Iran, Teheran: Demonstranten demonstrieren gegen die schlechten wirtschaftlichen Bedingungen in Teheran. (29.12.2025)
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Proteste im Iran eskalieren – Berichte über Tote

Proteste im Iran eskalieren – Berichte über Tote

Am Donnerstagabend erlebte der Iran die größten Demonstrationen seit Beginn der aktuellen Protestwelle. Das Internet ist seit Stunden abgeschaltet, es gibt Berichte über Tote. US-Präsident Trump warnt Irans Führung – und droht mit Konsequenzen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 im Radio am .

Im Iran sind Proteste gegen die wirtschaftliche Lage und das Regime eskaliert. Es mehren sich Berichte über zahlreiche Tote, nachdem Sicherheitskräfte am Donnerstag das Feuer auf Demonstrierende eröffnet haben sollen. Unverifizierte Videos in sozialen Netzwerken zeigen blutüberströmte junge Menschen nach einer Kundgebung auf dem Boden eines Gebäudes in einem Vorort nahe der Hauptstadt Teheran. In Irans staatlichen Medien heißt es, hinter den Ausschreitungen steckten terroristische Agenten der USA und Israels. Die Demonstrationen am Donnerstagabend waren die bisher größten in der seit Ende Dezember andauernden Protestwelle.

Auf Internetvideos sind große Menschenansammlungen sowie brennende Barrikaden und Container zu sehen. Straßen in der Hauptstadt Teheran und in anderen Gebieten waren demnach mit Trümmern übersät. Eine US‑amerikanische Beobachtergruppe spricht von fast 160 Demonstrationen in 27 Provinzen. Überprüfen lassen sich die Berichte nicht. Die iranischen Behörden haben das Internet und Telefonverbindungen gekappt. Augenzeugen berichten aber von großen Demonstrationen und einem massiven Polizeiaufgebot.

Proteste haben Ende Dezember begonnen

Es soll auch viel Tränengas eingesetzt worden sein. Die Demonstrierenden skandierten "Tod dem Diktator" und meinen den obersten religiösen Führer im Iran, Ali Chamenei. Auch der Name von Schah Reza wurde gerufen, dessen Sohn Reza II. lebt im US‑amerikanischen Exil. Er hatte zu den gestrigen Demonstrationen aufgerufen.

Damit eskalieren offenbar die Proteste weiter, die Ende Dezember begonnen hatten und sich seither immer weiter verstärkt haben. Anfangs richtete sich die Kritik gegen Folgen der Wirtschaftskrise, die sich unter anderem am Absturz des Kurses der Landeswährung Rial gegenüber dem Dollar zeigt. Bei den Protesten wurden aber auch zunehmend Rufe gegen die theokratische Führung des Landes laut.

Chamenei wirft Demonstranten Handeln im Interesse der USA vor

Inzwischen hat sich das geistliche Oberhaupt des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, geäußert und die Proteste kritisiert. Die Demonstranten ruinierten ihr Land, "um den Präsidenten eines anderen Landes glücklich zu machen", sagte Chamenei in einer am Freitag überraschend im Fernsehen ausgestrahlten Ansprache. Damit spielte er offensichtlich auf US-Präsident Donald Trump an. Zuhörer riefen: "Tod für Amerika!"

Im Video: Iran - Proteste weiten sich aus

Seit 14 Tagen rollt eine Protestwelle durch den Iran
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Proteste im Iran

Test für den Sohn des Schahs

Die Proteste gelten vielen Beobachtern auch als Test dafür, wie groß der Rückhalt Reza Pahlavis im Iran ist. Der Sohn des früheren Schahs hatte erklärt, er werde je nach Reaktion auf seinen Aufruf weitere Pläne vorlegen. "Was den Ausschlag für die Proteste gab, war der Aufruf des ehemaligen Kronprinzen Reza Pahlavi, am Donnerstag und Freitag um 20 Uhr auf die Straße zu gehen", sagte Holly Dagres, Senior Fellow am Washington Institute for Near East Policy. "Anhand der Beiträge in den sozialen Medien wurde deutlich, dass die Iraner den Aufruf zum Protest für den Sturz der Islamischen Republik ernst genommen haben."

Pahlavi rief die europäischen Staats- und Regierungschefs auf, sich dem Versprechen von US-Präsident Donald Trump anzuschließen, "das Regime zur Rechenschaft zu ziehen". Und weiter: "Lassen Sie nicht zu, dass die Stimmen meiner mutigen Landsleute zum Schweigen gebracht werden."

Trump wiederholt Warnung an Teheran

US-Präsident Trump hatte die iranische Führung gewarnt: Sollte der Staat "friedliche Demonstranten" töten, würden die USA diese retten. In einem am Donnerstag (Ortszeit) ausgestrahlten Interview mit dem Talkmaster Hugh Hewitt wiederholte er seine Ansage. Dem Iran sei "sehr deutlich gesagt worden, (...) dass sie höllisch bezahlen müssen, wenn sie das tun", sagte Trump.

Auf die Frage, ob er sich mit Pahlavi treffen würde, winkte Trump ab. "Ich bin mir nicht sicher, ob es zu diesem Zeitpunkt angemessen wäre, dies als Präsident zu tun", sagte er.

In einem Interview mit Sean Hannity, das auf Fox News ausgestrahlt wurde, deutete Trump sogar an, dass der 86-jährige Oberste Führer Ajatollah Ali Chamenei möglicherweise versuchen könnte, den Iran zu verlassen. "Er möchte irgendwohin gehen", sagte Trump. "Das wird sehr schlimm."

Mit Informationen von dpa, AP und Reuters

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