Seit fünf Jahrhunderten gehört die "Mainhölle" zum typischen Blick auf Bürgstadt: Kirchturm, Rathaus und dahinter die roten Buntsandsteinhänge mit Weinreben. Der Steilhang gegenüber des Ortes im unterfränkischen Landkreis Miltenberg fällt direkt zum Main hin ab und gilt als landschaftsprägend für die Region. Kurz vor der diesjährigen Weinlese kam die Nachricht, dass der traditionsreiche Weinberg geschlossen werden soll.
Weinberg als Identität für Bürgstadt
Für den Markt Bürgstadt ist das mehr als ein betriebswirtschaftlicher Vorgang. Bürgermeister Klaus Helmstetter (parteilos) spricht von einer "Katastrophe", weil die "Mainhölle" ein Stück Identität sei. Dieses Bild habe Generationen geprägt, sagt er, Bürgstadt lebe vom Weinbau – und genau dieses Ortsbild wolle man erhalten, für das Dorf und die ganze Weinbauregion.
Stiftung verweist auf Kosten und Verantwortung
Eigentümerin des Weinbergs ist die Stiftung Juliusspital in Würzburg, ein großes soziales und weinbauliches Unternehmen. Dort sei die Entscheidung zur Aufgabe des Steilhangs nicht leicht gefallen, betont Stiftungsleiter Karsten Eck. Es gebe im Weinbau ein Kosten-Erlös-Problem: Die Menschen trinken weniger Alkohol, die Mindestlöhne steigen, die Mainhölle sei fast nur von Hand zu bearbeiten und damit extrem teuer.
Kostenintensive Steillage und weite Wege nach Würzburg
Hinzu kommt die Entfernung: Für jeden Arbeitseinsatz in Bürgstadt sind die Teams aus Würzburg mehrere Stunden unterwegs. Die Trauben müssen anschließend zurück nach Würzburg gebracht werden, dort wird der Wein ausgebaut. Eck warnt, man könne diese Kosten auf Dauer nicht refinanzieren, ohne die sozialen Aufgaben der Stiftung – vom Seniorenstift bis zur Palliativversorgung und dem Hospiz – zu gefährden.
Suche nach Pächterinnen, Investoren und Idealisten
Ganz sich selbst überlassen will die Stiftung den Hang aber nicht. Weingutsleiterin Tanja Strätz betont, man wolle diese Kulturlandschaft in "gute Hände" geben, Pacht sei möglich, Verkauf ebenfalls. Ihr Appell: Es brauche ein klares Bekenntnis zur Übernahme der Arbeit – sonst müsste im Winter mit der Rodung begonnen werden.
Bürgstadt entwickelt Ideen für Weinbau und Tourismus
Knapp sieben Hektar Steillage stehen zur Diskussion. Ein örtlicher Betrieb allein kann das kaum leisten, die Kapazitäten sind auf der anderen Mainseite bereits ausgelastet. Deshalb sucht Bürgstadt nun auch überregional nach einem Weinbaubetrieb, nach Unternehmerinnen, Investoren oder Idealisten – auch eine Gemeinschaft mehrerer Teilhaber ist denkbar.
Kulturlandschaft am Untermain als Zukunftsprojekt
Bürgermeister Helmstetter will Weinbau, Landschaftserlebnis und Tourismus zusammen denken. Er kann sich Weinproben in der Sandsteinhütte, kleine Veranstaltungen am Hang und eine wiederbelebte Fähre über den Main vorstellen, die Gäste in die Weinlage bringt. Für ihn ist klar: Die "Mainhölle" ist kein beliebiger Weinberg, sondern ein Stück Heimatbild am Untermain – und vielleicht ein Zukunftsprojekt für alle, die den Wein aus der "Hölle" retten wollen.
Der steile Weinberg prägt das Bild von Bürgstadt am Main. Nun droht die "Mainhölle" gerodet zu werden – aus wirtschaftlichen Gründen.
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