In den vergangenen Wochen war die Lawinensituation in den Alpen gefährlich: Einige Menschen starben in den Schneemassen, Straßen wurden verschüttet, Lifte und Pisten waren zeitweise gesperrt. Damit Wintersportler die Lawinengefahr besser einschätzen können, gibt es eine fünfstufige Skala. Von Stufe 1 (geringe Lawinengefahr) bis Stufe 5 (sehr große Lawinengefahr). Die Beschreibung der Gefahrenstufen hat sich seit ihrer Einführung vor mehr als 30 Jahren kaum geändert. Bis jetzt.
Warum Warnstufe 3 besonders heikel ist
Stufe 3 ist diejenige, bei der die meisten tödlichen Unfälle passieren. Das bestätigt Christoph Hummel von der Bayerischen Lawinenwarnzentrale. Oft herrscht Stufe 3, wenn es mit Neuschnee und gutem Wetter für Wintersportler besonders interessant wird. "Das zieht die Leute raus und gleichzeitig unterschätzen sie die Gefahr, weil Gefahrenstufe 3 erhebliche Lawinengefahr bedeutet", sagt Hummel. Da müsse man die Gefahrenstellen erkennen und meiden können. Wer das nicht kann, solle nicht ins freie Gelände gehen.
Lawinenwarndienste wollen Skala verständlicher machen
Die europäischen Lawinenwarndienste wollen die Skala jetzt verständlicher machen und haben dazu eine Online-Umfrage [externer Link] gestartet.
Mitmachen kann jeder, egal ob Anfänger oder Lawinenexperte. Die Sprache soll klarer werden – weg von technischen Begriffen, hin zu Beschreibungen, die man intuitiv versteht. Auch ohne viel Vorwissen soll sofort klar sein: Je höher die Stufe, desto größer die Gefahr. Die Einteilung in fünf Stufen soll allerdings bleiben, betont Christoph Hummel von der Lawinenwarnzentrale, aber: "Es wird deutlicher hervorgehen, dass Gefahrenstufe 5 nichts ist, was ein Skitourist überhaupt noch verstehen muss, weil da bleibt er zu Hause". Bei Stufe 5 geht es um Katastrophenschutz, etwa Straßensperrungen oder den Schutz ganzer Talschaften. "Dadurch wird auch klar, dass Gefahrenstufe 3 nicht irgendwas in der Mitte ist, sondern Gefahrenstufe 3 ist auf alle Fälle für den Skitourengeher auf der gefährlichen Seite", betont Hummel.
Ab Stufe 3 nur mit viel Fachwissen ins Gelände
Wer bei Warnstufe 3 oder 4 ins freie Gelände will, müsse sich wirklich gut auskennen, den Lawinenlagebericht gelesen und verstanden haben und im Gelände auch die Gefahrenstellen erkennen können, sagt Hummel.
Lukas Fritz vom Deutschen Alpenverein ergänzt, dass von den jüngsten Lawinenunfällen eher nicht Skitourengeher betroffen waren, sondern sich die Unfälle "hauptsächlich im pistennahen Bereich ereignet hatten".
Aufgefallen sei zudem, dass die Freerider zum Teil keine Notfallausrüstung dabei hatten, so Lukas Fritz. Da gebe es eventuell Nachholbedarf – für die Lawinenwarnzentralen, aber auch für Vereine wie den DAV, um solche Gruppen noch besser zu erreichen.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
