Eigentlich sollte nach dem umstrittenen Heizungsgesetz von Wirtschaftsminister Robert Habeck (B'90/Grüne) alles anders werden, einfacher. "Wir schaffen das Heizungsgesetz ab. Der Heizungskeller wird wieder zur Privatsache", kündigte Unionsfraktionschef Jens Spahn an. Doch das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sorgt nun erneut für Kritik – bei Vermietern ebenso wie bei Mietern.
Oliver Abeltshauser besitzt sechs Appartements in einer Studentenwohnanlage in Regensburg. Eine der Wohnungen saniert er gerade. Sorge bereitet ihm vor allem eine neue Umlage: Entscheidet sich die Eigentümerversammlung künftig erneut für eine Öl- oder Gasheizung, muss Abeltshauser sich an den Heizmehrkosten seiner Mieter prozentual beteiligen.
Vermieter: Eigentümer überlegen, Wohnungen leer stehen zu lassen
Das Problem aus seiner Sicht: Den Energieverbrauch der Mieter könne er nicht beeinflussen. Bei manchen beliefen sich die Heizkosten im Jahr nur 200 Euro, bei anderen auf 1.200 Euro, je nach Verbrauch. Abeltshauser beobachtet zudem Verunsicherung unter Vermietern. Gerade ältere Eigentümer würden derzeit überlegen, Wohnungen nach einem Auszug überhaupt noch neu zu vermieten oder sie lieber leer stehen zu lassen, sagt er im Politikmagazin Kontrovers.
Auch Mieter sehen das vom Bundeskabinett beschlossene neue Heizungsgesetz kritisch. Allerdings aus anderen Gründen. Imanuel Ziefle ist Mieter einer Wohnung in der Nürnberger Innenstadt. Bei ihm ist eine Gasetagenheizung eingebaut. Er befürchtet Mehrkosten, falls die mal kaputtgehen sollte und sein Vermieter erneut auf eine fossile Heizung setzt. Ziefle fand das alte Heizungsgesetz unter Federführung von Habeck besser, weil es den Neueinbau fossiler Heizungen verboten habe.
Hohe Investitionskosten für Wärmepumpen
Bundeswirtschaftsministerin Reiche argumentiert dagegen, statt eines Verbotes schaffe das neue Gesetz "passgenaue Lösungen" für Eigentümer und Vermieter. Energieberater Daniel Keller vom Eigentümerverband Haus & Grund berät Vermieter und weiß, warum nicht jeder auf Wärmepumpen umrüsten kann. Vor allem in innerstädtischen Gebäuden fehle häufig der Platz, zudem gebe es strenge Schallschutzvorgaben. Selbst wenn genügend Platz vorhanden ist, seien die Investitionskosten für Wärmepumpen hoch.
Bei einer Wohnanlage wie der von Oliver Abeltshauser aus Regensburg habe eine Wärmepumpe laut Energieberater Keller rund 150.000 Euro mehr gekostet als eine neue Gasheizung. Zudem könnte Abeltshauser als einer von vielen Vermietern der Wohnanlage den Einbau einer Wärmepumpe gar nicht so einfach durchsetzen.
Das Thema sei emotional: "Viele Eigentümer, die schon fortgeschritten älter sind, sagen dann umgangssprachlich auch, ich erlebe ja gar nicht mehr, bis sich das amortisiert", so Keller in Kontrovers. Für Oliver Abeltshauser berechnet der Energieberater Mehrkosten zwischen 300 und 400 Euro pro Jahr für seine sechs Appartements aus. Und mehr Bürokratie würde auf ihn zukommen, denn die Nebenkostenabrechnung wird komplizierter.
Das neue Gebäudemodernisierungsgesetz soll mehr Freiheit bringen. Einfacher wird Heizen aber offenbar nicht.
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