Der Tresenbereich im City Club. Hier sollen Drogen konsumiert worden sein.
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Koks bis LSD: Was bei der Club-Razzia in Augsburg gefunden wurde

Koks bis LSD: Was bei der Club-Razzia in Augsburg gefunden wurde

Verstörte Clubbesucher, empörte Politiker und ein Großaufgebot an Polizisten: Die Drogen-Razzia im Augsburger "City Club" hat Schlagzeilen gemacht. Nun zeigt sich, welche Drogen in welchen Mengen gefunden wurden - pikante Details inklusive.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Schwaben am .

Im Augsburger City Club soll es einen ganz speziellen Platz gegeben haben, um ungestört Drogen konsumieren zu können: Eine von der Decke hängende Stahl-Kapsel, erreichbar nur über eine Leiter, "Konsum-Ufo" genannt. So schildern es jedenfalls Ermittler dem BR.

Wobei man es laut Polizei mit der Vertraulichkeit nicht allzu ernst genommen haben soll: Über einen längeren Zeitraum hinweg hätten zivile Ermittler offenen und beständigen Drogen-Konsum in dem Club beobachtet. Mehrere Male sei zum Teil "direkt von der Theke Kokain geschnupft" worden. Vor allem bei Rave-Veranstaltungen habe man Konsum beobachtet. Deshalb sei der Zugriff auch beim Day-Rave an diesem Wochenende erfolgt.

Feinwaage hinter dem Tresen

Gefunden wurden dabei rund 170 Gramm Drogen, so die Augsburger Polizei – im Club selber, aber auch in Bereichen, die für Besucher nicht zugänglich gewesen seien. Bei den 170 Gramm gehe es nur um Drogen wie Kokain, LSD, Ketamin oder Amphetamin, nicht um Cannabis. Allein auf dem Boden des Lokals seien rund 50 weggeworfene Päckchen an diversen Drogen aufgefunden worden.

Sichergestellt wurde auch ein Fläschchen "Liquid Ecstasy", eine Partydroge, die als KO-Tropfen verwendet werden könne. Etliche Drogen seien für den Konsum mitgeführt worden, einige dem Vernehmen nach aber auch, um sie zu verkaufen. Beispielsweise sei hinter eine Theke eine Feinwaage gefunden worden.

"Bei einem Rave sind 170 Gramm Drogen nicht viel"

Die gefunden Menge ist aus Sicht der Ermittler "außergewöhnlich viel, zumal in einer öffentlichen Gaststätte inmitten der Stadt, wo untertags auch Jugendliche verkehren". Aus Sicht von Szenekennern und Streetworkerinnen ist die Menge jedoch nicht viel. "Bei 17 Kilo würde ich sagen, da hat jemand im großen Stil verkauft, aber nicht bei 170 Gramm bei einem Rave. Zumal es hier wohl vor allem um den Eigenbedarf ging", so eine Streetworkerin. "Die Raves, wo wirklich viel konsumiert wird, sind eher Großveranstaltungen, die teils auf dem Land stattfinden."

Man müsse als Gesellschaft anerkennen, dass Drogen konsumiert werden, sagt die Streetworkerin - und zwar quer durch alle Gesellschaftsschichten. Hinzu komme, dass derzeit "unglaublich viel Kokain auf dem Markt ist", der Markt werde mit bezahlbarem Stoff "nahezu überschwemmt".

63 Ermittlungsverfahren eingeleitet

Inzwischen seien 63 Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, so die Polizei. In 21 Fällen seien der Polizei Verdächtige bekannt, in den restlichen 42 Fällen werde noch ermittelt. Für Martina Sulzberger, Anwältin des City Club-Geschäftsführers, sprächen die 63 Verdachtsfälle ebenfalls für Eigenkonsum, und nicht für einen Drogenhandel, der ihrem Mandanten vorgeworfen wird.

Falsch sei auch die Behauptung der Polizei, dass mehrfach teils direkt vom Tresen Kokain geschnupft worden sei. "Das widerspricht ihrem eigenen Ermittlungsergebnis aus der mir vorliegenden Akte. Es gab über den gesamten Zeitraum von über einem Jahr nur eine einzige Beobachtung bei einem Aufklärungseinsatz, als ein Gast Kokain von dem Garderobentresen konsumiert haben soll. Wäre dies meinem Mandanten oder Mitarbeitern aufgefallen, wäre der Gast sofort aus dem Club geschmissen worden", so die Anwältin. Den Zugang zum sogenannten "Konsum-Ufo" habe der Club im Dezember 2025 abgebaut und das Ufo geschlossen.

Scharfe Kritik an der Polizei

Gerade was die Durchsuchungen der Besucher anbelangt, hatten die Betreiber des City Clubs, Gäste, Kulturschaffende und Politikerinnen scharfe Kritik an der Polizisten geäußert. Viele Gäste hätte die Aktion verstört, Besucher hätten von entwürdigenden Situationen berichtet.

Sämtliche Besucher wurden demnach einzeln kontrolliert und mussten sich teils bis auf die Unterwäsche ausziehen. "Ich hatte Angst", berichtet eine Besucherin. Sie habe den Pulli hochziehen müssen, ihrer Freundin sei mit einer Taschenlampe in Anus und Vagina geleuchtet worden. "Die Unterwäsche ist einfach oft ein Drogenversteck", so Vize-Polizeipräsident Michael Riederer. Man nehme es auch sehr ernst, dass manche Gäste sich ungerecht behandelt fühlten. "Wir werden jedem Hinweis und jeder Beschwerde nachgehen."

Der Fall einer Frau, die nach Schilderungen im Netz von mehreren Beamten gewaltsam auf dem Boden gedrückt worden sei, und dabei mit dem Kopf aufgeschlagen worden sei, habe man bereits an die interne Ermittlung zur Prüfung weitergeleitet.

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