Die Stimmung ist gut beim Helfer-Essen in einer Kulmbacher Gaststätte. Noch kurz stärken, bevor es hinaus in die Kälte einer Januarnacht geht: Wahlplakate aufhängen. Etwa 30 junge Leute von der Jungen Union freuen sich auf den Wahlkampfauftakt. Sie treten erstmals mit einer eigenen Liste zur Kommunalwahl an. Wollen in den Kulmbacher Stadtrat sowie den Kreistag einziehen.
"Jeweils drei Sitze wären toll, dann hätten wir Fraktionsstatus in den Gremien", erklärt Frederik Barth, der Kreisvorsitzende. Zum Wahlkampfauftakt sind die beiden CSU-Spitzenkandidaten für die Oberbürgermeister- sowie die Landratswahl gekommen. Sie bestärken die JU auf ihrem neuen Weg und bedanken sich für die Unterstützung. Hoffen auf eine künftige enge Zusammenarbeit.
Junge Union spricht die Sprache der Jugend
Dass CSU und Junge Union mit jeweils eigenen Listen antreten, ist ein Trend, der sich immer mehr verstärkt. Über 100 JU-Listen sind in Bayern zur Wahl zugelassen. Doppelt so viele wie bei der letzten Kommunalwahl im Jahr 2020. Am Anfang gab es durchaus Bedenken, erzählt der Kulmbacher CSU-Kreisvorsitzende Henry Schramm. Die JU könne der CSU Stimmen abnehmen. Außerdem würden der CSU so die jungen Leute auf ihrer Liste fehlen.
Doch für Schramm überwiegen die positiven Aspekte. Junge Menschen engagieren sich politisch, setzen sich für ihre Anliegen ein, verjüngen die kommunalen Gremien, sprechen eine junge Wählerschaft an, stärken so die Demokratie und könnten später gar in die CSU eintreten. Kurzum: frischer Wind in Stadt-, Kreis- und Gemeinderäten.
Das bestätigt auch Michael Weigl, der an der Uni Passau zu Parteien forscht: "Die CSU hat ein Problem, die jungen Leute zu erreichen. Die Junge Union ist da näher dran. Spricht die Sprache der Jungen und schafft Aufmerksamkeit für deren Themen."
Kommunalwahl 2026: Gegen die Überalterung in den Kommunalparlamenten
Frischen Wind will auch die Kulmbacher JU in die Kommunalparlamente bringen. So steht es auf ihren Wahlplakaten, die sie in Stadt und Landkreis aufhängen. Digitalisierung, Mobilität, Politik für junge Familien, Bürgerbeteiligung sind solche Stichworte. Sie seien ein Querschnitt der Bevölkerung, zählt JU-Kreisvorsitzender Frederik Barth auf: vom Maurer über die Hebamme und den Landwirt bis zum Selbstständigen.
Nun müssen sie die jungen Wählerinnen und Wähler überzeugen. Plakate allein reichen nicht, meint Barth, sondern sie müssen die Menschen treffen, mit ihnen reden. Auch im Haustürwahlkampf. Ihr Engagement sorge wohl für Interesse, ergänzt Torsten Grampp: "Wir werden von vielen Jugendlichen angesprochen: 'Was macht ihr da?' Das freut mich, dass dann welche mitmachen wollen und wir so Politikverdrossene wieder zurückholen."
JU: "Auch mal gegen die Mutterpartei CSU aufbegehren"
Sollten sie Erfolg haben, wollen sie nicht der verlängerte Arm der CSU sein, erklärt Frederik Barth. Die JU will mit allen demokratischen Parteien konstruktiv zusammenarbeiten. Natürlich würden sie einen CSU-Landrat oder Oberbürgermeister unterstützen, aber sie würden bei wichtigen Anliegen auch in Opposition gehen. So wie es die Junge Gruppe der Union im Bundestag bei der Diskussion um die Rentenpolitik Ende 2025 vorgemacht hat.
Dazu kommt, dass die JU, wenn sie gewählt wird, auch eine demokratische Legitimation hat. Diese dürfte ihr dann das nötige Selbstbewusstsein verleihen, auch mal gegen die Mutterpartei aufzubegehren, meint Politikwissenschaftler Michael Weigl. Im Umkehrschluss mache das auch eine Vereinnahmung der JU durch die CSU schwieriger.
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