Ein Mädchen schwimmt im Schwimmbad.
Ein Mädchen schwimmt im Schwimmbad.
Bild
Machen Bayerns Schwimmbäder bald reihenweise dicht?
Bildrechte: BR/Julia Müller
Schlagwörter
Bildrechte: BR/Julia Müller
Videobeitrag

Machen Bayerns Schwimmbäder bald reihenweise dicht?

Videobeitrag
>

Machen Bayerns Schwimmbäder bald reihenweise dicht?

Machen Bayerns Schwimmbäder bald reihenweise dicht?

Mehr als jedes zweite bayerische Bad ist ein Sanierungsfall. Doch viele Gemeindekassen sind leer und die Fördersummen des Freistaats reichen bei weitem nicht aus – dabei bergen Schließungen eine große Gefahr. Was gegen ein Bädersterben helfen könnte.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Youtube am .

Für Johann Kronauer gibt es bei Schwimmbädern ein grundlegendes Problem: "Natürlich können Eintrittsgebühren nicht für eine Kostendeckung sorgen", sagt der Geschäftsführer des Bayerischen Städtetags. "Das haben sie noch nie getan. Der Aufwand für Energie, für Personal, für Wartung, für Instandhaltung – das sind die Kostentreiber." Für Kommunen ist der Betrieb eines Schwimmbads also ein Minusgeschäft, sie müssen ungefähr 70 Prozent der laufenden Kosten übernehmen – noch schwieriger wird es, wenn Reparaturen anstehen.

"Die Lage in Bayern ist schlecht"

In den 70er- und 80er-Jahren gab es in Deutschland einen regelrechten Boom beim Bau von Schwimmbädern. "Die sind natürlich jetzt alle in die Jahre gekommen", sagt Thomas Karmasin, CSU-Landrat in Fürstenfeldbruck. “Wir haben eigentlich in jedem Landkreis in Bayern mindestens ein sanierungsbedürftiges Schwimmbad", so Max Deisenhofer, sportpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag.

Viele Kommunen klagen jedoch seit geraumer Zeit ohnehin über leere Kassen: Die Kosten beispielsweise für Pflege oder die Eingliederungshilfe von Menschen mit Behinderung seien enorm gestiegen – deshalb müsse man in anderen Bereichen sparen: "Das sind Einrichtungen der Kultur, Einrichtungen des Sports – eben auch Freibäder, Schwimmbäder – was wir so alles noch haben an Schönem in den Kommunen", so Karmasin. Der Grund: Bäder sind eine freiwillige Aufgabe. Kommunen müssen also keine Schwimmbäder betreiben. Deshalb werden nötige Sanierungen vielerorts immer weiter verschoben. Einige Schwimmbäder stehen sogar vor dem Aus. "Die Lage in Bayern ist schlecht", sagt der SPD-Landtagsabgeordnete Harry Scheuenstuhl, Sprecher für Kommunalfinanzen.

Im Video: Schwimmbäder in Not – gibt's bald keine öffentlichen Bäder mehr?

Sanierungsbedarf von Bädern deutschlandweit hoch

Im Freistaat gibt es knapp 900 öffentliche Schwimmbäder. Mehr als die Hälfte davon ist laut Staatsregierung aktuell sanierungsbedürftig, ähnlich ist die Lage in NRW. Im Saarland muss nach Angaben des Gemeindetags fast jedes Bad repariert werden.

Dazu passt eine aktuelle Befragung der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen unter 354 Bädern deutschlandweit. Diese ist zwar nicht repräsentativ, zeigt aber eine klare Tendenz: 82 Prozent der Bäder melden Sanierungsbedarfe, weit mehr als die Hälfte spricht von "nennenswerten" oder gar "gravierenden" Investitionsrückständen.

Bei Schließungen droht Zahl der Nichtschwimmer zu steigen

Finden die Reparaturen nicht statt, könnten Bäder dichtmachen – mit womöglich gefährlichen Folgen: "Ohne Bad kein Schwimmen, ganz einfach", sagt Scheuenstuhl. In Baden-Württemberg konnte zuletzt jede fünfte Grundschule wegen nicht verfügbarer Bäder keinen Schwimmunterricht anbieten. Auch in Bayern ist das ein Problem.

Laut Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) können bis zu 60 Prozent der Grundschüler nicht sicher schwimmen, rund 20 Prozent gar nicht. Gibt es irgendwann noch weniger Bäder, dürfte auch die Zahl der Schwimmkurse sinken – und Kinder, die nicht schwimmen können, haben ein höheres Risiko zu ertrinken.

Mehr Geld und Zusammenarbeit als Lösung?

Was also tun gegen das drohende Bädersterben? Mit dem "Sonderprogramm Schwimmbadförderung" stellt der Freistaat Bayern einen Fördertopf von insgesamt 20 Millionen Euro pro Jahr für die Sanierung kommunaler Bäder bereit. Eine Summe, die bei weitem nicht ausreicht: "Wenn man so ein Bad ordentlich herrichtet, reden wir gleich mal über eine Größenordnung von 15 Millionen Euro", sagt Landrat Karmasin. Die Grünen sehen bayernweit einen Investitionsstau von rund zwei Milliarden Euro – und fordern wenigstens eine verdoppelte Fördersumme von 40 Millionen Euro pro Jahr. "Das wird immer noch nicht alles abdecken, aber wäre ein wichtiges Zeichen", so Deisenhofer.

Helfen könnte außerdem eine stärkere kommunale Zusammenarbeit. "Dass man mal schaut: Wie viele Bäder brauchen wir überhaupt, um das Schulschwimmen gestalten zu können?", sagt SPD-Politiker Scheuenstuhl. Die Idee: Nicht jede Gemeinde muss ein Bad allein sanieren und betreiben. Mehrere Kommunen könnten sich zusammentun und gemeinsam ein regionales Schwimmbad sichern.

Teils kümmern sich Ehrenamtliche um Schwimmbadrettung

Mancherorts wollen die Menschen darauf nicht warten, sondern packen selbst an – zum Beispiel im oberbayerischen Waldkraiburg. Das dortige Waldbad war zweieinhalb Jahre lang geschlossen, bis zum Frühsommer 2025. Die Stadt hatte nicht genug Geld für eine Sanierung. Also sammelte ein Förderverein knapp 600.000 Euro Spendengelder und kümmerte sich mit über 100 Ehrenamtlichen selbst um die Reparatur. Auch das Freibad in Tegernbach (Landkreis Pfaffenhofen) konnte 2022 nur dank Spenden und ehrenamtlichem Engagement wieder öffnen. Der örtliche Sportverein bildet regelmäßig Rettungsschwimmer aus – und bietet während der Freibadsaison Kinderschwimmkurse an.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!