Giftnotruf der TUM im Klinikum Rechts der Isar: Eine Kreuzotter im Glas
Giftnotruf der TUM im Klinikum Rechts der Isar: Eine Kreuzotter im Glas
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Das TUM Klinikum Rechts der Isar in München ist die zentrale Anlaufstelle für Vergiftungsfälle in Bayern.
Bildrechte: picture alliance / SZ Photo | Florian Peljak
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Das TUM Klinikum Rechts der Isar in München ist die zentrale Anlaufstelle für Vergiftungsfälle in Bayern.

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Kreuzotterbiss: So arbeitet Bayerns Gegengiftzentrale in München

Kreuzotterbiss: So arbeitet Bayerns Gegengiftzentrale in München

In Deggendorf ist ein Kind nach einem Kreuzotterbiss erfolgreich behandelt worden - mit einem Gegengift aus dem Klinikum Rechts der Isar in München. Die Uniklinik ist die zentrale Anlaufstelle für Vergiftungen in Bayern. Das rät der Gift-Experte.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Oberbayern am .

Ein Kind in Niederbayern ist von einer Kreuzotter gebissen worden und kam mit einer schweren Vergiftung ins Krankenhaus. Schnell musste ein Gegengift her - und das kam per Rettungshubschrauber vom Münchner TUM Klinikum Rechts der Isar ins Donauisar Klinikum Deggendorf. Immer wieder benötigen Menschen in Bayern ein Schlangen-Gegengift. Im Fall der Kreuzotter ist das TUM Klinikum bayernweit das einzige Krankenhaus, das ein Antiserum lagert.

Klinikum Rechts der Isar als zentrale Anlaufstelle

In einem medizinischen Kühlschrank am Klinikum Rechts der Isar in München lagern derzeit fünf Ampullen des Kreuzotter-Antiserums. Die Temperatur im Inneren muss konstant zwischen fünf und sechs Grad liegen. Wird es wärmer, löst der Kühlschrank einen Alarm aus. Zahlreiche Gegengifte, die permanent gekühlt werden müssen, sind hier untergebracht. Mit ihrer Abteilung für Klinische Toxikologie und dem Giftnotruf München ist die Uniklinik die zentrale Anlaufstelle für Vergiftungsfälle in Bayern - etwa durch Medikamente, Drogen, Pflanzen oder Tiere.

Vorrätiges Kreuzotter-Antiserum reicht für fünf Patienten

Die aktuell vorrätigen Ampullen reichen für fünf Patienten aus, erklärt Dr. Raphael Stich. Er ist geschäftsführender Oberarzt und Facharzt für Innere Medizin Klinischer Toxikologie. "Wenn wir merken, dass ein Kreuzotter-Jahr ist - das ist immer auch wetterabhängig, je nachdem wieviel die Menschen in der Natur unterwegs sind - dann bestellen wir etwas mehr." Das gehe aber nur mit langem Vorlauf.

Ob die vorrätige Menge wirklich ausreicht, kann Raphael Stich nicht mit Sicherheit sagen. In regenreichen Jahren habe man nur ein oder zwei Betroffene mit Kreuzotterbiss, in Hochphasen seien es schon mal bis zu acht Patientinnen und Patienten. Die Uniklinik bekomme keine Finanzierung für das Gegengift und bezahle es aus dem eigenen Budget. Eine Ampulle kostet zwischen 300 und 1.200 Euro, sagt der Toxikologe. "Wenn wir viel mehr lagern würden, würden die Ampullen verfallen und wir müssten sie wegschmeißen." Das Antiserum sei nur etwa ein Jahr haltbar.

Produktion von Gegengift aufwendig und teuer

Die Produktion von Schlangen-Antivenin ist aufwendig und unterliegt strengen Qualitätsstandards. Produziert werde das Gegengift im Ausland, sagt Raphael Stich. Da vergleichsweise wenige Patienten behandelt werden müssen, stellen nicht viele Firmen ein solches Antiserum her. In Deutschland gebe es keine eigene Produktion. "Das ist noch recht altertümlich", erklärt Stich. Meistens würden Pferde oder Schafe mit einer geringen, ungefährlichen Menge des Schlangengiftes geimpft. Die Tiere nähmen zwar keinen Schaden, doch ihr Immunsystem reagiere darauf und bilde Antikörper. Diese würden dann aus dem Blut der Tiere isoliert, gereinigt und zu einem Gegengift verarbeitet.

Kreuzotterbiss: Rettungsdienst rufen, nicht bewegen

Wer von einer Kreuzotter gebissen wird, sollte den Rettungsdienst rufen, ruhig bleiben und sich nicht mehr bewegen. "Auch wenn man gerade auf der Zugspitze oder im Höllenklammtal unterwegs ist, das ist ganz egal. Der Rückweg endet sowieso irgendwann, weil man dann schlicht und ergreifend wegen der Schmerzen nicht mehr weitergehen kann", erklärt Raphael Stich. Denn das Gift der Kreuzotter wirke vor allem lokal und führe zu einer extrem starken Schwellung. "Je mehr man sich bewegt, desto schlimmer wird es", so der Toxikologe. Nur bei schweren Fällen sei ein Gegengift notwendig, etwa wenn die betroffene Person Vorerkrankungen hat oder noch ein Kind ist, wie in dem Deggendorfer Fall.

Giftnotruf: Anlaufstelle für Rettungsdienste und Privatpersonen

Der Rettungsdienst kontaktiert dann die vom Freistaat Bayern beauftragte Giftnotrufzentrale am TUM Klinikum in München [externer Link]. Rund um die Uhr beantworten Expertinnen und Experten Anfragen zu akuten und chronischen Vergiftungen. Auch Privatpersonen können sich hier melden. Die Experten sprechen eine Behandlungsempfehlung aus und entscheiden nach Rücksprache mit dem Krankenhaus, in das die betroffene Person gebracht wird, ob ein Gegengift benötigt wird. In vielen Fällen kommen die Patienten zur Verabreichung nach München. Wenn das aber nicht geht, wird das Gegengift per Hubschrauber zum Patienten geflogen. Dem Kind im Deggendorfer Klinikum konnte auf diese Weise schnell geholfen werden.

Hinweis der Redaktion: In einer vorherigen Version des Artikels wurde geschrieben, dass auch in Garmisch-Partenkirchen eine geringe Menge des Kreuzotter-Gegengiftes vorrätig ist, was nicht korrekt ist.

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