Der Gang in die Kantine und die Mensa gehört für viele zum werktäglichen Ritual und in Bayern geben Kantinen, Kitas und Mensen etwa 1,8 Millionen für Mittagessen aus. Verbände wie zum Beispiel Bioland und Naturland fordern schon seit Jahren eine verbindliche Quote für Bio-Produkte. Doch kann das funktionieren, ohne dass das Essen merklich teurer wird? Eine Schule in Nürnberg setzt seit fast 20 Jahren auf Bio-Lebensmittel in Theorie und Praxis.
Lecker, gesund und Bioqualität
Lauch zerteilen, Süßkartoffeln schälen, Teig anrühren und Salat waschen: In der Schulküche der Beruflichen Schule 7 in Nürnberg arbeiten zehn junge Frauen und Männer zusammen mit ihren Lehrkräften am Mittagessen. So steht an einem Tag etwa eine Gemüsequiche mit Fenchel-Apfelsalat auf der Speisekarte. Neben dem Hauptgang gibt es einen Salatteller, ein Dessert und Schoko-Kirsch-Muffins. Alle Gerichte werden aus Bio-Lebensmitteln hergestellt.
Bio im Kopf und im Topf
Nach einem Vorgespräch machen sich um 10.45 Uhr alle an die Arbeit. Um 12.30 Uhr muss alles fertig sein. Die 19-Jährige Alessandra mag den Stress in der Küche. Mit weißem Küchenkittel und schwarzer Haarabdeckung hilft sie aus, wo sie gerade gebraucht wird: holt mal eine Schüssel aus dem Edelstahlschrank oder schält Süßkartoffeln.
Sie lernt an der Fachakademie Betriebswirt für Versorgung und Ernährung. Und dazu gehört die Praxis in der Schulküche. Bio-Verpflegung ist Teil des Lehrplans – in Theorie und Praxis. "Man weiß, wie wichtig es ist, egal ob für die Umwelt, ob für sich selbst", sagt die 19-Jährige. Aber nur Bio-Lebensmittel zu kaufen, sei für sie als Studierende schwierig.
Ökologische Lebensmittel als Kostenfaktor
Biolebensmittel sind meist teurer als herkömmliche, beim Fleisch sind die Preise manchmal mehrfach so hoch. Das spielt auch bei der Beruflichen Schule 7 in Nürnberg eine Rolle: Fleisch und Fisch werden nicht in Bio-Qualität angeschafft. Es wird dafür viel Vegetarisches angeboten. Wenn es aber mal Schnitzel oder Gulasch gebe, dann sei die Nachfrage in der Mensa schon größer, berichtet die stellvertretende Schulleiterin, Alexia Lauer.
Ein Mittagessen an der Beruflichen Schule ist günstig: Ein Hauptgang wie die Quiche mit Salat kostet drei Euro. Das Dessert kostet 1,50 Euro. Der Vorteil hier: Die Schule hat kaum Personalkosten. Denn die Schüler und Studierenden, die in der Küche lernen, sind Köche, Teamleiter und Mensamanager. "Die Speisepreise sind ohne Personalkosten kalkuliert", sagt Alexia Lauer aus der Schulleitung.
Mehr Bio für Schulkantinen und Mensen in Bayern
Die Vorsitzende des Bio-Spitzenverbandes BÖLW, Tina Andres, fordert von der Politik, mehr zu tun, damit Kantinen mehr Bio-Lebensmittel verwenden: "Man kann auf Bio umstellen, ohne dass die Kosten steigen." Bioverbände haben mehrfach gefordert, verbindliche Quoten für den Einsatz von Bio-Lebensmitteln in der Außerhausverpflegung vorzuschreiben.
Die Bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) setzt lieber auf Freiwilligkeit: "Das ist immer auch ein Eingriff in ein Wirtschaftsunternehmen", sagte die Ministerin im Vorfeld eines Besuchs der Biofach-Messe in Nürnberg. Das Ministerium gebe etwa für Kantinenleitungen Coachings in den kommunalen Ämtern. Das Argument, Bio sei zu teuer, stimme nicht. Die eigenen Kantinen würden da als Vorbild vorangehen. Ein Großteil der 94 staatlichen Kantinen verwende schon fünfzig Prozent ökologische und regionale Ware, so Kaniber (CSU).
Mehr Lust auf Bio in Bayern – aber nicht mehr Angebote
Der Appetit der Menschen auf Bio-Lebensmittel nimmt weiter zu: In Deutschland sind die Umsätze im vergangenen Jahr um rund sieben Prozent gestiegen, meldet der Bund für Ökologische Lebensmittelwirtschaft BÖLW. Dagegen nahm die landwirtschaftliche Fläche für Bioprodukte in Bayern im vergangenen Jahr ab. "Wir kommen zunehmend in eine Situation, in der wir bestes Bio, das wir auch in Deutschland produzieren könnten, importieren müssen", sagt BÖLW-Vorständin Tina Andres.
Bio-Landwirte bräuchten mehr Planungssicherheit. Kantinen und Mensen könnten diese als Abnehmer schaffen. Es sei eine große vertane Chance für Deutschland. Die Vorsitzende des Bio-Spitzenverbandes wünscht sich deshalb mehr Engagement aus der Politik.
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