Die Kommunalwahl hat in Oberfranken für einige Überraschungen gesorgt. Nicht nur straften die Wählerinnen und Wähler einige amtierende Oberbürgermeister ordentlich ab. Sie wählten auch einen OB gänzlich ab und setzten dafür einen 27-Jährigen ins Landratsamt. Außerdem wählten sie TV-Koch Alexander Herrmann in den Kulmbacher Kreisrat.
- Zum Artikel: Stichwahl in sechs von neun Städten in Oberfranken
Kaum Amtsbonus für Amtsinhaber
In Oberfranken haben die Wählerinnen und Wähler einigen Politikern ihren Amtsbonus vorenthalten. Bei Frank Rebhan (SPD), dem Oberbürgermeister von Neustadt bei Coburg, haben sich die Wahlstimmen mehr als halbiert. Er ist von 72,8 Prozent bei der Wahl 2020 auf 33,5 Prozent gerutscht und muss nun mit Dominik Heike (CSU) in die Stichwahl. Dabei ist Rebhan der dienstälteste amtierende Oberbürgermeister in Deutschland.
Auch der Forchheimer Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) musste am Sonntag ordentlich Wahlstimmen lassen und rutschte mit 28,6 Prozent hinter Martina Hebendanz (CSU). Hebendanz ist Geschäftsführerin einer Brauerei und will als erste Frau Oberbürgermeisterin in Forchheim werden. Für die beiden verlängert sich der Wahlkampf ebenfalls um zwei Wochen.
Kulmbacher OB abgewählt
Der Kulmbacher Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) wurde sogar abgewählt. Er hat es mit 21 Prozent hinter den Kollegen aus CSU und FW mit jeweils gut 33 Prozent nur auf Platz drei geschafft und schafft es somit nicht in die Stichwahl. Gegenüber der Frankenpost erklärte Lehmann: "Das Leben geht weiter" [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt].
In Bamberg hat der selbsternannte "Underdog" Jonas Glüsenkamp (Grüne) die ehemalige Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) ausgestochen. Glüsenkamp tritt in der Stichwahl gegen Sebastian Niedermaier von der SPD an.
Zurücklehnen kann sich hingegen der bisherige Coburger Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD). Er wurde mit 51,8 Prozent der Stimmen wiedergewählt. "Das ist so ein großer Vertrauensbeweis meiner Heimatstadt, das ist eine Sensation", sagte Sauerteig.
Junges Alter als Chance im Landkreis Kulmbach?
Mit dem Ausgang der Landratswahl in Kulmbach hatten wohl die wenigsten gerechnet. Jonas Gleich (CSU) ist mit 51,2 Prozent der Stimmen zum neuen Landrat gewählt worden. Er hatte drei Gegenkandidaten, deswegen war eine Stichwahl wahrscheinlich. Klaus Peter Söllner (FW), der seit 1996 Kulmbachs Landrat war, hatte nach 30 Amtsjahren nicht mehr kandidiert. Er sagte im Gespräch mit dem BR, dass sein Landkreis gut dastehe und es – egal mit welcher Partei – schon weitergehen werde. Er hatte den Wahlabend im Landratsamt verfolgt und war dann nach Stadtsteinach zur Wahlparty seines Nachfolgers aufgebrochen, um zu gratulieren. Gleich vermutete: "Vielleicht haben viele Menschen erkannt, dass das Alter kein Problem sein muss, sondern eine große Chance sein kann. Und das will ich jetzt beweisen." Ab dem 1. Mai 2026 ist er der jüngste Landrat Bayerns, bestätigt die Sprecherin des Bayerischen Landkreistages.
TV-Koch im Kulmbacher Kreisrat
In Kulmbach haben die Wählerinnen und Wähler TV-Koch Alexander Herrmann in den Kreisrat gewählt. Nach dem vorläufigen Ergebnis zieht der Gastronom aus Wirsberg für die CSU ein. Er hatte auf dem 50. und letzten Listenplatz kandidiert.
Vor einigen Monaten hatte Herrmann erklärt, dass er vom oberfränkischen Bezirkstagspräsidenten Henry Schramm (CSU) gefragt worden sei, ob er antreten möchte. "Wir kennen uns schon seit vielen Jahren und ich habe sofort Ja gesagt." Er wolle jedoch nicht "in die große Politik einsteigen", sondern "den regionalen Austausch noch mehr intensivieren". Dafür sei die "konservative Mitte" der richtige Ort, hatte der 54-Jährige betont.
Wahlbeteiligung in oberfränkischen Landkreisen gestiegen
In den Landkreisen in Oberfranken haben mit 71,1 Prozent Beteiligung in diesem Jahr deutlich mehr Stimmberechtigte gewählt als bei der Kommunalwahl 2020. Damals lag die Wahlbeteiligung bei 63,5 Prozent. In den sieben Landkreisen stach dabei besonders der Landkreis Coburg hervor. Dort haben mit 67,6 Prozent gut ein Viertel mehr Wahlberechtigte ihre Stimme abgegeben als bei der Wahl zuvor. In sämtlichen Landkreisen ist die Beteiligung gestiegen.
Bei den Oberbürgermeisterwahlen in den oberfränkischen Städten ist die Wahlbeteiligung hingegen mit 60,8 Prozent nahezu gleich geblieben. Bei der Wahl vor sechs Jahren lag sie bei 60,4 Prozent.
Mit Informationen von dpa
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