Der Markt für Batteriespeicher wächst und wächst, auch in Unterfranken: Direkt neben dem Umspannwerk in Fuchsstadt bei Hammelburg im Landkreis Bad Kissingen ist ein großer Batteriespeicher geplant. Im Frühjahr sollen die Bauarbeiten beginnen, damit dort noch in diesem Jahr eine Anlage mit einer Leistung von 20 Megawatt und einer Speicherkapazität von 44 Megawattstunden entstehen kann.
Batteriespeicher als Leuchtturmprojekt in der Region
Darüber haben die Unternehmensgruppe Qair Deutschland und die Gemeinde Fuchsstadt nun informiert. Qair hat sich auf Projekte für eine nachhaltige Energieversorgung spezialisiert und will diesen Batteriespeicher zusammen mit dem Energieversorger Bayernwerk bauen. Dafür investiert das Unternehmen zwischen zehn und 15 Millionen Euro.
Es ist das erste Projekt seiner Art im Landkreis Bad Kissingen und gilt als Leuchtturmprojekt in der Region. Gebaut werden soll der Speicher mit Lithium-Ionen-Technologie auf einer Fläche von fast 4.000 Quadratmetern mit sechs Einheiten. Bis zu 4.000 Haushalte im Landkreis soll die gespeicherte Energie dann einen Tag lang mit Strom versorgen können. Das entspricht der Kapazität von knapp 1.000 Elektroautos.
Speicher soll Schwankungen bei Stromangebot ausgleichen
"Mithilfe des Batteriespeichers kann der Strom, der aus erneuerbarer Energie in ertragsreichen Zeiten erzeugt wird, zwischengespeichert und in ertragsarmen Zeiten wieder abgerufen werden", betont Fuchsstadts Bürgermeister Renè Gerner ("ZAG - Zukunft Aktiv Gestalten Fuchsstadt"). Dadurch wären Batteriespeicher eine "wertvolle und flexible Schlüsseltechnologie, um Schwankungen im Netz bzw. die Diskrepanz zwischen Stromangebot und -nachfrage auszugleichen", so Gerner.
In der Nähe von Fuchsstadt steht zudem eine der größten Photovoltaikanlagen Bayerns und ein Windpark mit drei Windrädern. Der Standort direkt am Umspannwerk sei ideal wegen der kurzen Wege, sagt Julius Ott von Qair.
Größte Anlage in Bayern im Fichtelgebirge
Der bisher größte Batteriespeicher in Unterfranken steht in Iphofen im Landkreis Kitzingen und hat eine Speicherkapazität von rund 20 Megawattstunden – also weniger als halb so viel, wie bei dem neuen Speicher in Fuchsstadt mit 44 Megawattstunden angedacht ist. Eine Megawattstunde ist die Gesamtenergie, die über einen bestimmten Zeitraum bei einer bestimmten Leistung erzeugt oder verbraucht wurde.
Die derzeit größte Anlage in Bayern steht im Fichtelgebirge. Der Batteriespeicher in Arzberg im Landkreis Wunsiedel ist seit ungefähr einem Jahr in Betrieb. Mit einer Speicherkapazität von 200 Megawattstunden hat sie fast fünf Mal so viel, wie nun in Fuchsstadt entstehen soll. Auch bei der Leistung bietet die Arzberger Anlage doppelt so viel wie zukünftig die in Fuchsstadt.
Boom bei großen Batteriespeichern
Große Batteriespeicher boomen, auch in Bayern. Bundesweit hat sich die Kapazität stationärer Stromspeicher nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW Solar) in nur fünf Jahren mehr als verfünffacht. Allein im Jahr 2025 wurden knapp 600.000 neue stationäre Batteriespeicher in Betrieb genommen.
Rund 2,4 Millionen Batteriespeicher sind aktuell insgesamt in Deutschland in Betrieb. Diese sind meist in Kombination mit einer Photovoltaikanlage installiert, um den selbst erzeugten Solarstrom rund um die Uhr nutzen zu können.
Bundesverband Solarwirtschaft: Speicherkapazität weiter ausbauen
Die Gesamtspeicherkapazität reicht laut BSW Solar damit zumindest rechnerisch aus, um den durchschnittlichen privaten Tagesstromverbrauch von über drei Millionen modernen Zwei-Personen-Haushalten bundesweit zu speichern.
Für eine effiziente Umstellung auf erneuerbare Energien müsste der jährliche Ausbau von Batteriespeicherkapazitäten nach Einschätzung des Bundesverbandes jedoch noch mehr als verdoppelt werden.
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