steht vor der Frage: Sanieren oder lieber abreißen?

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

Die unendliche Debatte um den Starnberger Bahnhof ist um eine Variante reicher. "Warum geben wir den Bahnhof nicht gleich ganz auf", fragt Architekt Marco Goetz, der den neu einberufenen Seeanbindungsbeirat der Stadt Starnberg leitet. Schon die Tatsache, dass es überhaupt einen Seeanbindungsbeirat gibt, macht die Ausmaße des Dilemmas deutlich.

Bahnhofsgebäude hat ausgedient

Zwischen Starnberg und dem See liegt der Bahnhof. Die vier Gleise versperren den Blick auf den See. Wer zur Uferpromenade möchte, muss durch eine dunkle Unterführung. An schönen Tagen schieben sich hier die Tagesausflügler zum See, wochentags hasten die Pendler von und zu den Bahnsteigen.

Das historische Bahnhofsgebäude hat schon seit Jahrzehnten ausgedient. Die Stadt hat immer noch keine gute Verwendung dafür gefunden. Die Straße vor dem Bahnhof ist geprägt von hektischem Verkehr, Bussen, Autos, Fahrrädern. Darunter leidet die Aufenthaltsqualität in der Mitte der Stadt. Der Befund ist eindeutig.

Braucht Starnberg wirklich zwei Bahnhöfe?

Während die Diskussion über den Bahnhof am See seit Jahrzehnten zwischen dem unbezahlbaren Traum von einem unterirdischen Bahnhof und einer Vogel-Strauß-Politik mäandert, steht nur 1,5 Kilometer weiter nördlich der 2001 neu gebaute Bahnhof Starnberg Nord. Dort halten zwar bislang nur S-Bahn-Züge, aber künftig sollen dort auch Regionalzüge Richtung Weilheim und Garmisch-Partenkirchen halten. Deswegen fragt Seeanbindungsbeirat Goetz: "Braucht eine Stadt wie Starnberg wirklich zwei Bahnhöfe? Andere Ort in vergleichbarer Größe haben nur einen. Während Starnberg seine naturgegebenen Vorzüge, nämlich See und Alpenpanorama, nicht wirklich ausschöpft."

Mit der Idee, den Haltepunkt am See aufzugeben, will der Architekt Denkanstöße geben. Die Vorteile: Die Bahn müsste sich nur um einen Haltepunkt kümmern. Die zahlreichen Buslinien müssten nur den Bahnhof Nord mit einem relativ großzügigen Vorplatz ansteuern, die Innenstadt wäre entlastet.

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Der alteingesessene Starnberger Architekt Marco Goetz will den Bahnhof am See aufgeben.

Enorme Kosten für alle Planungsvorhaben

Seitdem die Idee im Stadtrat vorgestellt wurde, ist die Aufregung groß. Starnbergs zweite Bürgermeisterin, Angelika Kammerl, weiß um die Kontroversen. Sie will endlich mehr Aufenthaltsqualität in Starnbergs Mitte bringen. Wenn der Haltepunkt am See wegkäme, könnte der Gleiskörper schlanker werden, neue Flächen für die Stadtentwicklung würden frei. Auch die Fußgängerunterführungen würden so kürzer werden. Notwendig bleiben die Unterführungen, weil zwei Durchfahrtsgleise Richtung Tutzing auf jeden Fall bestehen bleiben werden.

Die Kosten für die Neugestaltung sind enorm. Offiziell setzt der Stadtrat derzeit auf die Planungsvariante 7e, die kurz gesagt zwar den Haltepunkt am See erhalten will, aber den Gleiskörper deutlich verschlanken würde und das gesamte Umfeld des Bahnhofs neu gestalten würde. Die geschätzten Kosten: 180 Millionen Euro. Würde der Bahnhof am See ganz aufgegeben, wären die Umbaukosten durchaus vergleichbar. Allerdings stünden dann mehr Flächen zur Verfügung, die man gewinnbringend für den Wohnungsbau zur Verfügung stellen könnte.

Tagesausflügler aus München profitieren vom Bahnhof

In jedem Fall soll bald eine Entscheidung fallen. Die Bahn muss am See neue Oberleitungen bauen, die Bahnsteige behindertengerecht ausgebaut und die ganze Anlage dringend saniert werden. Die Pläne liegen in den Schubladen, aber die Finanzierung durch Bund und Land lässt auf sich warten. Ob da der radikale Vorschlag hilft, den Bahnhof ganz aufzugeben?

Der Fahrgastverband Pro Bahn ist der Meinung, das passe überhaupt nicht in die Zeit. Das bayerische Verkehrsministerium kann der Idee auch nichts abgewinnen. Auch die meisten Tagesausflügler aus München reagieren entsetzt, wenn man sie danach fragt. Für sie sind die Wege zum See dank des nahegelegenen Bahnhofs angenehm kurz.

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