Über 100 Menschen haben sich laut Polizeiangaben am Samstagnachmittag in Nürnberg auf dem Kornmarkt versammelt. Einige von ihnen halten Plakate mit Bildern von jungen Männern hoch. Diese sind bei den aktuellen Protesten im Iran ums Leben gekommen, sagt Nina Afschari. Sie ist Vorsitzende des Vereins "Woman Life Freedom Nürnberg und Erlangen", der sich 2022 gegründet hat.
Sie hoffe – wie viele auf der Demonstration –, dass das Regime im Iran gestürzt werde, erzählt sie. Große Sorge habe sie um Freunde und Verwandte, denn seit zwei Tagen gibt es in ihrer alten Heimat eine Internetsperre, nur wenige Informationen dringen nach draußen.
Sorge vor vielen Toten
"Was kriegen wir nicht mit, das ist die Frage!", sagt Nina Afschari. Die Lage im Iran sei tragisch, sagt sie. Die Angst, dass viele Menschen bei den landesweiten Protesten gegen die Regierung im Land ihr Leben verlieren, scheint nicht unberechtigt. Schon vor der Internetsperre gab es Informationen über getötete Demonstranten.
Auch jetzt gebe es noch vereinzelt Informationen aus Krankenhäusern, deren Internet noch zu funktionieren scheint. Von zahlreichen Verletzten und über 500 Toten sei die Rede, erzählt Nina Afschari. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Informationen aktuell nicht.
Auch Shoreh Bijangi ist in Sorge um ihre Verwandten. Am Mittwoch habe sie zuletzt am Vormittag mit ihrer Schwester in Teheran telefoniert, am Abend war dann das Internet abgeschaltet. Seitdem habe sie nichts mehr von ihrer Schwester gehört, sagt sie.
Größte Proteste seit Jahrzehnten
Die Proteste im Iran seien die größten seit Jahrzehnten und seit der "Woman Life Freedom Bewegung" in den Jahren 2022/2023, erzählt Nina Afschari. Schon damals waren Menschen landesweit nach dem Tod der jungen kurdischstämmigen Iranerin Jina Mahsa Amini auf die Straße gegangen. Weltweit solidarisierten sich Tausende und protestierten gegen das Mullah-Regime.
Jetzt seien es die schlechte wirtschaftliche Lage, Inflation und Armut, die die Menschen im Iran auf die Straße treiben, sagt Afschari. Auch die Mittelschicht im Land sei von der miserablen Lage betroffen.
Regime mit Härte
Wie auch bei den vergangenen Protesten in den Jahren 2022/2023 reagiere das Regime mit großer Härte und Brutalität. Nina Afschari berichtet von Freunden und Verwandten, die ihr vor der Internetsperre erzählten, dass Sicherheitskräfte mit scharfer Munition auf die Menschen geschossen hätten. Ähnliches berichten andere Protestierende auf der Demo in Nürnberg.
Hoffnung auf einen Neuanfang
Die Hoffnung, dass das Regime im Iran nun gestürzt werden könne, ist bei einigen trotzdem groß. Anonym berichten sie, dass sie bereits mit dem Gedanken spielten, wieder in den Iran zu gehen, falls der Umbruch kommt.
Doch ob dieser tatsächlich passiert, ist ungewiss. Nina Afschari sagt: "Wir müssen am Ball bleiben, wir haben keine andere Wahl, dieses Regime muss abgeschafft werden, damit die Menschen dort auch ihr Land mit Würde und Freiheit gestalten können. Das haben sie sich verdient."
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